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Eisschnellläuferin Claudia Pechstein wehrt sich gegen die ISU.

Eisschnellläuferin Claudia Pechstein wehrt sich gegen die ISU. © Andreas Gebert

Eisschnelllauf

Pechstein kontert ISU-Attacke: "Kranke Denkweise"

Das wollte Claudia Pechstein keineswegs auf sich sitzen lassen. Die heftigen Attacken des Eislauf-Weltverbandes ISU gegen die Eisschnellläuferin und den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) konterte die 43 Jahre Berlinerin mit harschen Worten.

Berlin. "Die ISU-Bosse leben in ihrer eigenen Welt. Eine Welt, in der Fairplay nur eine leere Phrase ist und rechtsstaatliche Grundsätze keine Rolle spielen", erklärte die fünfmalige Olympiasiegerin auf ihrer Homepage.

Die ISU lasse "verlauten, es gäbe keinen Beweis dafür, dass ich nicht gedopt habe. Auf solch eine kranke Denkweise muss man erst mal kommen. Man stelle sich vor, ein Angeklagter würde von einem ordentlichen Gericht als Autodieb verurteilt, weil es keinen Beweis dafür gibt, dass er das Auto nicht geklaut hat", schrieb sie sarkastisch. Die ISU bringe "gerne mal Fakten durcheinander, lässt relevante Dinge einfach unter den Tisch fallen und setzt Methoden ein, die mir aus Mafiafilmen bekannt vorkommen."

Vor dem Prozess am Bundesgerichtshof um die 4,4 Millionen Euro Schadenersatz-Forderung Pechsteins hatte die ISU nach langem Schweigen den Ton verschärft und Pechstein "Medien-Kampagnen" vorgeworfen. Die ISU behauptet, dass viele ihrer "veröffentlichten Aussagen falsch und irreführend" seien. Auch die Einschätzung der Expertenkommission des DOSB hätte zu einer öffentlichen Meinung geführt, dass Pechstein vom Doping freigesprochen sei. "Pechstein ist nicht rehabilitiert", ist das ISU-Statement überschrieben.

Die Argumentation sei der beste Beweis dafür, warum sie das Verfahren vor dem BGH führen und auch gewinnen müsse, erwiderte Pechstein. "Das Grundrecht, ein ordentliches Gericht anzurufen, darf uns Sportlern nicht verweigert werden. Wir müssen geschützt werden vor solchen ignoranten Funktionären, die sich selbstherrlich ihre eigene Welt schaffen."

Auch der Lübecker Universitätsprofessor Wolfgang Jelkmann wehrte sich gegen Unterstellungen. "Es ist absolut unsauber, was die ISU hier macht. Ich möchte klarstellen, dass ich nicht die Gutachten von Frau Pechstein, sondern für die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft, also der Gegenseite, erstellt habe. Und von Anfang war klar, dass auf Basis der vorliegenden Messdaten nicht von Doping von Frau Pechstein auszugehen war", erklärte Jelkmann der Deutschen Presse-Agentur. Ihm hatte die ISU vorgeworfen, als Chef der vom DOSB eingesetzten Expertenkommission nicht "unparteiisch und neutral" gewesen zu sein.

Auch der DOSB wies die Anschuldigungen zurück. "Alle Einzelgutachten von unabhängigen Experten sind zu dem Schluss gekommen, dass ein Doping-Nachweis auf diesem Weg nicht geführt werden kann", sagte DOSB-Sprecher Christian Klaue. "Aus unserer Sicht war die Expertenkommission sehr ausgewogen besetzt", fügte er hinzu.

Jelkmann hatte als Chef der fünfköpfigen Expertenkommission, der auch der Chef des Kölner Anti-Doping-Labors Wilhelm Schänzer und der frühere ISU-Gutachter Alberto Zanella angehörten, festgestellt, dass die Sportgerichtsbarkeit Fehler gemacht habe und sprach von einem "Fehlurteil".

Pechstein hat Doping stets bestritten. Experten führten ihre Werte auf eine vererbte Blutanomalie zurück. Die ISU bekräftigte indes, dass Pechsteins auffällige Blutwerte nicht mit der Anomalie erklärbar seien. "Mehr als ein Dutzend Hämatologen aus sechs Nationen haben diese Diagnose bestätigt", konterte Pechstein. Aus diesem Grund sei sie auch vom DOSB rehabilitiert worden.

"Noch nie hat sich einer der feinen Funktionäre in eine Talkshow getraut oder ein Interview zu meinem Fall gegeben. Spekulationen, Dementi und Halbwahrheiten: So sieht eine Medienkampagne aus", schimpfte die Athletin. Sie verwies zudem darauf, dass die Staatsanwaltschaft München I aufgrund einer Strafanzeige der Gewerkschaft der Polizei weiterhin Ermittlungen gegen ISU-Anwälte wegen des Verdachts des Prozessbetruges führe.

Jüngst hatte Pechstein finanzielle Schwierigkeiten öffentlich gemacht, weil sie fürchtet, die notwendigen 70 000 Euro für Anwälte vor dem BGH nicht bezahlen zu können. Auf ihren Hilferuf hin waren in sechs Tagen fast 30 000 Euro Spendengelder eingegangen.

dpa


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