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Auf einer Anzeigentafel ist ein Start von Bobfahrern bei den Olympischen Spielen 2010 zu sehen.

Auf einer Anzeigentafel ist ein Start von Bobfahrern bei den Olympischen Spielen 2010 zu sehen. © Peter Klaunzer

Sportpolitik

Kufensportler für gerechtere TV-Zeiten

Deutschlands Erfolgsgaranten im Eiskanal gehen auf die Barrikaden. In einem offenen Brief an die Intendanten der öffentlich-rechtlichen Sender und an die Rundfunkräte haben sie gerechtere TV-Zeiten gefordert.

Leipzig. "Wir, die Unterstützer dieses Briefes, bitten die Sender ARD und ZDF, ihre Wintersportplanung ab dem kommenden Winter zu überdenken und den Eiskanalsportarten Rodeln, Bob und Skeleton mehr Sendezeit einzuräumen. Leistung muss sich wieder lohnen", heißt es in dem Protestschreiben, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt und von elf Olympiasiegern bzw. Weltmeistern unterschrieben wurde.

Die seit Jahrzehnten erfolgreichen Rodler, Skeletonis und Bobfahrer vom Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) feiern regelmäßig Weltcupsiege, Welt- und EM-Titel sowie Olympia-Medaillen - bei den Sendezeiten müssen sie sich aber hinter den Disziplinen Biathlon, Ski alpin und Ski nordisch anstellen, beklagen die Sportler. ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz reagierte gelassen: "Diese Sportarten sollten wissen, dass sie ihre hohe Akzeptanz und Präsenz im Fernsehen vor allem dem bewährten Verbund mit Disziplinen wie Biathlon, Skispringen oder Ski alpin zu verdanken haben."

Immerhin verfolgten durchschnittlich 2,57 Millionen Zuschauer die ZDF-Übertragungen in diesem Winter. Das ist der höchste Wert seit mehr als acht Jahren. Vor allem im Biathlon gab es eine Steigerung auf 3,85 Millionen Zuschauern (Vorsaison: 3,39 Mio), im alpinen Ski-Bereich auf 2,14 Millionen (Vorjahr: 1,64 Mio.).

Den Frust der Kufensportler können diese Zahlen nicht stoppen. "Ich kann diesen Brief nur vorbehaltlos unterstützen und hoffe, dass das Thema in die Intendantenrunde kommt", sagte BSD-Vizepräsident Rainer M. Jacobus. Auch ehemalige Weltklasse-Piloten wie Wolfgang Hoppe und Harald Czudaj unterstützen dieses Anliegen. Der gerade in St. Moritz zum jüngsten Zweierbob-Weltmeister aufgestiegene Francesco Friedrich ist nur verwundert: "Die ersten drei Übersee-Rennen wurden überhaupt nicht gezeigt. Viele Leute sehen nur, wie wir 30 Meter laufen, in den Bob springen und im Ziel jubeln, das war es oft. Doch da steckt harte Arbeit dahinter, unsere Teams werden geführt wie Unternehmen, ich habe als Pilot oft einen 15-Stunden-Tag", sagte der Oberbärenburger.

Auch der Viererbob-Weltmeister von 2011, Manuel Machata, kann die geringe TV-Präsenz der "Formel 1 des Winters" nicht nachvollziehen: "Wir müssen die Saisonplanung überdenken. Wir fangen extra einen Monat früher an und dann kommt nichts im TV, das ist witzlos." Obwohl die Kufensportler 2013 sechs von neun WM-Goldmedaillen holten, werden die Übertragungen aus der Eisrinne oft zur Füllmasse degradiert.

Wenn die Quote für beitragsfinanzierte TV-Sender wirklich das einzige Kriterium sei, sollten dafür gleiche Bedingungen wie Sendeplatz und Sendezeit vorherrschen, so die Forderung. "Wir möchten Sie nur daran erinnern, dass bei den Olympischen Spielen von Turin im Einschaltquotenranking aller Sportarten zwei Bob-Programme auf den Spitzenplätzen bei ARD und ZDF lagen. Also erzählen Sie nicht, Eiskanalsportarten hätten kein Quotenpotenzial", schreiben die Athleten und verweisen auf den Doppel-Olympiasieg von André Lange 2006. Auch der erfolgreichste Pilot der Welt gehört zu den Unterstützern des Briefes: "Die TV-Leute vor Ort würden ja gerne mehr berichten, doch die Entscheidungen werden in der Chefetage getroffen."

Aus der Ferne diktieren die TV-Sender zudem die für Zuschauer unfreundlichen Startzeiten in den frühen Morgenstunden. Auch das sogenannte Geoblocking von ARD/ZDF wurde kritisiert. "Ich und meine Fans sind immer wieder enttäuscht, dass die produzierten Bilder von FIBT TV von der ARD und ZDF im deutschen Livestream geblockt werden", meinte Skeleton-Weltmeisterin Anja Huber. Die viermalige Rodel-Weltmeisterin Tatjana Hüfner, 2010 Olympiasiegerin, meinte: "Es wäre insgesamt gut für den Kufensport, wenn wir noch mehr gezeigt würden. Dabei bietet gerade unser Sport enorm viel Spannung, es geht ja um Hundertstel- und Tausendstelsekunden", betonte sie.

dpa


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