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Sebastian Vettel hat mit dem Sieg auf dem Hungaroring seinen Vorsprung auf Lewis Hamilton ausgebaut.

Sebastian Vettel hat mit dem Sieg auf dem Hungaroring seinen Vorsprung auf Lewis Hamilton ausgebaut. © Darko Bandic

Motorsport

Schwerstarbeit mit schiefem Steuer: Vettel siegt in Ungarn

Sebastian Vettel schleppt sich zum Formel-1-Sieg in Ungarn. Eine verzogene Lenkung am Ferrari macht das letzte Rennen vor der Sommerpause zum Krimi. Lewis Hamilton lässt seinen Teamkollegen kurz vor Ende wieder passieren - und büßt kostbare Punkte ein.

Budapest. Mit einem Tänzchen und einem Luftsprung verabschiedete sich Steuerkünstler Sebastian Vettel nach seiner Zitterfahrt zum Ungarn-Sieg erleichtert in den Sommerurlaub.

Trotz schiefer Lenkung baute der Formel-1-Spitzenreiter auch dank der Abschirmdienste von Ferrari-Teamkollege Kimi Räikkönen seine WM-Führung aus, zumal Dauerrivale Lewis Hamilton auf der Zielgeraden noch freiwillig drei Punkte herschenkte. "Ich bin überglücklich. Ein großartiger Tag, ein großartiges Rennen, es war wirklich wunderbar", schwärmte Vettel nach der Schwerstarbeit auf dem heißen Hungaroring.

14 Punkte Vorsprung auf Hamilton nimmt der Hesse dank seines vierten Saisonsiegs mit in die vierwöchige Rennpause. Der Brite hatte im letzten Renndrittel vergeblich Jagd auf Vettel und den zweitplatzierten Räikkönen gemacht, nachdem ihn Stallkollege Valtteri Bottas vorbeigelassen hatte. Auf den letzten Metern gab Hamilton dem Finnen dann wie zuvor abgesprochen den Platz wieder zurück und wurde so nur Vierter. "Es ist hart für die Meisterschaft, aber ich bin ein Mann, der zu seinem Wort steht", sagte der 32-Jährige.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff lobte die Geste seines Superstars: "Es ist super sportlich, auch wenn er auf den ersten Blick ein bisschen naiv ist." Auch Bottas bedankte sich artig bei Hamilton für das gehaltene Versprechen. In der Gesamtwertung liegt der Finne nun 33 Zähler hinter Vettel.

Nach der jüngsten Enttäuschung von Silverstone, als Ferrari beim Doppelerfolg des Mercedes-Duos durch zwei Reifenschäden ausgebremst wurde, schlug die Scuderia diesmal wie erhofft zurück. "Das war überfällig, wir haben das verdient", sagte Ferrari-Präsident Sergio Marchionne. Vettel indes meinte: "Das Ergebnis ist super. Der Weg dahin war aber überraschend schwer. Ich hatte wirklich alle Hände voll zu tun."

Am Start hatte der 30-Jährige in seinem 50. Grand Prix für Ferrari seine Pole Position noch locker behauptet. Auch nach einer Safety-Car-Phase, die Max Verstappen mit einem Rüpel-Manöver gegen Red-Bull-Teamkollege Daniel Ricciardo verursacht hatte, konnte Vettel seine Führung zunächst ausbauen. Dann aber begannen die Probleme. "Mein Auto hat nach links gezogen. Es war schwer, die richtige Balance zu finden und generell damit hauszuhalten", erklärte Vettel.

Die Rundenzeiten des Heppenheimers wurden schlechter. Kollege Räikkönen kam immer näher, auch die Mercedes-Fahrer schlossen bedrohlich auf. Doch auf dem winkligen Kurs nahe Budapest ist das Überholen nahezu unmöglich. Wie an der Perlenschnur gezogen fuhr die Spitzengruppe über viele Runden. Räikkönen bat mehrfach per Funk, dass Vettel schneller fahren möge oder er sogar vorbei dürfe. "Es war nicht ideal, ich hätte gern gewonnen, aber es war das Beste für das Team", meinte der Finne später. Vettel gestand: "Ich schulde Kimi wirklich einen Riesen-Gefallen."

Mit dem Platztausch zwischen Bottas und Hamilton erhöhte Mercedes noch den Druck auf Ferrari. Doch Hamiltons Angriff verpuffte. "Die Ferrari waren heute unschlagbar", urteilte Mercedes-Teamaufseher Niki Lauda.

Wieviel Vettels Sieg im Titelrennen wert ist, wird sich zeigen. Rekordchampion Michael Schumacher war 2004 der bislang letzte Pilot, der nach dem Ungarn-Erfolg am Saisonende auch Weltmeister wurde. Seither musste sich der Budapest-Sieger in der Gesamtabrechnung immer hinten anstellen. Hamilton hat das schon selbst miterlebt. Im Vorjahr raste er zwar zu seinem fünften Erfolg in Budapest, den Titel sicherte sich am Ende jedoch Teamkollege Nico Rosberg.

Richtig sauer verließ indes Nico Hülkenberg den Hungaroring. Der Renault-Pilot musste nach starker Qualifikation und Platz sieben wegen eines unerlaubten Getriebewechsel von Rang sieben starten, später verpatzte sein Team einen Boxenstopp. Kurz vor Schluss gab der Rheinländer auf und machte seinem Ärger über ein regelwidriges Manöver des Dänen Kevin Magnussen Luft. "Er verdient einmal mehr die Auszeichnung als unsportlichster Fahrer des Rennens, er hat einen Sprung in der Schüssel", schimpfte Hülkenberg. Auch Sauber-Fahrer Pascal Wehrlein blieb als 15. punktlos.

dpa


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