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Hannover 96 Andreasen schlägt sich durch
Sportbuzzer Hannover 96 Andreasen schlägt sich durch
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21:57 01.09.2016
Ein Kämpfer: Andreasen tritt seinen „Meister“ Reza Zahirinassab im Training. Quelle: Florian Petrow
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Hannover

hannover. Schräg gegenüber der Sansibar liegt der Eingang zu Leon Andreasens neuer Welt. In einem Hinterhof am Steintor, zwischen Bars, Bordellen und Spielhallen, führt die Treppe hinauf zum „Powerhouse“. Drinnen trainiert Andreasen. Gewicht-Scheiben hängen an seinen Armen. An einer Stufe pumpt er die Wadenmuskulatur auf in einem Raum mit Möbeln aus Eisen. In der Halle nebenan trainieren ein Dutzend starker Männer an Boxsäcken oder im Boxring. Stahl, Schweiß, Schmerz. Hier bereitete sich Box-Star Artur Abraham auf seine WM-Titelverteidigung im November 2015 in Hannover vor. Ins Powerhouse am Steintor kommt man nicht nur zum Spaß. Auch Andreasen nicht.

Leon Andreasen ist 33 Jahre alt. Sieben Jahre war er Profi bei 96 und ein Vorbild an Einstellung. Aber er ist nicht mehr angestellt bei 96. Nach dem letzten Spieltag und dem Bundesliga-Abstieg eröffnete Trainer Daniel Stendel ihm, dass er nicht mit Andreasen plane. 96 ließ ihm eine Hintertür offen: Wenn er fit wäre, ja dann …

Sein Sprunggelenk ist verletzt, seitdem Salomon Kalou ihn im Testspiel gegen Hertha im Januar schubste und er zu beiden Seiten umknickte. Seit Juni versucht Andreasen, ohne 96-Hilfe auf die Beine zu kommen. „Das Sprunggelenk ist noch nicht gut“, gibt er zu. „Aber ich gebe nicht auf. So bin ich nicht.“

Zwei Jahre hatte Andreasen wegen seiner Leistenprobleme pausiert, und kam trotzdem mit einem Tor in der Europa-League in Dublin zurück. Auch nach einem Kreuzbandriss feierte er ein Comeback. „Da kann ich auch warten bis zum Winter“, sagt er. „Fit bin ja.“ Andreasen lebt in einer Fitmacher-Welt, die aus Kämpfern besteht. Da gibt man nicht auf.

Seinem Lieblingssport Golf geht er nur noch selten nach. „Zu platt“ sei er nach dem Powerhouse. Sechs Tage Training, Sonntag frei. Will er etwa in den Thaibox-Ring wie der Ex-Bremer Tim Wiese zum Wrestling? Andreasen lacht über diese Vorstellung: „Ne, ganz sicher nicht.“ Der Ring „ist nicht mein Ding“. Sein Trainer Reza Zahirinasab, Inhaber der Box-Halle, rät davon ab. „Um in den Ring zu steigen, brauchst du drei Jahre Training“, sagt Zahirinasab. Aber Andreasen stellt sich geschickt an. „Er ist fleißig, hat harte Kicks und lernt als Sportler sehr schnell“, sagt der Trainer, den jeder hier „Meister“ nennt.

Zahirinasab war Weltmeister im Muay Thai, dem Thaiboxen. Der Deutsch-Iraner hat den Sauerland-Profi Artur Mann am Steintor trainiert. Früher, erzählt Zahirinasab, war sein Studio in der List. Warum dann jetzt das Box-Studio im Rotlichtviertel? „Ich habe in Hamburg auf dem Kiez so etwas gesehen, das hat mir gefallen“, sagt er. Im Powerhouse trainieren auch Kinder, Jugendliche und deren Mütter, erzählt der „Meister“.

Andreasen fasziniert das Thaiboxen. „Treten, kicken, kämpfen, das kann ich. Ich brauche das, dieses Auspowern.“ Hier stört der verletzte Fuß nicht so. Noch fehlt ihm „die genaue Diagnose“. Deshalb sucht er am kommenden Wochenende Rat in England bei einem Fußspezialisten. Im besten Fall führt der Weg zurück in Andreasens Heim-Welt. Es gibt Tage, da „stehe ich auf und denke, es fehlt was“, sagt er. Andreasen braucht den Fußball: „Ich vermisse die Jungs.“ Ihm ist zu wünschen, dass der Fußball auch Andreasen bald wieder braucht. Trainer werden wäre eine Möglichkeit, die Andreasen prüft. Aber noch hat er seine aktive Karriere nicht aufgegeben: „Ich habe Bock und ich vermisse den Ball.“

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