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Der deutsche Rekordhalter Arne Gabius strebt bei seinem ersten London-Marathon eine weitere Bestzeit an.

Der deutsche Rekordhalter Arne Gabius strebt bei seinem ersten London-Marathon eine weitere Bestzeit an. © Marijan Murat

Leichtathletik

Marathon-Ass Gabius vor London: Da laufen die Besten

Der Marathon-Klassiker in London als Olympia-Generalprobe: Arne Gabius misst sich mit der absoluten Weltspitze und denkt mit 35 noch lange nicht ans Karriereende: "Meine Frau wird mir schon sagen, wenn es anfängt, lächerlich zu werden."

Stuttgart. Arne Gabius startet am Sonntag zum ersten Mal beim renommierten London-Marathon. Der approbierte Arzt gehört seit seinem deutschen Rekord vom Oktober in Frankfurt (2:08:33 Stunden) zu Europas Spitzenläufern.

"Da laufen die Besten, da will ich auch hin. Ich will ja nicht nur bei Olympia in Rio auf sie treffen, sondern auch vorher. Man muss die Konkurrenz suchen", sagt der 35-Jährige vor dem dritten 42,195-Kilometer-Klassiker seiner Karriere in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Was hat sich in dem halben Jahr seit ihrem Rekord von Frankfurt verändert?

Arne Gabius: Ich sehe mich jetzt als Marathonläufer, endgültig. Mein Debüt im Jahr davor - das war alles toll. Aber so richtig Marathon bin ich da nicht gelaufen. Beim zweiten Mal in Frankfurt bekam ich ja bei Kilometer 27, 28 Probleme, und ich musste mit diesen Problemen umgehen. Nach diesem Rennen habe ich mich wirklich als Marathonläufer gefühlt. Ich war auch total kaputt danach und hatte ein paar Wochen daran zu knabbern.

Sie sind Profisportler, hat sich dieser Erfolg wirtschaftlich ausgezahlt?

Gabius: Durch den Frankfurt-Marathon selbst schon. Sonst ist man als Leistungssportler immer nah am Dispo dran. Das wird man in Rio sicherlich auch von einigen Sportlern hören. Jetzt habe ich ein richtig schönes Polster, auch eine gewisse Sicherheit, eine Ruhe. Ich muss mir nicht mehr sagen: Da und dort musst du unbedingt laufen, um Geld zu machen und diese oder jene Rate bezahlen zu können.

Wie klappte die Vorbereitung auf London?

Gabius: Die letzten Monate des Jahres 2015 liefen nicht so gut. Dadurch, dass ich noch diese Oberschenkelprobleme hatte. Wobei das von einer alten Verletzung von vor drei Jahren herrührt, einem Muskelfaserriss. Es ist eine chronische Überbelastung der Oberschenkelmuskulatur. Ich habe Übungen gemacht, um sie zu entlasten und aufzubauen.

Haben Sie dadurch an Substanz verloren?

Gabius: An Trainingsumfängen habe ich schon verloren. Aber das ist dann halt so. Ich habe dennoch 230, 240 Kilometer die Woche in Kenia qualitativ gut trainiert und mich dabei auch sehr gut gefühlt. Ich glaube, dass ich für den Marathon sehr gut vorbereitet bin.

Warum starten Sie ausgerechnet in London, wo sie sich erstmal hinter den Assen aus Afrika anstellen müssen?

Gabius: London ist einer der größten Marathons der Welt. Es ist ein Rennen der Major-Serie, und das Angebot war gut. Da laufen die Besten, da will ich auch hin. Ich will ja nicht nur bei Olympia in Rio auf sie treffen, sondern auch vorher. Man muss die Konkurrenz suchen.

Und wenn sie Ihnen davonläuft?

Gabius: Klar werden die eine eigene Tempogruppe haben. Die werde ich am Start sehen, und sie werden die erste Hälfte sehr schnell angehen. Ich werde einige davon ab Kilometer 30 oder 35 wiedersehen. Ich bin erst zwei Marathonrennen gelaufen, ich brauche halt die Erfahrung. London ist die schnellste Strecke von den Frühjahrsmarathons in Europa. Boston hat vom Finanziellen her das beste Angebot gemacht, aber der Kurs ist sehr ungemütlich, ich müsste da bergab laufen trainieren.

Mit welcher Zeit und welcher Platzierung wollen Sie in London ins Ziel kommen?

Gabius: Also, eine Platzierung ist immer sehr schwer vorher zusagen. Aber wenn die vorne sehr schnell angehen und ich einigermaßen gut durchkomme und einige einkassieren kann. Ich werde mich wahrscheinlich so zwischen den Spitzenläufern und der britischen Gruppe einsortieren. Also auf Bestzeit laufen. Man startet ja bisschen außerhalb, die ersten fünf Kilometer geht's bergab. In London stehen die Zuschauer auf vier, fünf Reihen. Das soll unglaublich sein. Ich freue mich auf das Rennen - auch auf ein Rennen, wo ich auf mich alleine gestellt bin. Das ist auch eine gute Übung für Rio.

Was erwartet Sie bei den Olympischen Spielen - im Gegensatz zu einem üblichen Städtemarathon?

Gabius: Keine Tempomacher. Es gibt vermutlich auch keine Absprachen. Ich habe kürzlich in Kenia den Stephen Kiprotich getroffen. Da habe ich ihn gefragt, wie das denn war 2012 in London. Er kommt ja aus Uganda. Er meinte, die Kenianer hatten ihn gefragt: Kannst du nicht Tempo machen? Am Anfang sagte er ja. Dann hat er sich gesagt: Ne, doch nicht, ich will meine Chance selbst suchen - und hat kein Tempo gemacht. Da waren die Kenianer auf einmal nervös, sie konnten nicht mit der Situation umgehen. Dann ist Kiprotich Olympiasieger geworden - und ein Jahr später auch Weltmeister.

Mit 35 denken Sie noch nicht an ihr Karriereende nach den Sommerspielen?

Gabius: Nein, gar nicht. Ich probier's aus, wie lange es geht. Meine Frau wird mir schon sagen, wenn ich mal Stopp machen muss, wenn es anfängt, lächerlich zu werden. Sie wird dafür sorgen, dass ich nicht den Absprung verpasse.

Zur Person: Arne Gabius (35) wurde in Hamburg geboren, startet für das LT Haspa Marathon Hamburg und und lebt in Stuttgart. 2012 war er hinter dem späteren Doppel-Olympiasieger Mo Farah (Großbritannien) Vize-Europameister über 5000 Meter. Neben dem zeitaufwendigen Training schaffte es der Langstreckenläufer, ein komplettes Medizinstudium zu absolvieren. Inzwischen ist Gabius auf den Marathon umgestiegen und hat sich mit seinem deutschen Rekord vom Oktober 2015 (2:8:33 Stunden) für Rio de Janeiro qualifiziert.

dpa


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