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Lewis Hamilton begibt sich in Monza nach seinem 7. Saisonsieg zur Siegerehrung.

Lewis Hamilton begibt sich in Monza nach seinem 7. Saisonsieg zur Siegerehrung. © Srdjan Suki

Motorsport

Hamiltons WM-Projekt kaum gefährdet: "starke Position"

Wer soll Lewis Hamilton im WM-Rennen noch schlagen? Der britische Champion kann gelassen in die sieben restlichen Rennen gehen. Teamkollege Nico Rosberg hat nach seinem nächsten Rückschlag kaum noch Chancen. Für Sebastian Vettel ist der Titel unrealistisch.

Monza. Mercedes-Pilot Lewis Hamilton rast unaufhaltsam Richtung Titelverteidigung. Obwohl noch sieben Übersee-Rennen ausstehen, scheint die Formel-1-WM schon so gut wie entschieden.

Nur wenn der souveräne Spitzenreiter einen völlig überraschenden Einbruch erleben oder das festzementierte Kräfteverhältnis unerwartet kippen sollte, könnte das WM-Rennen noch einmal spannend und wirklich offen werden.

Hamilton selbst bremst verbal ab. "Es ist noch nichts entschieden", sagte der Brite. Aber nachdem sein ungefährdeter Triumph beim Großen Preis von Italien mit zweieinhalbstündiger Verspätung wegen eines minimal zu geringen Luftdrucks im linken Hinterreifen amtlich war, bleibt dies nur ein politisch korrektes Statement.

Wie überlegen Hamilton beim Grand Prix von Italien war, umschrieb die spanische Tageszeitung "AS": "Hamilton fährt mit einer Hand am Lenkrad lächelnd zum Sieg. Während er seine Runden dreht, kann er sich sogar die Bäume im Park von Monza anschauen." 

Mercedes-Teamchef Toto Wolff reagierte auf den siebten Saisonsieg seines Stars und die damit verbundenen 53 Punkte Vorsprung auf seinen unglücklich ausgeschiedenen Teamkollegen Nico Rosberg entschiedener: "Das Ergebnis bringt ihn in der WM in eine sehr starke Position." Pflichtschuldigst fügte der Österreicher nach "diesem bittersüßen Tag für uns alle" an, dass noch 175 Punkte zu vergeben seien. "Noch ist nichts gewonnen. Beide dürfen weiter gegeneinander fahren."

Rosberg gab sich trotz seines Riesenrückschlags kämpferisch: "Ich muss weiter Druck machen und stärker denn je zurückkommen", teilte er per Tweet und Videobotschaft mit. "Aufgeben ist nicht mein Ding." Zugleich räumte der große Pechvogel von Monza enttäuscht ein: "Das war ein Mistwochenende. Das ist echt in die Hose gegangen."

Erst musste Rosberg vor der Qualifikation den neuen Motor gegen ein schon sechs Rennen altes Triebwerk tauschen lassen. Als er dann im Europafinale Rang drei sicher zu haben schien und Vettel in Reichweite lag, platzte dieser Hybrid-Turbo. Statt den Schaden im WM-Rennen begrenzen zu können, trat durch den bitteren Nuller der schlimmstmögliche Fall ein. "Für die WM war das ein Desaster, weil ich Punkte aufholen hätte müssen", klagte er.

Aus eigener Kraft kann Rosberg seinen enteilten Stallrivalen nicht mehr einholen. Selbst wenn der 30-Jährige alle sieben ausstehenden Grand Prix gewinnen sollte, würden Hamilton sechs zweite Plätze und ein dritter Rang reichen, um mit einem Punkt Vorsprung erneut Champion zu werden.

Angesichts des Kräfteverhältnisses spricht aber nichts für eine Wende. Das gilt teamintern für die Silberpfeile und im Vergleich mit Vettel & Co sowieso. Hamilton dominiert in dieser Saison zu eindeutig. Bei den Siegen führt er 7:3 gegen Rosberg. Als einziger Pilot fuhr er in jedem der bislang zwölf Saisonläufe in die Punkte und verpasste dabei nur einmal in Budapest als Sechster einen der beiden Spitzenränge.

Im Gegensatz zum Vorjahr lag der Brite in der WM auch nie hinter dem Deutschen. 2014 führte Rosberg nach Monza sogar noch mit 238:216 Zählern, ehe Hamilton dann mit seiner Siegesserie den Kampf drehte.

Für Vettel tendieren die Chancen auf einen Titel-Coup realistisch betrachtet gegen Null. Der vierfache Weltmeister weist vor dem Großen Preis von Singapur in zwei Wochen bereits 74 Punkte Rückstand auf Hamilton auf. "Er war einfach schneller", konstatierte Vettel nüchtern.

Trotz des gewaltigen Abstands von 25,042 Sekunden sprach der dreifache Monza-Sieger vom "schönsten zweiten Platz meiner Karriere". Vettel stieß auf diese von den Tifosi wie ein Sieg gefeierte Niederlage sogar "mit einem Gläschen Champagner" an, ehe es schnell nach Hause zur Familie in die Schweiz ging.

Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene sieht die Silberpfeile weiterhin weit voraus. "Wir müssen glücklich sein. Sebastian ist Zweiter und Ferrari ist Zweiter in der Konstrukteurs-WM." Wenn der nun 21 Punkte hinter Rosberg liegende Vettel in der WM am Ende seinen Landsmann noch von Rang zwei verdrängen könnte, wäre das für die Roten ein krönender Abschluss der Premierensaison des neuen Hoffnungsträgers bei der Scuderia.

dpa


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