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Alle Hände voll zu tun: Kreisläufer Ilija Brozovic breitet in Flensburg die Arme aus. Die Recken mischen noch in beiden nationalen Wettbewerben mit – Meisterschaft und Pokal.

Alle Hände voll zu tun: Kreisläufer Ilija Brozovic breitet in Flensburg die Arme aus. Die Recken mischen noch in beiden nationalen Wettbewerben mit – Meisterschaft und Pokal.
© Imago

TSV Hannover-Burgdorf

Titelträume bei den Recken

Der Festschmaus der Recken im Kabinentrakt der Flens-Arena: Lasagne und Pulled-Pork-Auflauf, dazu eine Kiste Bier. Natürlich Flensburger.

Flensburg/Hannover. Nach dem 27:27 in der „Hölle Nord“ ploppte es bei den Handballern der TSV Hannover-Burgdorf – wie auch schon während des Spiels. Da hatten sie nur vergessen, den Deckel wieder draufzumachen. Vier Tore Vorsprung sechs Minuten vor Schluss – am Ende war es „nur“ ein Unentschieden. „Wir haben zum Schluss im Angriff etwas den Faden verloren“, sagte Torwart Malte Semisch. „Etwas schade, dass wir den Vorsprung verspielt haben“, meinte Trainer Carlos Ortega.

Es gab Zeiten, da wären die Recken froh gewesen, aus Flensburg außer einer Tracht Prügel überhaupt etwas Brauchbares mitzunehmen. Die Zeiten haben sich geändert. Die Recken mischen oben mit – und haben nicht mehr nur den Anspruch, die Großen zu ärgern – sondern sie zu besiegen.

Der Ärger über den vergebenen Sieg war mit dem ersten „Flens“ weggespült. Jetzt überwiegt die Freude über eine wahnsinnig gute erste Saisonhälfte – die beste aller Zeiten. Und das nach der schlechtesten Rückrunde aller Zeiten mit nur einem Sieg und anschließenden 16 Spielen ohne Sieg.

„Unsere Ausgangsposition mit dem dritten Tabellenplatz ist sehr vielversprechend“, sagt Semisch. „Aber die Vergangenheit lehrt uns, dass wir auf dem Boden bleiben sollten.“

Demut ist ein guter Begleiter der Recken, die so gut dastehen wie nie. Der Erfolg ist kein Zufall mehr. Großen Anteil daran hat Chefcoach Ortega zusammen mit Co-Trainer Iker Romero. „Als wir beide angetreten sind“, sagt Ortega, „haben wir versprochen, dass wir in jedem Spiel konkurrenzfähig sein werden. Das waren wir.“ Ausnahme: die hohe 23:35-Pleite bei den Rhein-Neckar Löwen.

Ortega ist „stolz“ auf seine Mannschaft und weiß: „Auch die Fans dürften glücklich sein.“ Die Recken-Anhänger können träumen. Und auch in den Köpfen der Spieler dürften schon Gedanken um mögliche Erfolge kreisen. Warum auch nicht?

Im Pokal steht Hannover im Viertelfinale, nur ein Heimsieg gegen Göppingen entfernt vom Sehnsuchtsziel Final Four. Rein theoretisch ist sogar das Double aus Pokal und Meisterschaft möglich. Die Recken liegen nur drei Punkte hinter Tabellenführer Rhein-Neckar Löwen. Der Meister strebt den Titel-Hattrick an, aber dahinter haben sich sieben Teams in Lauerposition zusammengerottet. Vom Zweiten bis zum Achten sind es gerade mal fünf Punkte. Da in dieser Liga jeder jeden schlagen kann, ist alles möglich. Nach oben und unten.

„Von den großen drei hat uns keiner eingeladen“, sagt Geschäftsführer Benjamin Chatton und meint die Löwen, Flensburg und das wiedererstarkte Kiel. „Aber solange die Party läuft und uns keiner rauswirft, sind wir dabei“, wiederholte er das Recken- Motto nach dem Flensburg-Spiel.

Genüsslich feiern können die Recken auch Silvester. Ortega flog am Mittwoch in die spanische Heimat. Bis auf die EM-Fahrer urlaubt auch der Rest des Teams. Ortega bittet seine Spieler erst am 11. Januar zum Trainingsauftakt. In der Liga geht’s am 8. Februar zu Hause gegen Minden weiter. Noch lange Zeit für schöne Träume.

Von Simon Lange


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