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Im ersten Lostopf wird auch eine Kugel mit dem Deutschland-Zettel liegen.

Im ersten Lostopf wird auch eine Kugel mit dem Deutschland-Zettel liegen. © Marcus Brandt

Fußball

So läuft die WM-Quali-Auslosung am Samstag

Bei der Auslosung der Qualifikationsgruppen für die Fußball-WM in Russland erfährt auch Weltmeister Deutschland, welche Hürden es auf dem Weg zur Titelverteidigung 2018 zunächst zu überwinden gilt.

St. Petersburg. Obwohl die Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw am Samstag in St. Petersburg im Topf 1 gesetzt ist, könnte es zu einem Duell mit Angstgegner Italien kommen.

Fest steht zudem, dass die DFB-Elf in eine Sechsergruppe gelost werden wird. Deutschland ist erst der vierte Titelverteidiger der WM-Geschichte, der zur Qualifikation antreten muss.

Warum kann Weltmeister Deutschland schon in der Qualifikation auf Italien oder Frankreich treffen?

Maßgeblich für die Bildung der sechs Lostöpfe ist die aktuelle Weltrangliste der FIFA. In diesem Ranking ist Deutschland hinter Argentinien Zweiter und somit das beste Team des Kontinents. Italien (17.) und Frankreich (22.) schaffen es aufgrund zuletzt dürftiger Ergebnisse nicht unter die besten neun europäischen Teams und finden sich somit nur in Topf 2 wieder. Überraschend im Elite-Topf sind hingegen die Mannschaften aus Rumänien (8.) und Wales (10.), die somit nicht zu deutschen Gegnern werden können. Ex-Weltmeister Spanien (12.) rutschte als vorletztes Team vor Kroatien (14.) gerade noch in Topf 1.

Warum muss Deutschland als Titelverteidiger überhaupt die Qualifikation bestreiten?

Die Regel, dass der Titelverteidiger automatisch für das nächste Turnier qualifiziert ist, wurde vor der WM 2006 in Deutschland abgeschafft. Begründung der FIFA: Vier Jahre nach dem Triumph tritt eine neu formierte Mannschaft an, die sich ihre Meriten selbst verdienen muss. Bundestrainer Joachim Löw ist diese Regelung durchaus recht. In zwei Jahren ohne Pflichtspiel würde sonst jede sportliche Herausforderung fehlen.

Wie werden die 13 europäischen WM-Startplätze vergeben?

52 Mannschaften gehen an den Start. Diese werden in sieben Sechser- und zwei Fünfergruppen gelost. Direkt qualifiziert sind die neun Gruppensieger. Die besten acht Gruppenzweiten treten im November 2017 zu Playoffspielen gegeneinander an. Die vier Sieger sichern sich ebenfalls das WM-Startrecht. Gastgeber Russland ist als 14. Team aus Europa automatisch qualifiziert.

Warum muss Deutschland in einer Sechsergruppe spielen?

Das liegt an den TV-Verträgen für die Quali-Runde. Rechteinhaber RTL wurde die Übertragung von zehn Qualifikationsspielen zugesichert. Also muss die DFB-Auswahl auch zehn Pflichtpartien bestreiten. In einer der beiden Fünfergruppen würde das Löw-Team nur auf acht Qualifikationsspiele kommen. Das gleiche Prinzip gilt für die Mannschaften aus den ebenfalls starken TV-Märkten in England, Spanien, Italien, Frankreich und den Niederlanden.

Warum findet die Auslosung schon jetzt statt, obwohl die WM-Qualifikation in Europa erst im September 2016 beginnt?

Alle anderen FIFA-Konföderationen beginnen früher mit ihren Qualifikationsrunden als die Europäer. Also müssen nun auch schon die Lose gezogen werden, die von der FIFA als großes Event zelebriert wird. Ozeanien beginnt im August, Südamerika im September und Afrika im Oktober 2015 mit den Qualifikationsspielen. In Asien sowie Nord- und Mittelamerika läuft die WM-Ausscheidung sogar schon.

Wie läuft die Qualifikation in den anderen Konföderationen?

Jeder Kontinentalverband kann seinen Modus weitgehend eigenständig festlegen. Die FIFA hat ein theoretisches Interventionsrecht. Der jeweilige Modus richtet sich nach der Zahl der teilnehmenden Länder, aber auch nach der Stärke der Teams. In Asien, Afrika, Ozeanien sowie Nord- und Mittelamerika müssen schwächere Mannschaften zunächst Playoffs bestreiten, bevor die Gruppenspiele beginnen. In Südamerika wird traditionell eine Runde mit Hin- und Rückspielen aller zehn Teams absolviert.

Wie werden die WM-Startplätze pro Konföderation verteilt?

Die Quoten richten sich nach Größe und Bedeutung der Konföderation und sind stets Politikum und Streitobjekt der Funktionäre. Auch vor der jüngsten Präsidentenwahl im Mai wurde dieses Thema von FIFA-Boss Joseph Blatter wie von seinem unterlegenen Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein instrumentalisiert. Letztlich blieb aber alles beim Alten. Europa hat 13 Plätze, Afrika 5, Asien und Südamerika je 4,5, Nord- und Mittelamerika 3,5 und Ozeanien 0,5 Plätze.

Beeinflusst der FIFA-Skandal die Auslosung?

Die Sehnsucht nach Normalität ist riesig im Fußball-Weltverband. Doch es gibt sie nicht. Gastgeber Russland wird von der Weltpresse permanent an die Konfliktfelder Korruptionsverdacht, Ukraine-Krise und Rassismus im Fußball erinnert. Und bei der FIFA laufen hinter den Kulissen die Vorbereitungen auf einen Machtwechsel für die Zeit nach Präsident Joseph Blatter weiter. UEFA-Boss Michel Platini lotet in der ehemaligen Zarenstadt weiter aus, ob er beim Kongress am 26. Februar 2016 mit einer sicheren Mehrheit rechnen kann.

dpa


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