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Böder Ritter: 13-mal lehrte Maskottchen „Keule“ Gegner das Fürchten mit seinem Morgenstern.

2. Liga

Hannover 96: Keine Angst vor Keule

Seit einem Jahr, genau seit 357 Tagen, hält die trotzige Festung von Berlin-Köpenick. Damals hatte der Trainer-Hauptmann Stefan Effenberg mit seinem Kapitän Marvin Bakalorz und den Paderbornern die Alte Försterei von Union Berlin mit 2:0 erstürmt. Morgen spielt Bakalorz mit Hannover bei Union. Aber wie will 96 die Festung Försterei knacken?

Hannover. Union verteidigt die Berliner Ost-Burg mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln. Verteidiger Toni Leistner scherzt: „Der Gegner kommt mit dem Wurstgeruch nicht klar.“ Der Wurstwind weht dem Gegner heftig entgegen. Dazu kommt die Unterstützung der Fans. „Das ist wie eine Symbiose“, erklärt Ex-96-Verteidiger Emanuel Pogatetz, der morgen auch auf der Berliner Bank sitzt. Der Club pflegt diese Verbindung. Bei Pressekonferenzen müssen die Trainer stehen, weil im Union-Stadion mehr als 18 000 der 22 000 Zuschauer ebenfalls stehen und extrem Lärm machen. Dazu droht Ritter-Maskottchen „Keule“ mit einem gewaltigen Morgenstern.

Aber 96-Trainer Daniel Stendel schert sich nicht um Keule oder Würste. „Wir wissen, dass ’ne Menge los sein wird“, sagt er, „aber von uns haben einige schon vor größerer Kulisse gespielt.“ Während Union-Trainer Jens Keller sich und die Mannschaft speziell vor dem 96-Spiel abschottete, ändert Stendel einfach – nichts. Für ihn ist „Respekt da, aber wir wollen unser Spiel machen, und das ändert sich auch nicht in Berlin“.

96 stürmt die Festung mit den Mitteln der letzten Siege. Mit Stefan Strandberg und Bakalorz „haben wir Stabiltät gefunden, mehr Verlässlichkeit in unser Spiel bekommen“. Dabei wäre Salif Sané nach der Sperre zurück, und natürlich „kann er sich Hoffnungen machen, dass er spielt“. Dennoch versteckt Stendel den 96-Riesen wohl als Geheimwaffe auf der Bank. Denn: „Wenn eine Mannschaft dreimal zu null gewinnt, ist das ein Pfund, mit dem man wuchern kann.“

Die „lebenden Eckfahnen“, die Edel-Fan Andora, Pop-Art-Künstler aus Hannover, für Union entwarf, könnten morgen eine Rolle spielen. Denn Eckbälle sind eine 96-Spezialität. Mit Toren nach Standards ist 96 in der zweiten Liga Spitze.
Dazu kommt die Vermutung des 96-Trainers: „Gegen Mannschaften, die mehr fürs Spiel tun, können wir besser aussehen.“ Nach Angst vor der großen Union-Keule klingt das bei Stendel jedenfalls nicht.

Dirk Tietenberg


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