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Nach einem im Rasen aufgetauchten Hakenkreuz während der EM-Quali gegen Italien fürchten die Kroaten das EM-Aus.

Nach einem im Rasen aufgetauchten Hakenkreuz während der EM-Quali gegen Italien fürchten die Kroaten das EM-Aus. © Andrej Isakovic

Fußball

Präsidentin verurteilt Nazi-Skandal - Kroatien droht Aus

Kroatiens Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic hat den Nazi-Skandal beim Fußball-Geisterspiel gegen Italien verurteilt. Die Staatschefin bemühte sich am Tag danach genau wie die geschockten Fußball-Funktionäre um Schadensbegrenzung.

Split. Wegen eines auf dem Rasen eingebrannten Hakenkreuzes drohen den Kroaten drastische Strafen. Dabei war das EM-Qualifikationsspiel in Split wegen ähnlicher Vorfälle schon ohne Zuschauer ausgetragen worden. Nun droht ein EURO-Bann.

"Ich bin traurig und verärgert", sagte Davor Suker, der Chef des kroatischen Fußball-Verbandes (HNS), auf einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz in Split. Der ehemalige Weltklassestürmer forderte eine "gründliche Untersuchung" und rief einmal mehr dazu auf, "die Verantwortlichen zu bestrafen". HNS-Generalsekretär Damir Vrbanovic stellte fest: "Wir sind vor der ganzen Welt beschämt worden."

Kroatien habe die besten und treusten Fans, aber auch ein "sehr ernstes Problem mit Hooligans, die nicht nur den kroatischen Fußball, sondern auch den kroatischen Staat verunglimpfen", teilte Grabar-Kitarovic in einer Erklärung mit. Die Präsidentin bedauerte den "unermesslichen Schaden für die Reputation unserer Bürger und unseres Landes in der Welt". Auch sie forderte rasche Aufklärung. Doch ob das dem kroatischen Fußball noch hilft?

Unmittelbar nach dem EM-Qualifikationsspiel gegen Italien (1:1) nahm die Polizei Ermittlungen wegen des Vorfalls auf. Sie sicherte Stücke der Spielfläche als Beweismittel. Unter dem Flutlicht des Poljud-Stadions war urplötzlich ein Hakenkreuz auf dem Rasen aufgetaucht. "Das ist Sabotage, ein krimineller Akt. Das ist eine Schande für ganz Kroatien, und wir verurteilen das", sagte Verbandssprecher Tomislav Pacak.

Die Partie gegen Italien musste bereits unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Die Europäische Fußballunion (UEFA) hatte die Kroaten wegen rassistischer Angriffe ihrer Fans im Spiel gegen Norwegen bestraft. Nach den neuerlichen Vorfällen fürchten die Kroaten nun weit härtere Sanktionen. "Der Unsinn von ein paar Idioten kostet uns die EURO", vermutete die Zeitung "24Sata".

Dabei sind die Kroaten durch das 1:1 gegen die Italiener weiter auf EM-Kurs. Sie führen mit zwei Punkten Vorsprung die Gruppe H vor dem viermaligen Weltmeister an.

"Wir waren in der Früh auf dem Rasen, und es war nichts zu sehen. Das haben wir den Verantwortlichen auch gesagt", erklärte Vabanovic. Er bot sogar den Rücktritt der Verbandsspitze an. "Falls sich unsere Probleme lösen, wenn wir zurücktreten, dann werden wir das tun."

Denn kaum ein Länderspiel der Südost-Europäer vergeht, ohne dass es zu rechtsradikalen oder rassistischen Vorfällen kommt. Vor der WM in Brasilien hatte der ehemalige Bundesliga-Profi Josip Simunic nach der geglückten Qualifikation für die Titelkämpfe in Brasilien über das Stadionmikrofon die Parole "Za Dom - Spremni!" gerufen. Er war vom Weltverband FIFA für zehn Spiele gesperrt worden. Der umstrittene Ustascha-Gruß heißt übersetzt: "Für die Heimat - bereit!" Die Ustascha war ein 1929 gegründeter Geheimbund, der sich zu einer faschistischen Bewegung entwickelte.

Obwohl Simunic während einer Anhörung vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS erklärte, dass er nicht die Absicht hatte zu beleidigen oder zu diskriminieren, sondern nur seine patriotischen Gefühle mit den Fans teilen wollte, waren die Sportrichter der Argumentation des Fußballers nicht gefolgt.

Auch die vielen weiteren Strafen, die UEFA und FIFA wegen ähnlicher Vorfälle verhängten, brachten offenbar keine Lösung. Fußball in Kroatien scheint nationalistisch geprägt und politisch aufgeladen. Zoran Cyrk, der HNS-Sicherheitsbeauftragte, stellte fest, dass der kroatische Verband, Dinamo, Hajduk und Rijeka in den vergangenen sieben Jahren insgesamt 2,3 Millionen Euro Strafen wegen Hooligan-Vergehen zahlen mussten.

dpa


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