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Trayvon Bromell (r.) konnte sich mit seinem US-Landsmann Justin Gatlin freuen - er holte Bronze.

Trayvon Bromell (r.) konnte sich mit seinem US-Landsmann Justin Gatlin freuen - er holte Bronze. © Diego Azubel

Leichtathletik

Kämpfer Bolt reißt Gold aus dem Feuer - Hundertstelsieg vor Gatlin

Da kam der Kämpfer durch bei Usain Bolt. In einem irren Finale schnappt sich der schnellste Mann der Welt wieder Gold. Justin Gatlin verpasst den WM-Titel nach 100 Metern um einen Wimpernschlag - der US-Mann verliert ausgerechnet das wichtigste Rennen des Jahres.

Peking. Nach dem Zittersieg im WM-Showdown umarmte Usain Bolt seinen großen Rivalen Justin Gatlin. Die Zuschauer tobten, und Chinas Starpianist Lang Lang spielte dem schnellsten Mann der Welt auf dem E-Piano ein Glückwunsch-Ständchen.

Dann schnappte sich der strahlende Weltmeister die Jamaika-Flagge und drehte eine Ehrenrunde. In 9,79 Sekunden war der Weltrekordhalter am Ende nur eine Hundertstel schneller als der zuvor 26 Mal in Serie ungeschlagene Gatlin. "Usain Bolt! Usain Bolt!", skandierten 55 000 Besucher im Nationalstadion von Peking nach dem mit so viel Spannung erwarteten 100-Meter-Finale der Leichtathletik-WM. Bolt bleibt der schnellste Mann der Welt.

"Das bedeutet mir sehr viel, weil ich die ganze Saison über große Probleme hatte", erklärte Bolt nach dem Zittersieg. "Das war ein großes Ding." Sein Ziel sei es, "die Nummer eins zu sein, bis ich zurücktrete. Deshalb treibe ich mich voran und treibe mich immer wieder nach vorn."

Das passte an diesem Abend, denn ohne sein großes Kämpferherz hätte er nicht triumphiert. Nach einem Start-Strauchler im Halbfinale hätte sich der Superstar fast selbst geschlagen. Im Finale zählte dann nur noch das, was Bolt immer von sich selbst fordert: "Ich muss mein Rennen durchziehen."

Im spektakulären "Vogelnest" feierte der 29-Jährige ein spektakuläres Comeback: Vor sieben Jahren hatte "Big Bolt" in der gleichen Arena drei olympische Goldmedaillen gewonnen. Diesmal holte er sich seinen neunten WM-Titel. Damit hat er schon vor den 200 Metern (Donnerstag) und der Staffel am Schlusstag einen Titel mehr als die legendären Amerikaner Carl Lewis und Michael Johnson.

"Diese Chance wird Gatlin nie wieder kriegen", meinte der frühere 400-Meter-Star Johnson. Bitter für den Ex-Weltmeister aus den USA: Schon vor zwei Jahren in Moskau fehlten ihm nur 8/100 zum Sieg. Dennoch gab sich der frühere Dopingsünder nicht allzu enttäuscht. "Ich fühle mich gut. Ich denke, dass war ein großartiges Rennen, und ich fühle mich geehrt, dabei gewesen zu sein", sagte der Olympiasieger von 2004. "Natürlich will jeder hier rauskommen und gewinnen. Aber ich wurde erst auf der Ziellinie von dem großen Usain Bolt geschlagen. Auf den letzten fünf Metern bin ich ein bisschen ins Straucheln geraten."

In 9,79 Sekunden steckte ein famoser Bolt praktisch alle Rückschläge weg, die er in den vergangenen Monaten hinnehmen musste. Das WM-Jahr stand im Zeichen mehrerer Verletzungen, der schnellste Mann der Welt hatte beträchtlichen Trainingsrückstand. Er musste den Start bei mehreren Meetings absagen - und geriet dann am Sonntag im Halbfinale auch noch ins Stolpern. Fast wäre der Mega-Sprinter raus gewesen. Nach dem Halbfinale habe ihm sein Trainer Glen Mills aber gesagt: "Du denkst zu viel nach."

Im Finale beherzigte der sechsmalige Olympiasieger diese Kritik: "Ich kam raus, war relaxt und habe es nach Hause gebracht." Dass der junge Kanadier André de Grasse und US-Sprinter Trayvon Bromell in 9,92 Sekunden zeitgleich Dritte wurden, geriet beim Duell der Sprint-Giganten zur Randnotiz.

Und schon am Donnerstagabend soll es im Finale über 200 Meter zur Revanche kommen. Nach dem Sieg im "Sonntagskrimi" spricht auf Bolts erklärter Lieblingsstrecke aber nun alles für Bolt - auch wenn Gatlin sagte: "Ich werde jetzt ins Hotel fahren, einen Tag frei machen und mich danach auf die 200 Meter vorbereiten.

dpa


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