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Hannover 96 Die afrikanische 96-Familie
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11:42 26.11.2009
Quelle: Petrow
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Von Dirk Tietenberg

Hemmingen. Didier Ya Konan sitzt mit seiner Frau Edwige auf dem grauen Sofa und blättert das Stadtteilbuch der NP durch. Constant Djakpa telefoniert, während Carmen Gouepo das Abendessen serviert. Es duftet nach italienischen Kräutern im Wohnzimmer der Familie Gouepo in Hemmingen.

Die beiden 96-Profis bewegen sich so, als wären sie hier zu Hause. Hier fühlen sie sich ihrer Heimat, der Elfenbeinküste, menschlich näher. Claude F. Gouepo (43) ist Ivorer wie sie und väterlicher Berater von Djakpa und Ya Konan. Sie treffen sich fast täglich – mal bei Djakpa, mal bei Ya Konan und mal hier. „Meine zweite Familie“, sagt Djakpa.

„Wenn wir zusammen sind, ist das wie ein Stück Heimat für uns“, fügt Ya Konan hinzu. „Hier vergessen wir unsere Probleme.“ Und hier tanken sie Kraft fürs Bayern-Spiel. „Ich habe noch nie gegen die Bayern gespielt, wir werden sehen“, meint Ya Konan vorsichtig. Gestern Abend saßen sie wieder zusammen, aßen bei Djakpa und sahen sich gemeinsam das Champions-League-Spiel der Bayern an.

Sie schauen oft Fußball, aber nicht nur. „Wir gucken DVDs und Filme über die Heimat“, erzählt Ya Konan, „dabei tauschen wir Erinnerungen aus. Nach einem schlechten Spiel lachen wir gemeinsam.“ Auch bei der Trauer um Robert Enke unterstützten sie sich gegenseitig.

Zur erweiterten Familie gehören neben Claude, der in der Metallbranche tätig ist, seine Frau Carmen und die Kinder Germaine (14) und Jerome (12). Jerome ist großer Fan der beiden Profis. „Ein großer Junge“, meint Djakpa und klopft ihm auf die Schulter. Als Dankeschön für die Gastfreundschaft schenkte Ya Konan ihm das Trikot seines ersten 96-Spiels gegen Mainz. „Sie sind beide ziemlich cool“, findet Jerome.

Dabei ist Djakpa eher der überhitzte Typ – ein unzähmbares Energiebündel in einem muskelbepackten Körper, um den die 96-Kollegen den 23-Jährigen beneiden. „Ich kann gar kein Krafttraining machen“, gesteht er, „dann pulsieren die Muskeln. Manchmal kann ich nicht schlafen. Dann brennt mein Körper.“

Die Gouepos versuchen, Djakpas Temperament in geordnete Bahnen zu lenken, damit er nicht aneckt. „Ich gebe Tipps, wie man sich verhalten sollte in der Gesellschaft“, sagt Claude Gouepo, „sie sind überhaupt nicht arrogant, aber sie sollen auf dem Boden bleiben. Sie fragen mich oft, was man hier wie machen kann.“ Carmen Gouepo hat erst mal Pizza gemacht, Djakpa probiert ein Stück, er will Carmens Rezept haben.

Djakpa ist Chefkoch der Runde. „Er kocht besonders gut“, weiß Gouepo. Seine ivorische Spezialität heißt „Attieke“: Fisch mit Maniok und Hartweizengrieß. „Das Beste, was es gibt“, findet Djakpa. Dass Claude Gouepo ihn nach der Saisoneröffnung im Juli erstmals ansprach, war das Beste, was beiden passieren konnte. Er bot seine Hilfe an – von Ivorer zu Ivorer. Nur knapp ein Dutzend von der Elfenbeinküste leben in Hannover. „Wir hatten Glück“, bestätigt Edwige Ya Konan.

„Claude ist mein Auge in Hannover“, sagt Djakpa. Und die Sprache? Gouepo übersetzt, bis beide Deutsch können. Das kann noch dauern. „Die Aussprache ist schwierig“, gesteht Ya Konan. Das Wort „Familie“ klingt schon perfekt.

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