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Hannover 96 "Es ist notwendig, eiskalt zu handeln"
Sportbuzzer Hannover 96 "Es ist notwendig, eiskalt zu handeln"
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23:00 20.01.2010
ER KANN AUCH EISKALT SEIN: Mirko Slomka am Mittwoch bei seiner Vorstellung als neuer 96-Trainer. Quelle: dpa

Mirko Slomka, wie sind Ihre ersten Eindrücke?

Es ist erst einmal schön, vertraute Gesichter zu sehen. Es gibt eine besondere Verbundenheit, nicht nur zu diesem Verein. Ich lebe hier, mein Herz hängt an dieser Stadt. Die Situation der Mannschaft ist prekär, wir befinden uns auf einem Relegationsplatz. Gegen Mainz und Nürnberg müssen wir den Turnaround schaffen für eine gute Grundstimmung, die die Stadt auch benötigt. Auch das ist mir nicht verborgen geblieben, dass die Fans sich nicht zu hundert Prozent mit der Mannschaft identifizieren.

Wie wollen Sie das ändern?

Wir wollen mehr, wir brauchen die ständige Unterstützung des Publikums. Ich habe der Mannschaft deutlich gemacht, dass sie dafür verantwortlich ist, dass sie diese Unterstützung erhält. Es kommt nicht von ungefähr, dass sie bei der Sportgala der Neuen Presse zur Mannschaft des Jahres gewählt wurde. Diese Mannschaft ist nach wie vor die Nummer eins in der Stadt. Das muss sie unter Beweis stellen. Dafür stehe ich gerade.

Sind Sie froh, wieder als Trainer angestellt zu sein?

Es hat mir einen Riesenspaß gemacht, auf dem Platz zu arbeiten. Da gehöre ich hin, ich bin nicht der Fernseh-Experte. Ich bin ein Trainer aus Fleisch und Blut und möchte das gerne umsetzen, was ich gelernt und getan haben.

Wie wollen Sie mit der Mannschaft umgehen?

Disziplin und Ordnung sind die Grundvoraussetzung. Ich bin mir zu hundert Prozent sicher, dass die Mannschaft sich auf das Trainerteam einstellt, sodass wir erfolgreich in die nächsten Spiele gehen.

Warum hat es so lange gedauert, bis Sie nach Schalke wieder einen Job gefunden haben?

Es ist eine Hürde, wenn man Trainer bei Schalke war. Man denkt vielleicht, dass es eine höhere Ebene ist. Es gab Kontakte zu Vereinen, aber auch Kollegen, die vielleicht ein überzeugendes Konzept hatten. Aber man sollte nicht zurückschauen. Wir sollten darauf schauen, dass es so schnell wie möglich wieder erfolgreich wird.

Welchen Eindruck haben Sie von der Mannschaft?

Der erste Eindruck ist wie immer bei einem Trainerwechsel. Es ist eine gewisse Verunsicherung da. Auch eine Ruhe, jeder wartet ab, was der Trainer sagt. Im Training war die Mannschaft sehr engagiert und konzentriert. Positiv stimmt mich, dass die Spieler sofort umsetzen, wenn man ihr etwas an die Hand gibt. Bei der Änderung einer taktischen Marschroute brachte es eine höhere Konzentration und auch Erfolg.

Ist die Zeit nicht sehr knapp?

Wir können uns nicht viel Zeit lassen. Wir müssen sofort handeln, damit wir in Mainz Erfolg haben.

Können Sie uns sagen, wie 96 aus der Misere kommt?

Ich bin ein sehr teamorientierter Trainer. Ich bin ein konsequenter Mensch. Ich bin menschlich durchaus erreichbar für Spieler. Dennoch ist es notwendig, bei jeder Profimannschaft eiskalt zu handeln. Es gibt einen guten Vergleich. Sie werden alle Björn Borg kennen, ein charmanter Mensch, der niemandem etwas Böses tun kann. Aber Björn Borg war eiskalt in seiner Handlung. Wir müssen Situationen im Spiel erkennen, in denen wir eiskalt handeln können, um den Gegner zu schlagen.

