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Hannover 96 Chaoten ruinieren 96-Image in Lüttich
Sportbuzzer Hannover 96 Chaoten ruinieren 96-Image in Lüttich
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12:43 04.12.2011
96-Chaoten gingen nach der 0:2-Niederlage in Lüttich auf Polizisten los. Quelle: Petrow
Lüttich

Der Einsatzleiter trug seinen Helm, den Schlagstock hielt er noch in der Hand. Um 23.53 Uhr brauchte Kommissar Daniel Baltus seine Kampfmontur nicht mehr, alle Busse aus Hannover waren weg. Dann erklärte er, wie es aus seiner Sicht nach dem 96-Spiel in Lüttich zur Eskalation der Gewalt kommen konnte.

„Die Polizei wurde angegriffen“, sagte Baltus. Um 23.26 Uhr hatte die Luft gebrannt, Flaschen flogen durch die Luft, die Polizei setzte Wasserwerfer ein, der Busparkplatz am Stadion glich einem Schlachtfeld. Es gab zwei Verletzte unter den Fans aus Hannover und vier Festnahmen, die belgische Polizei ließ die 96-Anhänger nach zwölf Stunden frei. Was hängen bleibt, ist ein schlechtes Image. Wenige Randalierer ruinieren den Ruf des Klubs und seiner Anhänger.

Das Pyro-Problem bleibt ein ärgerlicher Nebenkriegsschauplatz für 96. Kurz vor Anpfiff hatten Fans aus der Ultra-Szene Bengalos gezündet. „Das waren fast noch Kinder“, sagte ein Zeuge aus dem 96-Block, „die waren höchstens 15 oder 16 Jahre alt.“ Die Jungen machen Stress, die älteren Hooligans nutzen derweil die Europareisen für Randale. Das berichten szenekundige Beamte aus Hannover.

In Kopenhagen waren dänische Polizisten angegriffen worden, in Hannover Fans aus Lüttich, nun die Polizei in Lüttich – eine furchtbare Serie. Es war ein kleines Wunder, dass nicht Schlimmeres passierte. Augenzeugen berichten, die belgischen Polizisten hätten sich nach den ersten Kampfszenen am Ende zurückgehalten und später „cool“ reagiert, als Anhänger aus Hannover sie noch provozierten.

Ein Beamter berichtete, die Wasserwerfer stünden seit zehn Jahren zur Abschreckung bei Fußballspielen, aber sie seien nie benutzt worden. Bis Hannover kam. Baltus hatte das Spiel in Lüttich zum Hochsicherheitsspiel erklärt. Die Stadt war für Hannovers Anhänger gesperrt – was Sportchef Jörg Schmadtke ärgerte. „Dass sich Fans nicht frei bewegen und nicht in die Stadt dürfen, sind Dinge, die ich nicht nachvollziehen kann. Es gehört zum Europacup dazu, Eindrücke mitzunehmen.“ Baltus aber sah sich bestätigt: „Ich stelle mir vor, so etwas wäre auf dem Weihnachtsmarkt passiert.“

Havelses Manager Stefan Pralle, der die Gewalt aus der Nähe erlebte, meint: „Vorher haben wir uns aufgeregt über die übertriebenen Maßnahmen, dann werden die Verantwortlichen auch noch bestätigt, das ist sehr traurig.“ (Dirk Tietenberg)

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