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STARKE BRÜDER: Die Diskuswerfer Robert (links) und Christoph Harting, aufgenommen am 02. Juni 2015 in Berlin.

DISKUS-STAR

Robert Harting will sich in Peking verkriechen

Diskus-Star Robert Harting ist verletzungsbedingt in Peking nicht dabei - jetzt soll sein kleiner Bruder Christoph die Familienehre retten.

Peking . Robert Harting will sich verkriechen. Wenn sein kleiner Bruder Christoph bei der WM in den Ring steigt, spielen beim Diskus-Olympiasieger die Nerven nicht mit. "Ich fühle mich eklig in solchen Situationen", sagte der große Harting dem SID: "Wahrscheinlich werde ich still und heimlich in einem dunklen Zimmer vor meinem Handy sitzen - wo mich niemand sieht."

Robert Harting will sich verkriechen. Wenn sein kleiner Bruder Christoph bei der WM in den Ring steigt, spielen beim Diskus-Olympiasieger die Nerven nicht mit. "Ich fühle mich eklig in solchen Situationen", sagte der große Harting dem SID: "Wahrscheinlich werde ich still und heimlich in einem dunklen Zimmer vor meinem Handy sitzen - wo mich niemand sieht."

Robert Harting, der große Star des deutschen Teams, fehlt in Peking. Nachdem der 30 Jahre alte Berliner vor einem Jahr einen Kreuzbandriss erlitten hatte, wurde er nicht mehr rechtzeitig fit, um in China sein viertes WM-Gold zu holen. Jetzt soll der fünf Jahre jüngere Christoph die Familienehre retten.

"Ich habe richtig Bock auf die WM", sagte Christoph Harting vor seinem Auftritt in der Qualifikation am Donnerstag. Im Mai ließ der "kleinere" der beiden Diskus-Riesen, der sechs Zentimeter größer ist als sein Bruder, mit 67,93 m aufhorchen.

Doch den "Druck von außen", jetzt unbedingt für Robert einspringen zu müssen, lässt die Nummer drei der Welt gar nicht erst an sich heran: "Mir geht es um die Leistung. Ich will das Optimale aus der Situation machen."

Auch "Big Harting" rechnet nicht damit, dass ausgerechnet sein Bruder sein Nachfolger wird - stattdessen setzt er auf seinen großen polnischen Rivalen der vergangenen Jahre. "Ich tippe auf Piotr Malachowski, weil er einfach die größte Routine, die größte Leistungsfähigkeit, den größten Tagesinstinkt mitbringt", sagte Harting: "Christoph ist eigentlich noch nicht in der Lage, Weltmeister zu werden. Das meine ich nicht böse. Es ist nicht seine Aufgabe, mich zu vertreten, aber er kann natürlich den einen oder anderen ärgern."

Am Ende komme es in einer absoluten Stresssituation im Kampf um Gold, Silber und Bronze auf den Kopf an. "Es wird ein taktisches Spiel: Wer wirft wann wie weit? Und nicht: Wer wirft am weitesten. Das ist bei einer WM ganz entscheidend", sagte Robert Harting.

Mental scheint Christoph bereit zu sein. "Seit 2008 arbeite ich mit einer Sportpsychologin zusammen", sagte er. Aber für den ganz großen Wurf fehle ihm noch die "technische Sicherheit" und "etwas Schnelligkeit im Ring". Und damit er auch richtig brennt, gibt es vor den Würfen ordentlich etwas auf die Ohren. "Ich höre eine bestimmte Art von Musik", sagte Harting mit einem Schmunzeln: "Keine Klassik."

Robert Harting wird aus der Ferne mitleiden. "Ich bin ein Fan, aber ich schaue ungern nur zu. Ich kenne die Situationen ja, aber ich kann nicht eingreifen", sagte er: "Das ist furchtbar."


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