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Sebastian Brendel siegte bei der WM über 1000 Meter.

Sebastian Brendel siegte bei der WM über 1000 Meter. © Ute Freise

Kanu

Kanuten starten passabel in WM-Finals

Die deutschen Kanuten sind vor den Toren Mailands ordentlich, aber auch mit Enttäuschungen in die WM-Finals gestartet. Abseits von Titeln und Medaillen sorgte Weltmeister Marcus Groß unmittelbar nach seiner Siegerehrung für einen ganz besonderen Moment.

Segrate. Dreimal Gold, drei Enttäuschungen und ein außergewöhnlicher Heiratsantrag - die deutschen Kanuten sind mit einer gemischten Bilanz in die WM-Finals von Italien gestartet.

Innerhalb der wichtigen olympischen Disziplinen sicherten Sebastian Brendel im Canadier-Einer und Max Rendschmidt/Marcus Groß im Kajak-Zweier den erfolgsverwöhnten Paddlern am Samstag vor den Toren Mailands jeweils über 1000 Meter die ersten beiden Titel.

Für einen Rückschlag sorgte dagegen der schwächelnde Kajak-Vierer der Männer, der das Finale an diesem Sonntag verpasste und damit zugleich vier deutsche Olympia-Quotenplätze für Rio 2016 verspielte. Felix Landes, David Schmude, Martin Schubert und Kai Spenner fuhren in ihrem Halbfinallauf nur auf Rang vier und zogen somit lediglich ins B-Finale ein. Um die internationale Norm zu knacken, hätte das Großboot in Segrate zumindest in den A-Endlauf kommen müssen.

Das WM-Abschneiden des Großbootes ist deshalb so bedeutungsvoll, da es in dieser Disziplin keine Möglichkeit mehr für eine nachträgliche Olympia-Qualifikation gibt. Für Rio 2016 haben die deutschen Männer-Kanuten im Kajakbereich damit zurzeit nur fünf Quotenplätze ergattert. Maximal ein weiterer könnte über eine Nachqualifikation im Frühjahr 2016 in Duisburg hinzukommen. Heißt: In Brasilien darf nur ein Mini-Aufgebot starten. "Das ist ein Wermutstropfen. Jetzt muss ein Plan B her", kommentierte Verbandschef Thomas Konietzko.

Am Vormittag hatte bereits der vierte Platz des eigentlichen Gold-Anwärters Max Hoff im Kajak-Einer über 1000 Meter für nachdenkliche Mienen im deutschen Lager gesorgt. "Das hat mich auch persönlich runtergezogen", befand Bundestrainer Reiner Kießler.

Neben Hoff blieben auch die Sprint-Spezialisten Ronald Rauhe und Tom Liebscher im Kajak-Zweier über 200 Meter als Sechste ohne Medaille. "Ich bin sauer", kommentierte Routinier Rauhe. Hoff, der in dieser Saison auf der Mittelstrecke alle wichtigen Rennen gewonnen hatte, war ebenso bedient: "Die Enttäuschung ist groß. Ich brauche nicht nach Ausreden zu suchen, ich bin einfach sprachlos." Präsident Konietzko machte mentale Gründe für das schwache Rennen seines Leistungsträgers in Segrate aus: "Der stärkste Muskel ist der Kopf."

Im olympischen Bereich holten die Olympiasiegerinnen Franziska Weber und Tina Dietze mit Bronze im Kajak-Zweier über 500 Meter eine dritte Plakette für den Deutschen Kanu-Verband - die angepeilte Ausbeute von sechs Medaillen in diesen zwölf Wettbewerben ist aber trotz mehrerer ausstehender Rennen am Sonntag kaum zu schaffen. Der WM-Titel der Nachwuchs-Asse Sabrina Hering und Steffi Kriegerstein im Kajak-Zweier über 1000 Meter half da wenig, da es sich um eine nicht-olympische Disziplin handelte. Dennoch machten die beiden Youngster erneut auf sich aufmerksam, zuletzt hatten sie bei den U23-Weltmeisterschaften in Portugal bereits Gold im K2 über 500 Meter gewonnen.

Abseits des Sportlichen schaffte es Weltmeister Groß in Italien mit einer spektakulären Aktion in den Fokus vieler internationaler Journalisten. Mit der Goldmedaille um den Hals machte der 25-Jährige seiner gleichaltrigen Freundin Kathi am Samstagnachmittag direkt nach der Siegerehrung noch an der Regattastrecke einen Heiratsantrag - und erhielt die erhoffte "Ja"-Antwort. Strahlend posierte Kathi Zengler, früher ebenfalls Kanusportlerin, mit dem Silberring.

"Ich habe die Ringe schon länger in der Tasche dabei. Dass ich sie jetzt rausgeholt habe, war aber mehr eine spontane Aktion", kommentierte der Berliner Groß, dessen künftige Ehefrau im Februar ein Kind erwartet. Kathi hatte vorher beim Rennen mitgefiebert und ordentlich Nerven gelassen. "Ich habe mir gedacht: In so einem Moment erwartet sie den Antrag am wenigsten, jetzt ist der beste Moment", sagte Groß, der seit 2007 mit seiner Freundin zusammen ist.

Teamkollege Max Rendschmidt, mit dem Groß seit 2013 auf der olympischen K2-Strecke ein Erfolgsduo bildet, hatte unmittelbar vor der Medaillenzeremonie wohlgesonnen sein Okay gegeben. "Ich habe ihn vor der Siegerehrung gefragt, was er davon hält. Und ihm gesagt, dass die Ringe natürlich nicht für ihn sind", verriet Groß grinsend.

dpa


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