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Sonny Bill Williams beeindruckt mit großer Geste: Er hängt Charlie Lines seine Goldmedaille um den Hals. Foto: Facundo Arrizabalaga

Sonny Bill Williams beeindruckt mit großer Geste: Er hängt Charlie Lines seine Goldmedaille um den Hals. Foto: Facundo Arrizabalaga

Rugby

Unschlagbare All Blacks feiern Rugby-Triumph

Neuseeland feiert, Australien trauert. Im WM-Traumfinale der Rugby-Erzrivalen setzen sich die All Blacks klar durch und schaffen, was noch keinem Team gelungen ist.

London. Sie waren die Favoriten, und sie haben geliefert: Die All Blacks sind zum dritten Mal Rugby-Weltmeister und Neuseeland steht vor Freude Kopf. Nach sechs turbulenten WM-Wochen in England ist auch der Weltverband mehr als zufrieden - nur die Gastgeber seufzen mal wieder.

Prinz Harry schaute das Finale in London zwischen den Commonwealth-Staaten Neuseeland und Australien neutral im blauen Anzug, er hätte wohl lieber England zugejubelt. Doch als der Enkel der Queen die Trophäe nach einem phänomenalen Endspiel schließlich All-Black-Kapitän Richie McCaw überreichte, strahlte selbst der Royal vor Anerkennung über die Leistung dieser Übermannschaft. "Das dominanteste Team der Welt", titelt der "New Zealand Herald", "Die Größten der Welt", schreibt die "Times" - dem ist wenig hinzuzufügen.

Helden sind die Spieler in den schwarzen Trikots in ihrer rugbyverrückten Heimat ohnehin, der dritte WM-Sieg und die erste Titelverteidigung in der Geschichte des Sports versetzen das Land in Ekstase. Mit Jubel, Champagnerdusche und Feuerwerk nach dem 34:17 im Twickenham-Stadion hat das Feiern gerade erst begonnen. Zu Hause warten laut "New Zealand Herald" in den kommenden Tagen gleich drei Siegesparaden auf die All Blacks.

Und die haben sie verdient. Ob Gala-Vorstellung wie das Viertelfinale gegen Frankreich, zähes Ringen wie das Halbfinale gegen Südafrika oder intensiver Thriller wie das 34:17 im Finale gegen die Erzrivalen aus Australien, Neuseeland bleibt das Maß aller Dinge im Rugby. "Ich bin so stolz", sagte Kapitän McCaw nach dem Spiel strahlend, und stellte gleich sein allseits erwartetes Karriereende infrage: "Wenn man solche Momente erlebt, warum sollte man jemals aufhören?"

Topscorer der Partie war Dan Carter, der mit unglaublicher Sicherheit auch schwierigste Straftritte zwischen die Torstangen setzte. Er war es auch, der dem Aufbäumen des Erzrivalen in der zweiten Halbzeit wieder Einhalt gebot. Sein überraschendes Dropgoal aus der Distanz gab dem Drama die entscheidende Wende zum Guten für die Neuseeländer.

Für Endspiel-Verlierer Australien dürfte es höchstens ein kleiner Trost gewesen sein, dass mit Sängerin Kylie Minogue prominenter Unterstützung im Stadion war. "Danke Wallabies für eine großartige Weltmeisterschaft ... Ihr habt hier einen großen Fan", twitterte sie, und drei Küsschen hinterher. Überraschend kam die Niederlage nicht. Seit ihrem WM-Sieg 2011 haben die All Blacks gerade mal drei von 54 Spielen verloren.

Mehr als 2,4 Millionen verkaufte Tickets über sechs WM-Wochen, umgerechnet voraussichtlich rund 200 Millionen Euro Gewinn - der Rugby-Weltverband kann zufrieden sein mit dieser achten Weltmeisterschaft. Die "größte und beste aller Zeiten", nennt sie denn auch Verbandschef Brett Gosper. Das am besten besuchte Spiel war Irland gegen Rumänien, fast 90 000 schauten im Londoner Olympiastadion zu. Beim Bruderduell England-Wales saßen 10,4 Millionen vor den Fernsehern.

Die Sensation des Turniers war Japan, Gastgeber der kommenden WM 2019: Der Zwei-Punkte-Auftaktsieg der absoluten Außenseiter gegen den zweimaligen Champion Südafrika war nicht zu toppen. Während die von Beginn an favorisierten Neuseeländer die Superstars des Turniers waren, mussten ausgerechnet die englischen Gastgeber mit der Verliererrolle klar kommen. "Sie waren schrecklich, wie wir hier 2011 und seitdem immer vorhergesagt haben", resümierte die "Times" trocken. Die Rugby-Weltmeister von 2003 scheiterten in der Gruppenphase und müssen sich - wie im Fußball auch - mal wieder fragen, was sportlich schief läuft.

dpa


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