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EM-Debütantin Scheder greift nach EM-Medaille

Sophie Scheder blickte ein wenig verschmitzt, die Augen verrieten ihre Freude. Die 16 Jahre alte Debütantin aus Chemnitz hat am Samstag die große Chance, als jüngste deutsche Turnerin seit 26 Jahren eine Medaille bei Europameisterschaften zu gewinnen.

Moskau. In der Qualifikation zeigte die Junioren-Europameisterin am Donnerstag in Moskau ihre Stufenbarren-Übung in bestechender Ausführung und erreichte als Überraschungs-Dritte mit 14,70 Punkten das Finale.

Rundum zufrieden war sie aber dennoch nicht: "Ich habe meine Verbindungen nicht geschafft und daher Abzüge beim Ausgangswert erhalten. Jetzt weiß ich, was für Reserven ich noch für das Finale habe." Noch jünger war zuletzt 1987 die Berlinerin Dörte Thümmler, die im Alter von 15 Jahren ebenfalls in Moskau Bronze am Stufenbarren gewonnen hatte.

Schon seit November vergangenen Jahres quält sich Sophie Scheder mit einem schmerzhaften Knochenödem in der Hüfte und startete daher in Moskau nur an ihrem Lieblingsgerät. "Es geht jetzt aber immer besser. Im Training habe ich schon wieder am Balken begonnen", berichtete sie nach ihrem starken Auftritt im Sportkomplex Olimpiski gelöst. Die beste Übung des Tages zeigte die russische Olympiasiegerin Alija Mustafina mit 15,025 Punkten.

Ursprünglich sollte Scheder erst in der Abendgruppe gegen 20.00 Uhr starten, doch nach Intervention von Cheftrainerin Ulla Koch rutschte sie dann doch in den Auftakt-Durchgang. "Das war mir lieber. Denn ansonsten muss man den ganzen Tag die Konzentration hochhalten. Trotzdem war ich wahnsinnig aufgeregt", gestand die talentierte Barren-Spezialistin.

Cheftrainerin Ulla Koch freute sich riesig, dass der Plan mit der Debütantin so glänzend aufgegangen war. "Es gibt jetzt für das Finale gar keinen Druck von mir. Sie soll einfach sauber durchturnen, der Rest kommt von ganz allen", meinte die Chefin.

Mit den beiden anderen Turnerinnen der wegen zahlreicher Abitur- und Studienverpflichtungen völlig neu formierten deutschen Riege konnte Ulla Koch nicht so zufrieden sein. Dennoch wertete sie den Finaleinzug von Team-Küken Cagla Akyol mit 50,499 Punkten auf Platz 22 als respektablen Erfolg. Die 15-jährige türkischstämmige Turnerin war beim Abgang vom Stufenbarren auf dem Hinterteil gelandet. "Es war mein erster großer Wettkampf. Natürlich ärgern mich die Fehler, aber insgesamt bin ich dennoch nicht unzufrieden", sagte die Schülerin aus Heidelberg.

 Total enttäuschend verlief der Auftritt der erfahrenen Neu-Stuttgarterin Lisa-Katharina Hill, die nach Stürzen am Balken und Sprung mit 51,965 Punkten auf den 16. Platz kam, aber ebenfalls ins Finale des im Jahr nach Olympia weniger stark besetzten Allrounder-Feldes einzog. "Fehler passieren nun mal. Ich ärgere mich sehr, vor allem, weil ich am Barren als Zehnte das Finale so knapp verpasst habe", berichtete die 20-Jährige traurig.

Beste Mehrkämpferin war zum Auftakt der Frauen-Wettbewerbe vor nur rund 1000 Zuschauern die Rumänin Larisa Iordache mit 57,198 Punkten, weil sich die russische Topfavoritin Alija Mustafina, die im Vorjahr in London vier olympische Medaillen gewonnen hatte, beim Balken zwei unfreiwillige Abstiege leistete.

dpa


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