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Lewis Hamilton macht ein Selfie mit Felipe Massa bei der Pressekonferenz, während Nico Rosberg daneben sitzt. Foto: Sebastiao Moreira

Lewis Hamilton macht ein Selfie mit Felipe Massa bei der Pressekonferenz, während Nico Rosberg daneben sitzt. Foto: Sebastiao Moreira

Motorsport

Radioverbot und Schnappschuss: Rosberg in der Nebenrolle

Eine Pk mit großem Seltenheitswert. Und ein bevorstehendes Rennen, das wieder in die Formel-1-Geschichte eingehen könnte. Nico Rosberg ist ein Grund dafür. Doch die Selfie-Gruppe hatte auch noch anderes zu bereden.

São Paulo. Kurz vor dem möglichen Titeltriumph spielte Nico Rosberg für eine knappe Stunde nur eine Nebenrolle. Felipe Massa durfte als erster reden bei der Pressekonferenz zum möglicherweise entscheidenden Rennen um die Formel-1-Weltmeisterschaft in diesem Jahr.

Der Brasilianer saß zwischen WM-Spitzenreiter Rosberg und dessen WM-Verfolger Lewis Hamilton, er fährt nach 15 Jahren in der Motorsport-Königsklasse sein letztes Rennen vor seinem Publikum São Paulo.

Und dann, ja dann wurde über Sebastian Vettels Flüche zuletzt in Mexiko und die dortigen Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung der Formel 1 ausgiebig geplaudert. Videoanalyse inklusive. Sogar Rennleiter Charlie Whiting war geladen, Hamilton nutzte die historische Pk gleich für ein Erinnerungsfoto. Mit Rosberg am unteren Bildrand.

Am Sonntag gegen 19.00 Uhr MEZ könnten alle Kameras aber schon auf den möglichen neuen Weltmeister der Formel 1 aus Deutschland gerichtet sein. "Ich fühle mich klasse. Es ist großartig, um den WM-Titel fahren zu können, und ich will alles geben, um zu gewinnen", sagte Rosberg bei der rund 45-minütigen Pk auf dem Autódromo José Carlos Pace.

2014 und 2015 holte er auf dem legendären Kurs in Interlagos die Pole. Und er gewann beide Male das Rennen. 71 Runden auf der 4,309 Kilometer langen Strecke trennen Rosberg jetzt womöglich vom größten Erfolg seiner bisherigen knapp elf Jahre in der Formel 1.

"Meine vergangenen Siege werden mir an diesem Wochenende nicht helfen", betonte der WM-Spitzenreiter aber mit Blick auf seine blendende Brasilien-Bilanz: "Wir starten bei Null." Verhindern kann es - wenn auch nicht mehr aus eigener Kraft - nur noch Titelverteidiger und Mercedes-Teamkollege Hamilton. "In der Position, in der ich bin, habe ich nichts zu verlieren", meinte der 31 Jahre alte Brite. 19 Punkte Rückstand hat er. Einen Sieg von Rosberg muss er auf jeden Fall verhindern, er selbst konnte in Brasilien aber noch nie gewinnen.

Warum, das weiß Hamilton auch nicht so recht. Er werde es aber noch mehr versuchen, kündigte der 51-malige Grand-Prix-Sieger an. "Es wird eine große Herausforderung, hier zu versuchen zu gewinnen."

Rosberg kann allerdings auch schon vorzeitig Weltmeister werden, ohne den Hattrick in Brasilien zu schaffen. Selbst Rang sechs reicht ihm unter Umständen. Dann darf Hamilton maximal einen Punkt holen, sprich nicht über den zehnten Platz hinauskommen. Würde Hamilton ausscheiden, müsste Rosberg ebenfalls Platz sechs erreichen, um in seinem 205. Grand Prix den größten Erfolg seiner elfjährigen Formel-1-Karriere perfekt zu machen und es seinem Vater Keke gleichzutun.

Die Konkurrenz wird nicht Spalier stehen. Vettel betonte allerdings, dass man schon im Hinterkopf haben sollte, dass die beiden um die WM fahren. Jeder wolle schließlich die Zielflagge sehen. Die anderen müssten auch respektieren, dass sich die Beiden in diese Position gebracht hätten.

Er selbst ist auch im zweiten Jahr bei Ferrari nicht in der Lage gewesen, die Mercedes-Dominanz zu beenden. Das zehrt offenbar auch an seinen Nerven. Zuletzt in Mexiko fiel er durch eine Fluchtirade auf. Dafür entschuldigte sich Vettel, äußerlich wieder ruhig, gefestigt und nach wie vor entschlossen, nun noch einmal öffentlich. "Ich bedaure, was ich gesagt habe."

Um ähnliche verbale Entgleisungen in Zukunft zu vermeiden, hatte Max Verstappen, der für Vettels Wutausbrüche vor allem verantwortlich gewesen war, einen Vorschlag. "Wenn es schlecht ist für jüngere Zuschauer, sollte man es nicht übertragen", meinte der Niederländer.

Dann bekämen die TV-Zuschauer allerdings auch einiges vorenthalten, dass die menschlichen Seiten des hochtechnischen Sports demonstriert. Wie Massas vermutlich emotionale Abschiedsworte am Sonntag. Oder den Jubel eines Weltmeisters, wenn er die Ziellinie nach der letzten Runde überqueren würde. In dem Fall jedenfalls wäre Rosberg wieder der Hauptdarsteller, der alleinige und gekrönte.

dpa


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