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Justin Wilson im Jahr 2008 in Indianapolis.

Justin Wilson im Jahr 2008 in Indianapolis. © Tannen Maury

Motorsport

Stillstand in der Motorsportwelt: Tiefe Trauer um Wilson

Trauer, Fassungslosigkeit. Stillstand. Der Tod von Rennfahrer Justin Wilson in den USA trifft auch die Formel 1. Er war ein ehemaliger Kollege. Und das alles, nachdem der Tod von Jules Bianchi noch nicht wirklich überwunden ist.

Berlin. Nach dem zweiten toten Rennfahrer-Kollegen binnen weniger Wochen herrscht in der Formel 1 und im gesamten Motorsport tiefe Trauer und Fassungslosigkeit. "Die Motorsportwelt ist schon wieder zum Stillstand gekommen", schrieb Ex-Formel-1-Weltmeister Jenson Button.

"So traurig, schwer zu akzeptieren", meinte Zweifach-Champion Fernando Alonso. "Ein großartiger Fahrer und ein noch großartigerer Mensch", schrieb das Weltmeister-Team Mercedes.

Wenige Stunden zuvor war in den USA der ehemalige Formel-1-Fahrer Justin Wilson in Alter von 37 Jahren gestorben. Ein Fahrer, der größten Respekt unter Kollegen genoss. Einer, der nicht nur wegen seiner imposanten Erscheinung von über 1,90 Metern Körpergröße allen in Erinnerung bleiben wird.

"Justin war ein liebender Vater und hingebungsvoller Ehemann ebenso wie ein stark wetteifernder Rennfahrer, der bei seinen Kollegen Respekt genoss", hieß es einem Schreiben der Familie - Wilson hinterlässt seine Frau und zwei Kinder. Wilsons Bruder Stefan gab am Abend bekannt, durch Organspenden habe dieser sechs Leben gerettet.

"Schreckliche Nachricht heute Morgen aus den USA", hieß es auch vom Formel-1-Team Manor. Dessen Fahrer Jules Bianchi war vor rund sechs Wochen an den Folgen seines Unfalls - damals noch im Wagen von Vorgänger-Team Marussia - beim Großen Preis von Japan im vorigen Oktober gestorben.

Die Ärzte im Lehigh Valley Network von Allentown kämpften vergeblich gegen die Folgen von Wilsons Unfall beim IndyCar-Rennen am Sonntag. "Der einzige Trost, den ich verspüre, ist, dass er ein Leben gelebt hat, das er liebte", schrieb Justin Wilsons Bruder Stefan, selbst IndyCar-Pilot, in einer seiner emotionalen Twitter-Nachrichten. "Er war mein Bruder, mein bester Freund, mein Idol und mein Mentor. Er war ein Champion."

Er ist der erste Pilot seit Dan Wheldon 2011, der bei einer großen US-Rennserie ums Leben gekommen ist. "Dies ist ein monumental trauriger Tag für IndyCar und die gesamte Motorsport-Familie", sagte Mark Miles, Geschäftsführer von Indycar-Besitzer Hulman & Co. Rennfahrer-Kollege Ed Carpenter lobte Justin Wilson als einen der wenigen, der für jeden im Fahrerlager ein Freund gewesen sei.

Der in Sheffield geborene Wilson stieg mit nicht einmal zehn Jahren in den Kartsport ein. 1998 feierte er neun Siege in der Ford Palmer Audi Championship, ehe er in die damalige F3000-Serie wechselte. Dort gewann er 2001 den Titel. 2003 nahm er an den 16 Saisonrennen der Formel 1 teil, beim US-Rennen in Indianapolis holte er als Achter einen Punkt. Im Jahr darauf fuhr Wilson in der Champ-Car-Serie. Seit 2008 trat er in der IndyCar-Serie an und feierte dort sieben Siege, den letzten 2012. Er startete zuletzt für Andretti Autosport. Für das Team absolvierte er auch in der neuen Formel E einen Start.

Wilson wurde am Sonntag 20 Runden vor Schluss von einem Trümmerteil am Kopf getroffen. Es stammte von dem vor ihm fahrenden Wagen von Sage Karam, der in einer Kurve in die Streckenmauer gekracht war. Auf dem Vier-Kilometer-Kurs von Pocono erreichen die Rennwagen Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 320 Kilometern pro Stunde. Nach dem Unfall war Wilson per Hubschrauber in das Krankenhaus nach Allentown im Bundesstaat Pennsylvania gebracht worden. Von dort kam noch am Abend die Mitteilung, dass er sich in einem kritischen Zustand befinde und im Koma liege.

Wie sein Bruder Stefan erklärte, hatte Justin Wilson vorab bereits klargemacht, dass er seine Organe spenden würde, um anderen Menschen zu helfen. "Er hat nie aufgehört, anderen etwas zu geben und sich um andere zu kümmern. Sogar jetzt nicht."

dpa


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