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Hans-Michael Holczer tritt erneut vor das Gericht.

Hans-Michael Holczer tritt erneut vor das Gericht. © Daniel Bockwoldt

Radsport

Holczer zum Zweiten - Showdown verschoben

Der Richter wollte um 17.00 Uhr Schluss machen, Hans-Michael Holczer eigentlich weiterreden. Dann ließ sich der Chef des früheren Gerolsteiner Rennstalls aber doch zum Wiederkommen vor die 16. Große Strafkammer des Landgerichts Stuttgart überreden.

Stuttgart. Der vermeintliche Showdown mit der Verteidigung des angeklagten Radprofis Stefan Schumacher wurde auf den 23. April verschoben.

Am dritten Verhandlungstag wollen Michael Lehner und Dieter Rössner den Zeugen Holczer aus seiner "rosaroten Welt" holen. "Wenn Schumacher freigesprochen wird, ist von Holczers Lack nichts mehr vorhanden", prophezeite der Heidelberger Sportrechtsexperte Lehner nicht gerade zurückhaltend. Das wäre freilich der Idealfall aus Sicht der Verteidigung.

Bisher hat sich im ersten deutschen Betrugs-Prozess wegen Dopings noch nicht herauskristallisiert, wer lügt. Schumacher, der behauptet, Holczer hätte vieles über die vorhandene Doping-Verseuchung im scheinbar so sympathischen Team gewusst? Oder Holczer, der auch am zweiten Verhandlungstag in seiner tief ins Detail gehenden Befragung durch den Richter Mitwisserschaft bestritt. Sein Fazit zu den vorangegangenen Schumacher-Aussagen: "Vollkommen gelogen" und "blank erfunden".

Beim ersten Zusammentreffen der beiden seit einem Arbeitsgerichtsprozess 2009 blickte Holczer ab und an streng in Richtung Schumacher. Dem Angeklagten schienen bei Holczers Schilderungen der Welt im Team Gerolsteiner bisweilen fast die Augen zuzufallen. Der Pädagoge aus Herrenberg wirkte gewohnt eloquent und parlierte fast drei Stunden. Weder Schumacher, Verteidigung oder der Staatsanwalt kamen zu Wort, nur Richter Martin Friedrich drang mit Zwischenfragen sporadisch durch.

Mit kleinen roten Zetteln hat sich Lehner Passagen in Holczers 2010 erschienenem Buch "Garantiert Positiv" markiert. Er will den vermeintlich unbeugsamen Anti-Doping-Kämpfer mit dessen eigenen Worten schlagen und beweisen, dass der 59 Jahre alte Mathematik- und Geschichtslehrer sehr wohl über die illegalen Praktiken Bescheid wusste. Er und sein Kollege Rössner ("Holczer glaubt wahrscheinlich selber, was er erzählt") sehen sich gewappnet.

Der Zeuge verschwand an der Seite seiner Frau nach dem Prozess am Donnerstag fast wortlos. Schumacher, der trotz einer Gehirnerschütterung und Verletzungen am Rücken nach einem Sturz vom vergangenen Sonntag erschienen war, gab sich leutselig. Allen, die es hören wollten, sagte der geständige Doper, dessen Weg zur Wahrheit nach jahrelangem Leugnen sehr beschwerlich war: "Jetzt fahre ich absolut sauber".

dpa


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