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Hannover 96

Hannover 96: Jeder ist gefordert

Es läuft nicht mehr bei 96. „Momentan ist es schwerer als sonst“, gibt Marvin Bakalorz zu. Der Mittelfeldspieler war noch einer der Besseren beim chaotischen Auftritt in Nürnberg. Es war die schwächste Saisonleistung, nach der das „Horrorszenario“ von 96-Chef Martin Kind tabellarische Wirklichkeit geworden ist: acht Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Braunschweig.

Hannover. Nach Leistungen wie in Nürnberg verbietet sich, vom Aufstieg zu reden. Von dem, was den Fußball unter Daniel Stendel anfangs ausgezeichnet hat, ist nichts mehr zu sehen. Attraktiver, offensiver Fußball mit frühem Pressing – das ist Vergangenheit. Die Gegenwart heißt: einfallsloser, kreativbefreiter Fußball mit schlechter Zweikampfführung.

Der 96-Boss sieht dabei „eine falsche Euphorie“ nach den Anfangserfolgen. Die Mannschaft habe „noch kein wirklich überzeugendes Spiel gezeigt“. Gewonnen hat 96 nur gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte. „Gegen annähernd gleichwertige Gegner haben wir Probleme ohne Ende“, ärgert sich Kind.

96 spielt sich kaum Torchancen heraus. In Nürnberg hatte das Team nur eine wirklich gute Chance beim Kopfball von Martin Harnik. Dazu der Elfmeter, den Miiko Albornoz verschoss. Gefährlich wird 96 meist nur noch bei Ecken und Freistößen.

Alles Krisensymptome, die in dieser besonderen Saison besonders schnelle Korrekturen erfordern. Der Aufstieg ist notwendig, um das Versinken im Mittelmaß zu verhindern. 96 zahlt drauf, setzt viel Geld ein, um zurück in die Bundesliga zu kommen. Mit 23 Millionen Euro ist der Spieleretat doppelt so hoch wie bei den meisten Konkurrenten. Den Unterschied sieht man aber nicht.

Stimmen die Ergebnisse nicht, kommt auch Stendel in dieser Ausnahmesaison schnell unter Druck. Drei Niederlagen nach zehn Spielen sind schon fast zu viele – Personalentscheidungen wie bei Salif Sané sind dazu schwer nachzuvollziehen. Wohlwollend formuliert, macht Stendel einen Lernprozess durch, der sollte allerdings bald beendet sein. Wird der Abstand zu den Aufstiegsplätzen noch größer, wird der Trainer kaum zu halten sein.

Nicht in seiner Verantwortung sind allerdings die Verletzungen wichtiger Spieler. Die Super-Offensive liegt auf der Krankenstation. Martin Harnik fehlt zu oft angeschlagen, Niclas Füllkrug länger, und die 96-Rakete Noah Sarenren-Bazee zündet frühestens Mitte November. Artur Sobiechs Lauf wurde außerdem durch seine Verletzung unterbrochen.

„Wir wussten, dass schwierige Zeiten auf uns zukommen können“, sagt Bakalorz und verlangt: „Jeder Einzelne ist jetzt gefordert.“ Spieler und Trainer müssen wieder in die Erfolgsspur kommen. „Gott sei Dank geht’s Mittwoch schon weiter“, meint Bakalorz. Ein Sieg im Pokal gegen Düsseldorf sollte es sein, doch Kind warnt: „Mit der Leistung wird es schwer, unser Ziel zu erreichen.“

von Andreas Willeke


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