Navigation:
Der Weltmeister zeigte sich nach dem Rennen in Feierlaune.

Der Weltmeister zeigte sich nach dem Rennen in Feierlaune. © Srdjan Suki

Motorsport

Mercedes-Party nach Hamilton-Sieg

Der erste Titel in dieser Saison ist geschafft. Mercedes ist wieder Konstrukteurs-Weltmeister der Formel 1. So richtig freuen kann sich darüber aber nur Lewis Hamilton, Nico Rosberg ist nach dem wohl endgültigen Aus im WM-Kampf nicht nach Feiern.

Sotschi. Fast-Weltmeister Lewis Hamilton und sein neuer Verfolger Sebastian Vettel trieben Scherze mit den langbeinigen Strecken-Hostessen, Nico Rosberg konnte auch der vorzeitige Team-Titel nicht trösten.

Nach seinem Sotschi-Sieg kann Mercedes-Star Hamilton schon in zwei Wochen in Austin den dritten Formel-1-Triumph perfekt machen. Weder Vettel, der im Ferrari am Sonntag in Russland Platz zwei rettete, noch der von einem kaputten Gaspedal am Silberpfeil gestoppte Rosberg dürften den Briten noch aufhalten können. "Es ist unglaublich, wie hart die Formel 1 manchmal ist", klagte Rosberg, der auch die Mercedes-Party nach dem Gewinn der Konstrukteurs-WM schwänzte. "Das braucht noch etwas, bis die Freude darüber bei mir kommt", sagte er betrübt.

"Nico hat unglaubliches Pech gehabt", befand Hamilton in einem der wenigen ernsten Momente nach seinem neunten Saisonsieg. Völlig losgelöst hatte der 30-Jährige zuvor Kremlchef Wladimir Putin umarmt. Als der neue WM-Zweite Vettel, der nun 66 Punkte hinter dem Spitzenreiter und sieben Zähler vor Rosberg liegt, eine gesamte Crew russischer Schönheiten mit zur Pressekonferenz brachte, konnte sich der kichernde Hamilton kaum auf die Fragen konzentrieren.

Die Titelrechnung ist klar: Gewinnt der Doppel-Champion auch in Texas und Vettel wird höchstens Dritter, ist die Fahrer-WM schon drei Grand Prix vor Saisonende entschieden. "In den letzten fünf Runden habe ich es nur noch genossen, diesen Moment festgehalten. Man weiß nie, wie oft man so etwas noch erleben kann", schwärmte Hamilton über seinen zweiten Erfolg am Schwarzen Meer. Es war der 42. Grand-Prix-Sieg seiner Karriere, damit liegt er nun gemeinsam mit Vettel auf Rang drei hinter Michael Schumacher (91) und Alain Prost (51).

Auch Vettel war angesichts der erneuten Überlegenheit der Silberpfeile bestens gelaunt, weil er sich von Startplatz vier noch auf Rang zwei vorgearbeitet hatte. "Es war ein Klasserennen, ein Klassetag", bilanzierte der Hesse. Als Dritter kam Sergio Perez ins Ziel und ließ damit sein Force-India-Team den Ärger über das frühe Unfall-Aus des Rheinländers Nico Hülkenberg vergessen.

Die letzte Pointe des Rennens setzte indes Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen. Mit einem missglückten Manöver verdarb er Williams-Fahrer Valtteri Bottas Rang drei und wurde dafür nachträglich von Platz fünf auf acht zurückversetzt. Weil Räikkönen und Vettel damit zusammen nur 22 Punkte holten, durfte sich Mercedes wie im Vorjahr bereits in Sotschi als Team-Weltmeister feiern. Einziges Problem: Als das Urteil der Streckenrichter kam, war die Teamführung schon abgereist, die vorbereiteten Weltmeister-Shirts waren schon verpackt.

So improvisierte das Werksteam eilig in der Garage, aus den Boxen dröhnte das unvermeidliche "We are the Champions" und ein wenig Schampus war ja noch von Hamiltons Sieg übrig. "Was für ein fantastischer Moment für Mercedes-Benz", übermittelte Daimler-Chef Dieter Zetsche aus der Heimat.

So ging ein ereignisreicher Tag im Sotschi-Autodrom zu Ende, der den Zuschauern ein durchaus actionreiches Spektakel geboten hatte. Der Unfall von Hülkenberg löste schon nach wenigen Metern eine Safety-Car-Phase aus, danach bemerkte der führende Rosberg plötzlich Probleme mit dem Gaspedal. Die Rückholfeder war gebrochen. Wenig später musste Rosberg aufgeben. "So gewinne ich nie den Titel, wenn einfache Dinge kaputt gehen", klagte der gebürtige Wiesbadener.

Nun führte Hamilton das Rennen an, so sollte es bis zum Ende bleiben. Daran änderte auch die zweite Safety-Car-Phase des Tages nichts. Lotus-Fahrer Romain Grosjean war in der 13. Runde heftig die Streckenbegrenzung gekracht. Hamilton aber ließ sich nicht irritieren und zog nach dem Neustart anscheinend mühelos davon.

Dahinter arbeitete sich Vettel zunächst mit einem harten Manöver an Kollege Räikkönen vorbei, dann schnappte er sich durch die bessere Strategie auch Bottas. "Ich hatte dann etwas Hoffnung, dass ich den Lewis einholen kann, aber er hat wohl nicht das gezeigt, was er zeigen könnte", erklärte Vettel.

Tatsächlich musste Hamilton wohl nicht alles aus seinem Silberpfeil herausholen. "Ich bin so dankbar für dieses Auto. In den letzten Runden habe ich nur noch das Cockpit gestreichelt, dass alles heil bleibt", berichtete der WM-Spitzenreiter. Der Weg zur nächsten Formel-1-Krönung ist für Hamilton nicht mehr weit.

dpa


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Anzeige