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Richard Freitag stapft mit anderen Skispringern im Regen durch zur Schanze in Bischofshofen empor.

Richard Freitag stapft mit anderen Skispringern im Regen durch zur Schanze in Bischofshofen empor. © Georg Hochmuth

Wintersport

Wintersport ohne Winter - Athleten setzen Schere an

Regen-Roulette und Wasserspiele: Statt mit Flockenwirbel und klirrendem Frost kämpft die Wintersport-Elite in diesen Tagen mit strömendem Regen und Schneemangel.

Berlin. Auf dünnen weißen Loipen stapfen die Athleten über grüne Wiesen, tropfnasse Anzüge drücken die Skispringer ins Tal, Rodler und Bobpiloten fluchen über das Tauwetter in den Eiskanälen. "Ein Sauwetter", schimpfte Rodel-As Tobias Arlt, nachdem der Regen die Bahn am Königssee in eine Wasserrutsche verwandelt hatte.

Auch der Deutsche Skiverband hofft auf eine schnelle Rückkehr des Winters, wie sie die Meteorologen für die zweite Wochenhälfte vorhersagen. "Die Veranstaltungen sind für uns ein Wirtschaftsfaktor", erklärte DSV-Generalsekretär Thomas Pfüller. Noch sind die Erinnerungen frisch an ähnliche Probleme in der Vorsaison. "Wir hatten im letzten Jahr einen wirtschaftlichen Schaden von 1,5 Millionen Euro zu diesem Zeitpunkt", sagte Pfüller. Dieser Winter sei hingegen bislang gut gelaufen. "Das ist zunächst beruhigend für einen Verband, der von Fernsehgeldern und Sponsorengeldern lebt."

In der Tat: Zum Biathlon-Weltcup nach Oberhof strömten insgesamt 84 000 Zuschauer - schon Stunden vor Rennbeginn standen sie im Regen und feierten. Auch die TV-Zuschauer in der warmen Stube scheint der feuchttrübe Januar noch nicht zu stören. Bei der Biathlon-Übertragung des ZDF am Sonntag schauten im Durchschnitt 5,60 Millionen Menschen das Verfolgungsrennen der Herren, beim Rodeln waren es immer noch 4,08 Millionen.

Die Athleten wehren sich längst mit ungewöhnliche Ideen gegen die Temperaturen. Bei der Tour de Ski der Langläufer kürzten einige Norweger wie Petter Northug ihre Laufanzüge, indem sie sie an den Ellenbogen und über den Knien abschnitten. Für die Olympischen Winterspiele in Sotschi in 2014 wurden nach Auskunft der Ausrüsterfirma Swix sogar kurze Laufanzüge bestellt.

Auch für die Organisatoren ist das Wetter eine Herausforderung. Am Neujahrstag war eine rennfertige Piste beim Weltcup im Parallel-Slalom in München nur mit einem Kraftakt möglich gewesen. Beim Biathlon in Oberhof brauchte es 20 000 Kubikmeter Kunstschnee, insgesamt 246 LkW-Ladungen. Das Finale der Vierschanzentournee in Bischofshofen rettete nur die Technik. "Wenn die österreichischen Veranstalter keine Anlaufspurkühlung gehabt hätten, wäre die Tournee den Bach runtergegangen", sagte Bundestrainer Werner Schuster.

Tournee-Gesamtsieger Gregor Schlierenzauer konnte ein TV-Interview nach seinem ersten Versuch in Bischofshofen nur unterm Regenschirm geben. "Jeder Springer hat einen Lieblingsanzug für den Wettkampf", sagte er. "Den will er nicht zu nass werden lassen, weil er sonst schwer wird. Und das ist ein Nachteil."

In Schonach taten sich die Nordischen Kombinierer bei Tauwetter und Nieselregen schwer. "Wir müssen von Glück reden, dass die Strecke noch steht", meinte der deutsche Starter Tino Edelmann und lobte die wackeren Zuschauer: "Es ist sehr schön, dass trotz des Dreckswetters noch so viel los ist."

Immerhin: Besserung ist in Sicht. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes kommt in der Nacht zum Donnerstag der Schnee nach Deutschland zurück. Strenger Frost mit Temperaturen unter minus zehn Grad sei aber nicht zu erwarten. Das Eis für die Wintersportler bleibt dünn.

dpa


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