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Nico Rosberg hatte nach dem Rennen in Suzuka viel Gesprächsbedarf.

Nico Rosberg hatte nach dem Rennen in Suzuka viel Gesprächsbedarf. © Franck Robichon

Motorsport

Frust: Rosberg braucht Familie als Aufbauhelfer

Die Statistiken sprechen gegen Nico Rosberg. Für den Mercedes-Fahrer scheint Platz zwei auch in dieser Formel-1-Saison wieder das Maximum. Aus eigener Kraft kann er seinen Teamkollegen Lewis Hamilton nicht mehr überholen.

Suzuka. Nach dem Asien-Frust im Schatten von Teamkollege Lewis Hamilton und Landsmann Sebastian Vettel braucht Nico Rosberg seine Familie als Aufbauhelfer.

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 Alaïa dürfte die Sorgen des Mercedes-Piloten im immer aussichtsloseren Formel-1-Titelrennen zumindest für ein paar Tage vertreiben. Zum Abschied aus Japan konnte Rosberg sich nur noch mühsam zu Durchhalteparolen aufraffen: "Ich werde weiter pushen und versuche jetzt, in Sotschi zu gewinnen."

Ähnlich hatte Rosberg auch vor dem Rennen in Suzuka geklungen. Für Ernüchterung sorgte aber einmal mehr sein Widersacher im eigenen Team. "Hamilton zermalmt Rosberg", urteilte die italienische Zeitung "Il Messaggero". Nach Saisonsieg Nummer acht hat Hamilton Titel Nummer drei klar vor Augen. Rosberg hat fünf Rennen vor Schluss 48 Punkte Rückstand. Selbst wenn der Deutsche bis zum Saisonende immer gewinnt, würden Hamilton ein zweiter Rang und drei vierte Plätze zum erneuten WM-Triumph genügen.

Für einen fünften Titelgewinn von Vettel ist die Arithmetik noch komplizierter, auch wenn der Hesse mit drei Siegen die Erwartungen in seiner ersten Ferrari-Saison schon übertroffen hat. Der 28 Jahre alte Heppenheimer liegt 59 Punkte hinter Hamilton. Es sei zwar nicht vorbei, "bevor es vorbei ist", betonte Vettel. "Realistisch betrachtet, denke ich, ist es aber sehr, sehr schwer." Es liege nicht mehr in seinen Händen.

So geht es auch Rosberg. Es scheint, als könne er machen, was er wolle, um einen Hamilton in der Form seines Lebens zu schlagen. Auch Plan B, das Auto so abzustimmen, dass er im Qualifying endlich wieder vor dem Briten landet, ging nur bedingt auf. Rosberg holte sich zwar Startplatz eins, weil er Hamilton in der K.o.-Ausscheidung zum zweiten Mal in diesem Jahr schlug. Nach wenigen Metern war das jedoch Makulatur.

Hamilton hatte Rosberg überholt und zum Unwillen seines deutschen Kollegen weiter an seinem Image als gnadenloser Racer gearbeitet. "Das ist hier ja kein Freundschaftsspiel im Schach", sagte Hamilton kühl über das Manöver - ein Sinnbild für das Silberpfeil-Duell. "Die erste Runde fasste die gesamte Saison zusammen", schrieb die "Daily Mail".

Und der britische "Telegraph" höhnte sogar über Rosberg: "Er hat einfach nicht das Talent und die Fahrkunst wie sein Teamkollege." Sogar die offizielle Formel-1-Seite stellte den Deutschen am Tag nach dem Rennen als ewigen Zweiten dar. Zum 16. Mal in den vergangenen beiden Jahren beendete Rosberg einen Grand Prix auf Rang zwei, rechneten die Statistiker vor. 1033 Runden seiner Karriere habe er auf dem zweiten Platz absolviert, mehr als auf jedem anderen Rang.

Zahlen, die Rosberg wohl am liebsten vergessen würde. "An diesem Wochenende gab es viel Positives. Deshalb werde ich stark zurückkommen", versicherte der gebürtige Wiesbadener.

Will er als dritter deutscher Weltmeister nach Rekordchampion Michael Schumacher (7 Titel) und Vettel (4) noch in diesem Jahr in die Geschichte eingehen, darf er sich von niemandem mehr überholen lassen. Fehler wie bei der Premiere der Motorsport-Königsklasse im ehemaligen Olympia-Ort Sotschi im Vorjahr kann er sich nicht mehr leisten: Damals verbremste sich Rosberg kapital in der ersten Runde, als Sieger durfte sich einmal mehr Hamilton feiern lassen. 

dpa


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