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Christopher Froome ist der Dominator der Tour de France 2016.

Christopher Froome ist der Dominator der Tour de France 2016. © Kim Ludbrook

Radsport

Die Froome-Tour: Sprinter, Abfahrer, Kontrolleur

Chris Froome ist einfach zu gut, zu stark, zu dominant. Er überrascht bei der 2016er Auflage der Tour de France auch noch mit bislang ungekannten Qualitäten. "Er ist im Moment der Beste", sagt die belgische Radsport-Legende Eddy Merckx.

Megève. Es stellt sich schon vor der 19. Etappe nur noch die Frage nach Chris Froomes Begleitung links und rechts auf dem Podest in Paris.

Am dritten Gesamtsieg des britischen Rad-Profis bei der Tour de France gibt es praktisch nichts mehr zu rütteln, besonders nach seinem souveränen Auftritt beim Bergzeitfahren. Zu stark ist Froomes Vorstellung mit bisher zuvor eher ungekannten Qualitäten.

FROOME, DER ABFAHRER

Es passiert in den Pyrenäen. Alle machen sich auf eine Froome-Attacke hoch nach Andorra gefasst. Aber was macht Froome? Mit 90 Sachen rast er am Vortag die Abfahrt vom 1569 Meter hohen Peyresourde hinunter. Weit über den Lenker gebeugt, auf dem Mittelrohr seines Rades sitzend. Und dabei tritt er noch. Der Lohn für den waghalsigen Ritt bergab: Etappensieg in Bagnères-de-Luchon und das Gelbe Trikot. "Ich habe zum ersten Mal in meiner Karriere versucht, bergab zu attackieren. Es hat geklappt", stellt Froome fest. "Niemand hat das sicher erwartet. Das war eine Überraschung", meint Froomes Teamchef Dave Brailsford.

FROOME, DER SPRINTER

Wieder hat Froome das Überraschungsmoment auf seiner Seite. Etwa zwölf Kilometer vor dem Ziel in Montpellier tritt der Brite mit an. Er reißt das Feld auseinander, verhindert den eigentlich erwarteten Massenspurt auf der elften Etappe. Den Sieg überlässt Froome Sprint-Experte Peter Sagan. Die Verfolger aber distanziert er weiter. "Das war heute war eine schöne Überraschung für mich, und es war schon super, ein bisschen Zeit rauszuholen", sagt er.

FROOME, DER FUSSGÄNGER

Die schmalen Schultern hängen kurzzeitig, Entsetzen und Verzweiflung stehen Froome ins Gesicht geschrieben. Auf dem Weg hoch auf den legendären Mont Ventoux, auf dem das Ziel wegen zu heftigen Windes nach unten verlegt worden war, erlebt der Brite die vermutlich kuriosesten Minuten seiner Karriere: Auffahrunfall, weil ein TV-Motorrad inmitten der Menschenmassen nicht mehr weiterkommt. Rad kaputt. Froome läuft. Bergauf. Froome bekommt vom neutralen Begleitfahrzeug ein neues Rad, das aber ist viel zu klein. Froome büßt Sekunde um Sekunde ein. Über eine Stunde nach dem dramatischen Finale darf er sich aber wieder das Gelbe Trikot überziehen. Die Jury rechnet ihm die Zeit nicht drauf, die er durch den unverschuldeten Unfall auf den letzten zwei Kilometern verloren hatte. "Der Mont Ventoux ist voller Überraschungen", sagt Froome.

FROOME, DER KONTROLLEUR

Er ist der Kapitän einer für die Konkurrenz übermächtigen Mannschaft. Die zaghaften Attacken der Widersacher kontert Froomes Sky-Team in ebenso beängstigender wie seltener Art. Froome kann sich mitziehen lassen. "Da ist im Moment nicht viel gegen zu unternehmen", sagt Eusebio Unzue einmal, Teamchef von Nairo Quintana, der vor der Tour als härtester Rivale gehandelt wurde. Es wirkt fast, als spiele Froome mit der Konkurrenz. "Ich fühle mich in der dritten Woche besser als im Vorjahr", sagt Froome. Er hat alles im Griff.

FROOME, DER KOMPLETTE

Er siegt im Flachen bei normalen Etappen, er siegt beim Zeitfahren am Berg. Er hat sich beim Spurt verbessert, an seinem Abfahrtsstil gearbeitet und aus einer Schwäche zumindest bei dieser Tour eine weitere Stärke gemacht. "Er ist im Moment der Beste", sagt die belgische Radsport-Legende Eddy Merckx über Froome.

dpa


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