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Thomas Müller (l) gestikuliert beim Spiel gegen den AC Mailand. Foto: Rodrigo Machado

Thomas Müller (l) gestikuliert beim Spiel gegen den AC Mailand. Foto: Rodrigo Machado

Fußball

Heftige Milan-Watschn für platte Bayern

Es war nur ein Testspiel. Trotzdem ist das 0:4 gegen den AC Mailand ein Imageschaden auf Bayerns großer Werbetour in Asien. Der Trainer ist überrascht, die Abwehr zerbröselt, der Käpt'n spricht Klartext.

Singapur. An Krücken humpelte der verletzte Juan Bernat aus dem Stadion und stand damit sinnbildlich für den FC Bayern. Reichlich ramponiert flogen die Münchner Fußballstars nach der schmerzhaften Testspiel-Watschn gegen den AC Mailand aus China weiter in die Touristenhochburg Singapur.

"So ein 0:4, da muss man erstmal schlucken", gestand Kapitän Thomas Müller. Zwei Niederlagen und zwei Verletzte, so hatten sich auch die Bosse Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß den sportlichen Teil der Hochglanz-Werbetour des Rekordmeisters in Asien nicht vorgestellt. Die Gefahr, dass die vielen Flugstunden, Teilumstellung, extreme klimatische Bedingungen sowie zahllose Werbetermine irgendwann Wirkung auf dem Spielfeld zeigen könnten, war aber allen bewusst.

"Dass das hier keine Spazierfahrt wird, war klar", bemerkte Müller. "Aber das ist unser Beruf! Wir hatten hier in China eigentlich eine gute Zeit, auch wenn es intensiv ist. Jeder Tag ist voll gewesen für uns Spieler." Nach so einer Niederlage brauche man schon ein wenig Zeit, "um sich zu sammeln", sagte Nationalspieler Müller. So einen sportlichen Ausschlag ins Negative hatte auch Carlo Ancelotti nicht erwartet. "Das Ergebnis ist etwas überraschend", sagte der Trainer.

Zum Glück war es nur ein Testspiel exakt zwei Wochen vor dem ersten Pflichtspiel im Supercup gegen DFB-Pokalsieger Borussia Dortmund. Und auch unter Ancelottis Vorgänger Pep Guardiola haben die Bayern einmal in der Wintervorbereitung ein 0:3 beim österreichischen Serienmeister Red Bull Salzburg kassiert. Dennoch wirkte der Auftritt am Samstag im Rahmen des International Champions Cup in Shenzen verstörend.

Katastrophal war das Abwehrverhalten. Die effizienten Mailänder mit ihren vielen Neueinkäufen wie Hakan Calhanoglu (Bayer Leverkusen) oder Ricardo Rodriguez (VfL Wolfsburg), die noch vier Tage zuvor in Guangzhou gegen die Dortmunder 1:3 verloren hatten, schlugen durch Franck Kessié, Patrick Cutrone (2) und nach der Pause Calhanoglu viermal krachend zu. "Die Tore für Milan fielen zu einfach", sagte Mats Hummels selbstkritisch. "Ich denke, wir können viel aus dem Spiel lernen", ergänzte der zur Pause ausgewechselte Weltmeister.

"Wir haben nicht gut gespielt, uns hat die Balance gefehlt", rügte Ancelotti seine Mannschaft. Ein Drama aber mochte der Coach aus dem Testspiel-Flop nicht machen. "Das passiert manchmal. Wir sind in der Vorbereitung und brauchen noch Zeit. Wir müssen weiterarbeiten, um für den Saisonstart bereit zu sein", erklärte der Italiener.

Bitter für Ancelotti war, dass nach Thiago (Wade) der zweite Akteur den zwölftägigen Asien-Trip vorzeitig abbrechen musste. Juan Bernat zog sich bei einem Foul eine Bänderverletzung am Sprunggelenk zu. Der spanische Außenverteidiger flog nicht mit nach Singapur, sondern zurück nach München, wo er am Montag genau untersucht werden soll.

Die Teamkollegen dagegen müssen nun zusehen, dass sie in den noch ausstehenden Partien in Singapur gegen den FC Chelsea (Dienstag) und Inter Mailand (Donnerstag) das Image wieder aufpolieren. "Jetzt fiebern wir dem nächsten Spiel entgegen, um das Ganze wieder gerade zu rücken", kündigte Müller an. Aber aufgepasst: Chelsea besiegte am Samstag - noch ohne seinen wohl gegen die Bayern debütierenden neuen 80-Millionen-Topstürmer Alvaro Morata von Real Madrid - den Londoner Stadtrivalen FC Arsenal in Peking mit 3:0. Gegen Arsenal hatten die Bayern ihr erstes Spiel in China nach Elfmeterschießen verloren.

dpa


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