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Severin Freund hat die erfolgreichste Saison seiner Karriere hinter sich.

Severin Freund hat die erfolgreichste Saison seiner Karriere hinter sich. © Markku Ojala

Skispringen

Freund: Mache mein Glück nicht vom Tourneesieg abhängig

Auch nach der erfolgreichsten Saison seiner Karriere ist Severin Freund hungrig auf Erfolge. Vor allem die Vierschanzentournee sieht Deutschlands Top-Skispringer als große Herausforderung. Unter Druck setzt er sich aber nicht.

Klingenthal. Im heimischen Wohnzimmer sind die großen Erfolge seiner Karriere für Severin Freund stets präsent.

"Für die Medaillen habe ich eine Holzskulptur, die ist einer Schanze abstrakt nachempfunden. Da hängt schon ein bisschen was", erzählt Deutschlands Top-Skispringer und ergänzt lächelnd. "Die Große Kristallkugel steht genau auf der anderen Seite auf einem Sideboard neben dem Esstisch."

Seinen Erfolgshunger hat sich der zweifache Weltmeister und Weltcup-Triumphator von 2015 dennoch bewahrt. "Ich denke nicht, dass es die letzte erfolgreiche Saison war. Man kann daraus viel lernen und mitnehmen, dass man weiter auf diesem Weg bleibt", sagt der 27-Jährige vor dem Weltcup-Auftakt in Klingenthal.

Der vergangene Winter hat bei ihm lange nachgewirkt. "Es hat eine Weile gedauert, bis man das für sich realisiert und ein Stück weit abgeschlossen hatte", berichtet er im Rückblick. Bei der WM holte er Gold im Einzel und Mixed, dazu Silber auf der Normalschanze.

Im Weltcup feierte er neun Einzelsiege und in einem dramatischen Herzschlagfinale als erster Deutscher seit 15 Jahren den Gesamt-Triumph. "Das sind Schlüsselerlebnisse, die einem einen Anker geben können. Für solche Momente macht man den Sport, sie treiben einen an", sagt der Team-Olympiasieger und Skiflug-Weltmeister.

Nach einem dreiwöchigen Urlaub in Thailand und Myanmar stürzte sich der akribische Arbeiter daher umgehend in die Vorbereitung, um der Konkurrenz wieder das Fürchten zu lehren. "Gerade wenn es sehr gut gelaufen ist, darf man sich nicht darauf verlassen und sollte nicht versuchen, das zu wiederholen. Wir haben deshalb neue Reize gesetzt", berichtet der deutsche Überflieger.

Bundestrainer Werner Schuster sieht seine Nummer 1 bestens gerüstet für die anstehenden Schanzenduelle. "Es war ein Ziel, dass er im Sommer nicht so weit weg ist. Das ist gelungen. Wir erhoffen uns davon, dass er nicht nur gut in die Saison startet, sondern früher stabil wird, um dann bei den Highlights Vierschanzentournee und Skiflug-WM in Höchstform zu sein", sagt Schuster.

Während Freund auf der Flugschanze am Kulm als Titelverteidiger zu den Topfavoriten zählt, wird der erste Saison-Höhepunkt kurz nach Weihnachten zu einer besonderen Herausforderung. "Es wäre wahnsinnig schön, die Tournee zu gewinnen, und ich werde alles dafür tun", sagt Freund. "Aber ich mache mein Glück nicht davon abhängig. Ich würde nie sagen, meine Karriere ist unvollendet, wenn ich sie nicht gewinne."

Bei der Traditionsveranstaltung lief es für ihn bisher nie nach Wunsch. Verrückt macht sich Freund deshalb nicht. "Es würde mich nicht weiterbringen, mir einen großen Kopf darüber zu machen, dass es die vergangenen Jahre nicht so gut gelaufen ist. Wenn die Zeit reif ist, wird es passieren."

Um dafür so gut wie möglich gerüstet zu sein, hat er vor allem im Athletiktraining einiges anders gemacht. "Mitte Januar ist es mit den Großereignissen vorbei. Das macht es extrem spannend. Mehr denn je heißt es, früh in der Saison schon in Topform zu sein", erläutert er.

Den Weltcup will er deshalb aber nicht völlig ausblenden. "Es war ein riesiges Ziel, die Gesamtwertung einmal in meiner Karriere zu gewinnen. Wenn man das geschafft hat, kann man andere Sachen lockerer angehen", sagt Freund. "Es wäre schön, es ein zweites Mal zu schaffen, aber es ist etwas sehr Spezielles, wo unheimlich viel zusammenpassen muss."

dpa


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