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Hannover 96 Ist Hannover 96 untrainierbar?
Sportbuzzer Hannover 96 Ist Hannover 96 untrainierbar?
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21:57 18.01.2010
Sie wollen bei Hannover 96 Führungsspieler sein, verstecken sich aber derzeit lieber: Christian Schulz (links) und Arnold Bruggink. Quelle: Zur Nieden

Von Dirk Tietenberg

Hannover. 96 steht nach dem 0:3 gegen Hertha so schlecht da wie seit sieben Jahren nicht mehr. Nach fünf Monaten im Amt scheitert nun also auch Andreas Bergmann als Trainer bei den Profis. Am 19. August hatte Dieter Hecking seine Rücktrittsentlassung bekanntgegeben. Erst Hecking, jetzt Bergmann – ist diese Mannschaft untrainierbar?

Die Leistungen der vergangenen drei Spiele gegen Gladbach (3:5), Bochum (2:3) und Hertha (0:3) lassen das Schlimmste befürchten. „Das war wirklich der absolute Tiefpunkt“, sagte Christian Schulz einen Tag nach dem Hertha-Spiel. Ein Tiefpunkt, auf den die Mannschaft seit langem zusteuert.

Kapitän des sinkenden 96-Schiffs ist Arnold Bruggink, ein beliebter und sympathischer Mensch, der aber sportlich die Rolle nicht ausfüllen kann. Bergmann hat Bruggink nach dem Selbstmord von Robert Enke zum Spielführer berufen.

Schlimmer gehts nimmer: Hannover 96 versiebt das Kellerduell gegen Hertha BSC Berlin und steckt nun mitten im Abstiegskampf.

Der gefühlte Kapitän Hanno Balitsch steuert zwar leistungsmäßig mit, wenn er wie gegen Hertha nicht gerade gelbgesperrt fehlt. Aber der Lautsprecher ist nicht das gewählte Sprachrohr der Mannschaft. Er hat Freunde, unter anderem Bruggink, aber auch interne Gegner.
Bergmann machte Balitsch zum Boss im Mittelfeld. „Hanno Balitsch ist auf seiner zentralen Position sehr zweikampfstark, sehr präsent“, lobte der Trainer stets.

Die zentralen Figuren und Meinungsführer im 96-Gefüge sind Bruggink und Balitsch, außerdem Steven Cherundolo als Dritter im Bunde. Der Amerikaner hat durch seine lange 96-Zeit die Erlaubnis zum Mitreden. Bei seiner Hochzeitsfeier vor zwei Wochen war allerdings nicht die komplette Mannschaft eingeladen, sondern nur einzelne Spieler.

Am Sonntag, einen Tag nach der Blamage gegen Schlusslicht Hertha, waren es wieder dieselben Spieler, die sich meldeten. Bruggink und Balitsch sollen klare Worte gefunden haben. Was wurde gesagt? „Das bleibt intern“, betonte Balitsch gestern.

Der vielleicht größte Fehler des Bundesliga-Neulings Bergmann: Er vertraute seinen leitenden Profis blind. Hecking tat dies nicht. Der 45-Jährige verlor den Kampf gegen die Köpfe der 96-Mannschaft, die sich sogar bei 96-Chef Martin Kind über den Trainer beschwert hatten. „Hecking war ihnen zu hart“, gab Kind kürzlich zu.

Das große interne Gefecht hatte Hecking im Mai gegen Michael Tarnat verloren. Der Trainer teilte dem Alt-Nationalspieler mit, dass 96 nicht mehr mit ihm plane. Tarnat beschwerte sich vor laufender Kamera und schimpfte: „Respektlos! Unwürdig!“

Der riesige Riss zwischen Mannschaft und Trainer wurde beim 96-Spiel in Bielefeld klar sichtbar, als die Spieler vor Tarnats Trikot niederknieten, während die hannoverschen Fans forderten: „Nimm den Hut, Dieter!“

Der sportliche Tiefpunkt der Trainer-Mannschaft-Beziehung folgte in der ersten DFB-Pokalrunde beim Viertligisten Trier (1:3). Zwei Wochen später nahm Hecking tatsächlich seinen Hut.

Nach dem erneuten Tiefpunkt gegen Hertha wird Bergmann das nächste Opfer der 96-Mannschaft. Der nächste Trainer muss aus den Erfahrungen lernen, die Hecking und Bergmann mit der Mannschaft gemacht haben.

Dabei wird der Neue nicht drum herum kommen, über die Rolle der Führungsspieler nachzudenken. Am besten sofort, spätestens zur kommenden Saison müsste die Mannschaft neu strukturiert werden – 96 braucht dringend eine neue Hierarchie.

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