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Die Silberpfeile waren auf dem Stadtkurs in Singapur rund anderthalb Sekunden langsamer als Ferrari.

Die Silberpfeile waren auf dem Stadtkurs in Singapur rund anderthalb Sekunden langsamer als Ferrari. © Diego Azubel

Motorsport

Vettel traut sich nicht - Mercedes hält sich bedeckt

Es wird ein besonderer Grand Prix. Sportlich bedeutsam, weil Mercedes beweisen muss, dass Singapur nur ein Ausrutscher war und sich gegen Suzuka-Macht Vettel behaupten will. Emotional noch bedeutsamer: Es ist die Rückkehr an den Ort des tödlichen Bianchi-Unfalls.

Suzuka. Sebastian Vettel will sich partout nicht mal vagen Hoffnungen hingeben, und das Silberpfeil-Lager hält sich bedeckt.

Vor dem emotionalen ersten Grand Prix auf dem Suzuka International Racing Course nach dem tödlichen Unfall von Jules Bianchi stellt sich sportlich nur eine Frage: Bricht Mercedes auch beim Großen Preis von Japan ein wie in Singapur? "Ganz ehrlich, nein. Das wäre immer noch eine Überraschung", meinte Vettel, der bei seiner Aufholjagd zum fünften Titel Landsmann Nico Rosberg nur noch acht und Spitzenreiter Lewis Hamilton 49 Punkte vor sich hat. "Man muss einfach den Durchschnitt dieser Saison alleine nehmen. Da sind sie immer 'ne halbe Sekunde vor dem Rest der Welt - egal, wer das gerade ist."

Nur in Singapur war alles anders. Im Training, in der Qualifikation, im Rennen. Zuerst vermuteten viele - auch die Kontrahenten -, dass Hamilton und Rosberg sich zurückhielten. Nach Platz vier für Rosberg und Hamiltons erstem Ausfall in diesem Jahr herrschte aber pure Ratlosigkeit bei Mercedes. Hamilton, siebenmaliger Saisonsieger, elfmaliger Polesetter in diesem Jahr, macht das aber noch lange nicht nervös. "Ich bleibe gelassen", erklärte er am Mittwoch.

Unmittelbar nach dem Rennen hatte allerdings auch ihm die Zuversicht gefehlt, um einen neuerlichen Einbruch nun in Suzuka auszuschließen. Seitdem vergingen aber mehr als zwei Tage, in denen im Werk in Brackley sämtliche Daten geprüft wurden. "Somit hatten wir nach dem Wochenende viel zu analysieren, um sicherzustellen, dass wir in Zukunft besser aufgestellt sind", meinte der Technische Direktor des Teams, Paddy Lowe. Man wisse um "die stetige Bedrohung durch unsere Gegner", betonte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff noch einmal. Wie zur Bestätigung hatte Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene klargemacht, dass die Scuderia zur Stelle sein würde: "Es gibt noch eine Menge Punkte zu holen und wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um vorne zu bleiben."

Fakt ist: Fahren Hamilton und Rosberg auch in Suzuka hinterher, und seien es nicht mal die anderthalb Sekunden von Singapur, hat Mercedes ein gewaltiges Problem. Denn die Strecke, geliebt von allen Piloten und eingebettet in den Motopia-Vergnügungspark in der Präfektur Mie, müsste den Mercedes-Rennwagen eigentlich entgegenkommen.

Dass zudem nur wenig Zeit zwischen WM-Runde 13 in Singapur und Runde 14 in Japan liegt, kommt Rosberg gerade recht. Es sei gut, direkt eine Gelegenheit zu bekommen, um den Auftritt am vergangenen Wochenende zurechtzurücken. "Ich gehe davon aus, dass sie in Suzuka wieder zurückkommen", meinte der Singapur-Zweite Daniel Ricciardo von Red Bull.

Das Duell Mercedes vs. Ferrari und der Dreikampf um den Titel zwischen dem 30 Jahre alten Briten Hamilton und den beiden Deutschen, Rosberg (30) und Suzuka-Macht Vettel (28/vier Siege, zweimal Dritter - immer auf dem Podium), auf der einen Seite. Packend, spannend, mitreißend. Trauer um den Tod eines Kollegen auf anderen Seite. "Der nächste Grand Prix in Japan wird sicher schwieriger für alle", meinte Adrian Sutil. Der jetzige Williams-Testpilot erlebte den letztlich fatalen Unfall Bianchis am 5. Oktober 2014 aus nächster Nähe.

Der Franzose war mit seinem Marussia-Rennwagen gegen Ende eines umstrittenen Grand Prix' unter heftigen Bedingungen unter den Kran gekracht, der den damaligen Sauber von Sutil bergen sollte. Der Deutsche war eine Runde vor Bianchi auf regennasser Strecke vom Kurs abgekommen. "Das war ein extremer Unfall und es hat gedauert, bis einem solche Momente aus dem Kopf gehen", sagte Sutil in einem dpa-Interview. Bianchi war am 17. Juli in diesem Jahr an seinen schweren Kopfverletzungen gestorben.

Von Vettel über Hamilton und Rosberg herrschte damals Entsetzen und Trauer. Die Erinnerungen an den äußerst beliebten und von Ferrari als künftigen Stammpiloten auserkorenen Bianchi fahren an diesem Wochenende auch bei den Titelkandidaten und allen anderen Rivalen mit.

dpa


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