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Robert Harting wurde mit einer Weite von 65,10 Meter WM-Sechster.

Robert Harting wurde mit einer Weite von 65,10 Meter WM-Sechster. © Matt Dunham

Leichtathletik

Diskus-Olympiasieger Harting geht leer aus

Es hat nicht gereicht. Der dreimalige Weltmeister Robert Harting ist bei seinem letzten WM-Auftritt in London nur Sechster geworden. Die Konkurrenz war zu stark für den 32-jährigen Berliner. Vielleicht gelingt ihm noch ein Karriere-Happy-End bei der EM 2018 in Berlin.

London. Diskus-Olympiasieger Robert Harting ist bei der letzten Weltmeisterschaft seiner Karriere leer ausgegangen. Der 32-jährige Berliner wurde am Samstag im Finale von London mit 65,10 Meter nur Sechster.

"WM-Sechster war ich noch nicht, aber es ist okay", meinte er. Harting konnte fünf Jahre nach seinem Olympia-Triumph an der Themse mit der Konkurrenz nicht mithalten: Der Litauer Andrius Gudzius holte sich den WM-Titel mit 69,21 Meter vor Topfavorit Daniel Stahl aus Schweden, der zwei Zentimeter weniger weit warf. Dritter wurde Mason Finley (USA) mit 68,03 Meter.

Trotz des großen Weiten-Unterschieds hatte sich der deutsche Vorzeige-Werfer noch Hoffnung auf Bronze gemacht. "Ganz unmöglich war es nicht, aber ich hatte viele technische Probleme", berichtete Harting, der nur noch einen weiteren gültigen Wurf über 64,75 Meter zustande brachte. Sein jüngerer Bruder Christoph, der 2016 in Rio Olympiasieger wurde und nach dem Scheitern in der nationalen Qualifikation nur auf der Tribüne saß, klatschte bei jedem Wurf von Robert eher zögerlich und gelangweilt. Beide haben eine sehr angespannte Beziehung.

In der Qualifikation flog der Diskus noch "nach Plan" (Harting) und mit dem ersten Wurf auf finaltaugliche 65,32 Meter. Für den dreimaligen Weltmeister von 2013, 2011 und 2009 war dies nicht nur kräftesparend. Es sollte auch ein Signal an die Konkurrenz sein, ihn nach dem schwerem Formaufbau nach einem Kreuzbandriss im Medaillenkampf ernst zu nehmen - und nicht als "Heulsuse" anzusehen.

Schließlich hatte der 2,01 Meter Koloss ja auch noch lange daran zu knabbern, dass er bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro gehandicapt durch einen Hexenschuss in der Vorrunde ausschied und sein Bruder Christoph Gold gewann.

Herausfordernd hatte Robert Harting einen Tag vor dem Auftritt in London auf seinem Twitter-Account eine Fotocollage mit der Aufschrift "Ready for Rumble" veröffentlicht. Darauf sieht man ihn, wie er auf die Porträts der neun Diskuswerfer schaut, die vor der WM in der Weltrangliste vor ihm gelegen haben. Nach der erfolgreichen Ausscheidung twitterte er vielsagend: "Quali, Licht. Bis morgen".

Die souverän gemeisterte Qualifikation und die Atmosphäre im Londoner Olympiastadion, in dem er sich nach dem olympischen Gold-Triumph an der Themse von 2012 wie in seinem Wohnzimmer wohl fühlte, beflügelten ihn zusätzlich. Ebenso das nach einem schwachen Saisondebüt aufgekommene Gefühl, dass nicht wenige den Glauben an seine Leistungsfähigkeit verloren zu haben schienen. "Alle hatten mich da schon abgeschrieben", sagte Harting. "Da drehe ich erst richtig frei, das stachelt mich erst richtig an!"

Am Ende nutzte alles nichts. "Bei solchen Wettkämpfen braucht man totale Kontrolle, das war heute nicht der Fall", bekannte Harting, der nach seinem letzten WM-Start auch "etwas traurig" war. Nun hofft Harting auf ein Happy End bei der EM 2018 in Berlin, wo er seine Abschiedsvorstellung geben will.

dpa


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