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Martin Schulz holte bei der paralympischen Triothlon-Premiere die Goldmedaille. Foto: Kay Nietfeld

Martin Schulz holte bei der paralympischen Triothlon-Premiere die Goldmedaille. Foto: Kay Nietfeld

Paralympics

"Goldener Tag" in Rio: Deutsche erfolgreich, Stadien voll

Die Paralympics in Rio de Janeiro entwickeln sich immer mehr zu einer deutschen Erfolgsgeschichte - und zu einem Besuchermagneten. Die deutsche Bilanz des Wochenendes: Dreimal Gold an einem Tag - und dazu noch eine ganz besondere Medaille.

Rio de Janeiro. Der bislang erfolgreichste deutsche Tag bei den Paralympics endete mit einem schönen Blick auf den beleuchteten Strand.

Vanessa Low und Daniel Scheil erhielten einen gemeinsamen Empfang im Deutschen Haus: die Weitspringerin auf gleich zwei Prothesen und der Kugelstoßer im Rollstuhl. Gemeinsam mit dem Triathleten Martin Schulz bescherten sie den deutschen Behindertensportlern in Rio de Janeiro drei Goldmedaillen an nur einem Wettkampftag. Vanessa Low verbesserte dabei gleich zweimal ihren eigenen Weltrekord auf am Ende 4,93 Meter.

Am Sonntagabend deutscher Zeit kamen noch zwei Medaillen hinzu: Der im Rollstuhl sitzende Tischtennisspieler Thomas Schmidberger verlor sein Endspiel gegen den Chinesen Panfeng Feng mit 1:3 Sätzen.

Und Bahnradfahrer Stefan Nimke ist jetzt der erste deutsche Sportler, der eine Medaille bei Paralympischen und Olympischen Spielen gewann. Zwölf Jahre nach seinem Olympiasieg in Athen holte er in Rio zusammen mit Kai Kruse Bronze im Kilo-Finale. "Jetzt hat sich die ganze Arbeit der letzten drei Jahre gelohnt", sagte Nimke, der als Tandempilot vor dem sehbehinderten Kruse sitzt. "Man muss nicht immer sagen: Gold, Gold, Gold. Man kann sich auch tierisch über eine Bronzemedaille freuen."

Friedhelm Julius Beucher sprach als Chef der deutschen Delegation trotzdem von einem "goldenen Tag - und das in vollen Stadien". Denn zur Geschichte dieser Paralympics gehört auch, dass sie sich entgegen aller Prognosen zu einem Publikumsmagneten entwickelt haben. 167 000 Menschen kamen am Samstag in den Olympia-Park. Das ist ein Rekord für das Areal mit seinen vielen Sportstätten - und mehr, als dort jemals bei den Olympischen Spielen an nur einem Tag registriert wurde.

Low und Scheil stehen in Rio nicht nur für die sportlichen Erfolge des deutschen Teams, sondern auch für die vielen persönlichen Schicksale, die dahinterstehen. Die Weitspringerin wurde im Alter von 15 Jahren vor einen Regionalzug gestoßen und verlor dabei beide Beine - der Täter wurde bis heute nie gefasst. Der 43 Jahre alte Scheil brach 2008 von einer Sekunde zur nächsten beim Bäcker zusammen und lag danach einen Monat lang im Koma. Der Sauerstoffmangel bewirkte eine Reihe von Folgeerkrankungen, seit 2010 sitzt er im Rollstuhl.

Gleich bei seinen ersten Paralympics gewann er Gold. 11,03 Meter stieß er die Kugel im Olympiastadion von Rio weit. "Das war heute mein Tag", sagte Scheil. "Ich werde das jetzt nur noch genießen."

Jenseits von Rio leben er und Vanessa Low in zwei verschiedenen Welten. Der für den BVS Weiden in Bayern startende Sachse wohnt in einem kleinen Dorf, in dem ihm nach eigenen Angaben irgendwann so langweilig wurde, dass er im Internet nach einer Beschäftigung suchte und dabei auf die Geschichte der Paralympics-Siegerin Birgit Kober stieß. Er rief sie einfach an - und kam so 2011 zum Behindertensport.

Low dagegen lebte und trainierte zuletzt in den USA und zieht jetzt zu ihrem Freund nach Australien. "Es war wie eine Befreiung für mich, dass es zu Gold gereicht hat", sagte die 26-Jährige. "Das ist der erfolgreiche Abschluss einiger harter Jahre. Ich bin die USA gegangen und war damit weit weg von meiner Familie und meinem Freund. Doch mit meinem Trainer habe ich dort sehr viel und umfangreich gearbeitet." Der Lohn: Gold und Weltrekord an nur einem Abend.

Bereits am Vortag hatte Martin Schulz die paralympische Triathlon-Premiere an der Copacapana gewonnen. 1:02:37 Stunden benötigte er für 750 Meter Schwimmen, 20,92 Kilometer Radfahren und 5 Kilometer Laufen. Der 26-Jährige wurde ohne linken Unterarm geboren und hatte am Ende 28 Sekunden Vorsprung auf den Kanadier Stefan Daniel. "Das ist unbeschreiblich", sagte der Welt- und Europameister.

Auch an der Copacapana waren Tausende Zuschauer. Insgesamt seien für diese Spiele bislang mehr als 1,8 Millionen Tickets verkauft worden, teilte das Internationale Paralympische Komitee am Wochenende mit. Die knappe Niederlage der deutschen Goalballer gegen Kanada (5:7) sahen rund 12 000 Zuschauer. "Das ist eine ganz neue Erfahrung für uns. Wenn es hochkommt, spielen wir zu Hause in der heimischen Liga vor 100, 200 Leuten", sagte Spieler Michael Feistle.

Mit viermal Gold, sechsmal Silber und fünfmal Bronze liegt das deutsche Team aktuell auf Platz sieben der Nationenwertung. Nach 154 von 521 Entscheidungen führt China (27/28/21) diesen Medaillenspiegel mit großem Vorsprung vor Großbritannien (20/10/14) an.

dpa


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