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VERGANGENE SAISON: Da spielte Pogatetz noch regelmäßig.

VERGANGENE SAISON: Da spielte
Pogatetz noch regelmäßig.© imago sportfotodienst

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Interview

Pogatetz: "96 in der zweiten Liga tut weh“

Emanuel Pogatetz (33) spielte von 2010 bis 2012 bei Hannover 96. Am Sonntag trifft er mit seinem aktuellen Arbeitgeber Union Berlin auf seinen Ex-Club. NP-Redakteur Dirk Tietenberg traf den Österreicher zum Interview in Berlin.

Emanuel Pogatetz, lange nicht gesehen. Sie haben inzwischen die Welt bereist ...

Ich habe viel Lebenserfahrung gesammelt. Aber es war schön, dass ich nach der Amerika-Erfahrung nochmal die Chance bekommen habe, bei Union in Deutschland zu spielen.

Sie haben den amerikanischen Traum gelebt. Wie war Ihre Zeit in der US-Profi-Liga bei Columbus Crew?

Als wir mit Nürnberg abgestiegen waren, war das ein echter Nackenschlag. Ich habe mir gesagt: Okay, ich bin jetzt 32 und schau nochmal, ob ich ganz weggehe vom europäischen Fußball. Und Amerika hatte mich immer interessiert. Aber es war anders, als ich es mir vorgestellt habe.

Weniger Glanz und Lametta?

Genau. Ich war in Ohio, in Columbus. Die Menschen waren wirklich nett. Aber das war jetzt nicht New York, Seattle oder Orlando. Und sportlich war es auch schwierig. Das geht dort ein wenig wie beim Eishockey zu. Es geht viel hin und her, kaum mit Taktik. Wir haben nie unter zwei Toren kassiert, weil wir nur offensiv gedacht haben. Da bin ich ehrlich: Das hat mir keinen Spaß gemacht. Ich bin ja nicht der Typ, der da brasilianisch auftrumpft. Ich bin dafür zuständig, dass die Null steht. Da war ich froh, zurückzukommen und wieder geordnet Fußball zu spielen.

Eisenfuß zu Eisern Union. Passt das?

Ja. ich habe mich sehr gefreut darüber. Ich schätze die Atmosphäre hier sehr. Sascha Lewandowski wollte mich unbedingt holen. Dann komme ich her, kurze Zeit später kommt wieder ein neuer Trainer …

Weil Lewandowski starb.

Ja, das war eine sehr ungewöhnliche Situation. Dann kam ein neuer Trainer und noch ein neuer Trainer. Es hätte etwas geradliniger verlaufen können für mich.

Sie haben in dieser Saison unter Jens Keller noch nicht gespielt. Wie nah sind Sie dran?

Ich werde wohl gegen Hannover in den Kader rutschen. Ich bin jetzt vierter Innenverteidiger. Das ist enttäuschend. Ist so. Ich habe alles dafür getan, in die Stammelf zu kommen, habe auch eine gute Vorbereitung hingelegt, im Test vor einer Woche ein Tor erzielt. Ändern kann ich es nicht. Ich kann nur versuchen, mich anzubieten.

Wenn Martin Harnik eingewechselt wird, dann muss Jens Keller Sie sofort auch einwechseln?

Ja ja, wir kennen uns ja von der Nationalmannschaft, der Martin und ich. Aber an ihm sieht man ja, welche Qualität Hannover hat. Es wird ein ganz besonderes Spiel: wir mit unserer Heimstärke, Hannover mit seiner Qualität.

In Hannover hatten Sie Ihre erfolgreichste Zeit. Mit wem haben Sie noch Kontakt?

Eher mit dem Umfeld. Es wurde aus meiner Sicht damals unterschätzt, was für ein großer Verlust der Weggang von Jörg Schmadtke war. Er hat eine Riesenarbeit geleistet, das sieht man jetzt in Köln, wie er das macht.

Gönnen Sie 96 den Aufstieg?

Ich wünsche Hannover, dass sie es zurück schaffen. Ach, wenn ich zurückdenke: Wir waren damals mit Hannover Vierter, das wäre heute Champions League. Im Jahr danach waren wir wieder in Europa. Es tut mir weh, wenn ich sehe, dass der Verein in der zweiten Liga angekommen ist.

Wie denken Sie heute an Ihren Abschied zurück?

Das ist das Business. Es wurde nicht mehr mit mir geplant. Das habe ich gemerkt. Als sich die Option Wolfsburg auftat, habe ich das genutzt. Nicht immer sind Entscheidungen richtig. Ob das die richtige Entscheidung von Hannover war? Wahrscheinlich nicht. Ob es meine richtige Entscheidung war, nach Wolfsburg zu gehen? Wahrscheinlich auch nicht. Es hätte wohl besser gepasst, wenn wir den Weg gemeinsam weitergegangen wären.

Ich wollte immer die Geschichte machen „Der ,Mad Dog‘ Pogatetz in der Kneipe im ,Bösen Wolf‘“. Vermissen Sie das?

Eine coole Zeit war das. Mittlerweile bin ich ruhiger und mit Katharina verheiratet. Ich war damals ein bisschen aus - und der „Böse Wolf“ in Linden war eine coole Bar. Ich fahre immer noch mit meiner Frau nach Hannover, wir gehen mal ins Kröpcke-Café oder zu unserem Lieblingsitaliener. Es war immer was los, wie beim Maschseefest, aber nie übertrieben.

Sie schwärmen.

Ja, und ich mag es auch, dass in Hannover so schön nach der Schrift gesprochen wird. In Berlin musst du oft zweimal hinhören. (lacht)

Wie gehts Ihnen körperlich?

Gut. Ich werde natürlich nicht jünger, und mein Vertrag läuft am Ende der Saison aus. Ich bin da noch im Findungsprozess. Vielleicht hänge ich in Österreich noch ein oder zwei Jahre dran.

Werden Sie mit Christian Schulz bei Sturm Graz spielen?

Ja genau! Mich freuts für Schulle - und Sturm Graz ist mein Heimatverein. Ich wäre da offen. Aber sollte sich nichts auftun, dann würde ich auch aufhören.

Ihr Leben wird in Österreich weitergehen?

Ja. Wahrscheinlich in Wien oder Umgebung.

Nach dem amerikanischen Traum. Werden Sie dann Teamtrainer in Österreich?

Ich werde dem Fußball irgendwie verbunden bleiben. Bei Trainern sehe ich seit Jahren jeden Tag, was das für ein Aufwand ist. Mal schaun, ob ich mir das noch antun möchte mit dem ganzen Druck.


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