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Claudio Pizzaro und Franck Ribéry nehmen die Trainingseinheit nach der gewonnen Meisterschaft mit Humor.

Claudio Pizzaro und Franck Ribéry nehmen die Trainingseinheit nach der gewonnen Meisterschaft mit Humor. © Felix Hörhager

Fußball

Neues Ziel der Bayern: "Super-Super-Saison"

Im Flieger posierten Bastian Schweinsteiger und Manuel Neuer lachend mit einem Imitat der Meisterschale. Stolz und glücklich stießen die bayerischen Blitzmeister in einigen Tausend Metern Höhe mit Champagner auf die erste von drei gewünschten Trophäen an.

München. Den "großen Zampano", so Präsident Uli Hoeneß, spielte aber keiner: Denn nach dem Turbo-Titel wollen die Münchner nun die "Super-super-Saison".

"Ihr seid ein großartiges Team. Ihr habt Außergewöhnliches geleistet", lobte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in seiner Ansprache auf dem Rückflug und schwor das Rekord-Team noch in der Luft auf die nächsten Ziele ein. "Feiert zuhause! Wir haben in Turin noch etwas vor", Die Stars beherzigten den Vorschlag ihres Bosses offenbar. "Ganz brav" sei man gewesen, betonte Arjen Robben am Sonntag. Feierchen statt rauschender Titelparty.

Nur wenige Stunden nach der Landung in der Wieder-Meisterstadt München startete der schnellste Titelgewinner in 50 Jahren Bundesliga die Vorbereitung auf das Viertelfinal-Rückspiel in Turin. "Feiern kann man verlegen, aber Juventus können wir nicht verlegen. Dieses Spiel wird all unsere Kraft und Power benötigen", betonte Sportvorstand Matthias Sammer am Sonntag. Er selbst war nach einem abendlichen TV-Auftritt "relativ schnell im Bett".

Unmittelbar nach dem Spiel in Frankfurt hatte Sammer noch über seine Rolle als ewiger Mahner und Party-Wächter gescherzt. "Ich habe mich vor die Kabine gestellt. Da kam keiner mit einem Bier durch", sagte er. Eine Kiste Bier schaffte es dennoch in die Umkleide, in der mit lauter Musik und Polonaise gefeiert wurde. Dazu gingen bei den Münchenern Gratulationen ohne Ende ein: Der entthronte Meister Jürgen Klopp und Bundestrainer Joachim Löw verneigten sich genauso vor den Bayern wie Basketball-Star Dirk Nowitzki oder Sprint-Ikone Usain Bolt.

Hacke, Spitze, Titel hieß es nach dem 1:0 (0:0)-Erfolg bei Eintracht Frankfurt am Samstag. Die Spieler warfen ihren Meistermacher Jupp Heynckes in die Luft, tanzten auf dem Rasen mit der Pappschale, Frank Ribéry heizte einen Tag vor seinem Geburtstag mit dem Megafon seinem Team ein. Nach den schwarz-gelben Qualen der vergangenen Jahre frohlockte der Präsident. "Dortmund hat uns zwei Jahre wirklich richtig geärgert. Das ist eine wunderbare Antwort, auf das, was Dortmund uns abgefordert hat", sagte Hoeneß.

Nach dem 2:0 im Hinspiel wollen die Münchner am Mittwoch nun in Turin den Halbfinal-Einzug in der Königsklasse perfekt machen. "Jetzt wollen wir aus einer Super-Saison noch eine Super-Super-Saison machen", erklärte Hoeneß. Die Dauerzweiten aus dem Vorjahr wollen sich längst nicht mehr mit nur einem Titel zufriedengeben. "Wenn wir den Pokal und die Champions League holen, dann können wir drei, vier Tage zusammen Party machen", sagte Ribéry, der mit Blick auf große Ziele den Abend "nicht zu lang" werden ließ. Am Sonntag gab es für ihn eine riesengroße Geburtstagstorte.

 

 

   Die Bayern sind längst noch nicht satt. Sie wollen nach der Meisterschaft nun auch den DFB-Pokal und vor allem die Champions League gewinnen, die Endspiele am 25. Mai (Königsklasse) und 2. Juni (DFB-Pokal) sind mehr als ferne Visionen. Natürlich war es Sammer, der in Frankfurt - noch während die Mannschaft in der Kabine tanzte und sang - besonders eindringlich auf die Partie in Turin verwies. "Die Frage ist jetzt: Wollen wir mehr oder wollen wir nicht mehr? Wollen wir alles oder wollen wir nur ein bisschen?", meinte er. "Das ist der Unterschied zwischen Groß und ganz Groß."

 

Jupp Heynckes wirkte genervt, als er davon hörte. Der Trainer klang ein bisschen so, als müsse er seine Mannschaft vor ihrem eigenen Sportchef in Schutz nehmen. "Ich kenne meine Spieler. Die wollen alle ins Halbfinale der Champions League", sagte er. "Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass da heute noch einer in die Disco geht oder sich abfüllt? Priorität hatte für uns die Meisterschaft, aber wir haben noch zwei andere Ziele. Und so wie die Mannschaft in diesem Jahr spielt, traue ich ihr alles zu."

Dazu hat der Meistermacher auch allen Grund. Die Bayern lassen die Rekorde geradezu purzeln in diesem Jahr - dabei ist die Saison noch nicht vorbei. Noch nie in 50 Jahren Bundesliga stand ein deutscher Meister schon nach dem 28. Spieltag fest. Noch nie gewann eine Mannschaft innerhalb einer Spielzeit elfmal nacheinander. Zu einem Punkterekord (82) fehlen den Münchnern nur noch sieben Zähler, zur Anzahl der meisten Siege pro Saison (25) nur einer. Und, und, und...

Es passt zu dieser Übermannschaft, dass sie die Meisterschaft mit einem Hackentor von Schweinsteiger (52.) perfekt machte. All das zeigt, wie heiß die Bayern in dieser Saison waren, nachdem sie zuletzt zweimal zähneknirschend den Dortmundern zum Titel gratulieren mussten. "Diese Meisterschaft fühlt sich fast noch einen Tick schöner an als die anderen", sagte Philipp Lahm. "Es ist etwas Besonderes, die Schale schon am 28. Spieltag zu bekommen. Das hat noch keine Mannschaft geschafft, deshalb ist unsere Freude riesengroß. Aber jeder weiß, dass wir noch weitere große Ziele haben."

dpa


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