Wie gehen Sie das Spiel gegen Mainz an?

Es gilt, zu analysieren, wo ist die Chance, Mainz auszugucken, wo die Schwächen sind und welche Stärken wir bearbeiten müssen. Wir werden alles analysieren. Wir werden für uns die beste Mannschaft auf den Platz schicken, die mit Herz und Leidenschaft daran arbeitet, gegen Mainz zu gewinnen und mit Freude auf den Platz geht, in der Bundesliga zu spielen.

Stört es Sie, dass Sie so kurzfristig denken müssen?

Erfolg braucht Visionen. Ich schaue jetzt, was notwendig ist, um Erfolg zu haben. Und ich schaue danach, was notwendig ist, um mit dem Verein weiterzukommen, der schon kurz vor dem nächsten Schritt war, um dauerhaft unter den ersten zehn der Bundesliga zu stehen. Aber dafür müssen wir den ersten Schritt machen, nämlich in eine gesicherte Position in der Bundesliga kommen.

Wie schätzen Sie die Bedingungen für Visionen ein?

Exzellent. Wir haben ein tolles Umfeld, tolle Fans, ein fantastisches Stadion. Diese Dinge möchten wir nutzen, um weiterzukommen. Jetzt gilt es aber erst, aus der Misere herauszukommen.

Arbeiten Sie mit Mentaltrainern?

Ich informiere mich natürlich im Umfeld. Aber jetzt muss auf dem Platz gearbeitet werden. Es gab viele Gespräche, aber wir müssen jetzt auf den Platz gehen. Es sind alles Spitzensportler, auch wenn es momentan manchmal anders aussieht. Aber Spitzensportler sind bereit, an sich zu arbeiten. Wenn sie das Gefühl haben, top vorbereitet zu sein, dann ist eine Mannschaft fit. Dafür bin ich verantwortlich.

Wollen Sie personell etwas verändern?

Ich muss das erst einmal ein bisschen sacken lassen. Nach der Beobachtung der Mainzer Mannschaft werden wir uns entscheiden. Wir wollen agieren, nicht nur reagieren. Bei dem einen oder anderen Spieler müssen wir die Handbremse lösen, vielleicht noch taktische Hinweise geben.

In welchem Zustand ist die Mannschaft?

Es wurde sehr gut gearbeitet. Das steht ohne Zweifel fest. Da müssen wir ansetzen und die Stärken jedes Spielers in die richtige Position bringen, um Erfolg zu haben.

Wollen Sie noch bis zum Ende der Wechselfrist neue Spieler holen?

Ich habe mich zu diesem aktuellen Kader bekannt. Ich bin überzeugt, dass diese Mannschaft die Qualität hat. Das hat sie bewiesen. Wenn man etwas erkennt am Samstag oder im Training.

Was können Sie tun, um den Tod von Robert Enke zu verarbeiten?

Ich kann nicht Trainer und Seelsorger sein. Ich kann diesen Aspekt in der Psyche nicht lösen. Aber ich kann es auf dem Platz lösen.

Gibt es Überlegungen, beim Kapitän etwas zu ändern?

Darüber mache ich mir keine Gedanken. Die Mannschaft hat entschieden, wer Kapitän ist. Ich habe einen guten Eindruck von Arnold Bruggink, der die richtigen Worte auf dem Platz zum richtigen Zeitpunkt gefunden hat. Das war schon gut so.

Welches taktische Konzept bevorzugen Sie?

Das Team ist auf eine Doppel-Spitze ausgerichtet. Den Rest muss man jetzt noch klären. 4-4-2- ist ja nicht gleich 4-4-2. Es gibt die Raute und die flache Vier und was man sonst noch so kennt.

Fahren Sie noch einmal ins Trainingslager?

Nein. Vor dem Mainz-Spiel ist das nicht geplant. 

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