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Christian Prokop steht noch beim SC DHfK Leipzig unter Vertrag.

Christian Prokop steht noch beim SC DHfK Leipzig unter Vertrag. © Hendrik Schmidt

Handball

Prokop oder Baur: Bundestrainer-Suche spitzt sich zu

Auf der Suche nach dem neuen Handball-Bundestrainer sind nur noch die beiden Topkandidaten übrig. Beide stehen noch in der Bundesliga unter Vertrag, beide wollen den Job - aber wer kriegt ihn?

Frankfurt/Main. Shootingstar oder Weltmeister: Nach dem überraschenden Wechselwunsch von Christian Prokop steuert das Bundestrainer-Casting des Deutschen Handballbundes (DHB) auf ein spannendes Finale zu.

Neben dem Trainer des Bundesligisten SC DHfK Leipzig, der nun offiziell sein Interesse an dem Job verkündete, ist nur noch Stuttgarts Coach Markus Baur im Rennen um die Nachfolge von Dagur Sigurdsson. "Beide sind sehr gute Leute. Es sind verschiedene Typen mit verschiedenen Ideen, aber beide Konzepte sind mit den Vorstellungen des Verbandes kompatibel", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning der Deutschen Presse-Agentur.

Prokop hatte nach der 23:31-Niederlage bei der SG Flensburg-Handewitt sichtlich aufgewühlt sein großes Interesse an dem Job bekundet. "Ich habe eine persönliche Entscheidung getroffen und die heißt, dass ich gerne das Amt des Bundestrainers übernehmen möchte", sagte der 37-Jährige. "Ich habe ewig mit mir gerungen und kann nur hoffen, dass der Verband und unser Verein faire Gespräche führen werden."

Seine Ankündigung hatte überrascht, weil zuvor zahlreiche Medien von einer Absage Prokops an den DHB berichtet hatten. Zu der Verwirrung, dass Prokop der Mannschaft nach Medienberichten schon eine Zusage zum Verbleib in Leipzig gegeben hatte, wollte sich SC-Geschäftsführer Karsten Günther nicht äußern.

Bei der Bundestrainer-Suche läuft es damit nun auf eine Entscheidung zwischen Prokop und Baur hinaus. Baur äußerte sich etwas zurückhaltender zu seinen Ambitionen, die aber nicht minder groß sind. "Es ist eine Ehre, als Bundestrainer im Gespräch zu sein. Es ist natürlich eine sehr interessante Aufgabe. Alles andere werden die nächsten Tage und Wochen zeigen", sagte der Weltmeister von 2007.

"Wir hatten eine Liste mit drei A-Kandidaten, zwei davon haben wir durchbekommen", sagte Hanning zufrieden. Dritter Anwärter auf die Nachfolge von Dagur Sigurdsson, der sein Amt nach der WM im Januar 2017 auf eigenen Wunsch abgibt, war der Däne Ulrik Wilbek. "Er ist ein erfahrener Mann, den ich sehr schätze. Er hat aber abgesagt", berichtete Hanning.

Der Verband hat nun die Qual der Wahl. Hier der aufstrebende Prokop, der als penibler Analytiker gilt und sich in der Branche schnell einen guten Ruf erworben hat. Dort der als Spieler zu Weltruhm gelangte Baur, der wie zu seiner aktiven Zeit auch mal aus dem Bauch heraus Entscheidungen trifft und als früherer Nationalspieler und Junioren-Auswahltrainer mit den Verbandsstrukturen bestens vertraut ist. "Wir haben zwei A-Kandidaten und werden ganz ohne Hektik mit beiden transparent reden", kündigte Hanning weitere Gespräche an.

Die wird es nun auch verstärkt mit den Vereinen geben. Prokop steht noch bis 2021 beim SC DHfK Leipzig unter Vertrag, Baur bis 2018 beim TVB 1898 Stuttgart. Dabei wird es vor allem um das Thema Geld gehen. Die Leipziger hatten schon im Vorfeld betont, Prokop nicht ohne Ablösesumme gehen lassen zu wollen. Geschäftsführer Günther bekräftigte diese Position noch einmal. "Wir haben nie gesagt, dass es einen Freifahrtschein gibt. Es muss am Ende eine gute Lösung für alle sein", sagte er der dpa.

Es dürften also keine leichten Verhandlungen werden, weshalb Hanning auch die Führungsspitze der Handball-Bundesliga um Ligaverbandspräsident Uwe Schwenker und HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann einbinden will. "Ich gehe davon aus, dass wir uns in einer freundschaftlichen Atmosphäre zusammensetzen", sagte er. Zugleich machte Hanning aber seine Position klar: "Die Nationalmannschaft steht über allem." Insbesondere die Erfolge der DHB-Auswahl seien ausschlaggebend für den lukrativen neuen TV-Vertrag der Liga gewesen.

Unter Druck will sich Hanning nicht setzen lassen. "Es ist null Prozent erforderlich, die Sache übers Knie zu brechen. Eine Entscheidung in diesem Jahr ist eher unwahrscheinlich", sagte der Leistungssportchef des Verbandes. Nach dem Abschied von Sigurdsson sei bis zum Sommer auch eine Interimslösung denkbar.

dpa


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