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Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat sich ein Endspiel um den Einzug in die Medaillenrunde gegen Dänemark erspielt.

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat sich ein Endspiel um den Einzug in die Medaillenrunde gegen Dänemark erspielt. © Maciej Kulczynski

Handball

DHB mindestens EM-Sechster - Endspiel ums Halbfinale

Mit Herz und Moral haben die deutschen Handballer bei der EM in Polen ihre Siegesserie fortgesetzt. Nach dem Erfolg gegen Russland haben sie den Halbfinal-Einzug weiter in der eigenen Hand. Kapitän Steffen Weinhold und Torjäger Christian Dissinger sind verletzt.

Breslau. Carsten Lichtlein rannte wie entfesselt zum Spielfeldrand und umarmte stürmisch Bundestrainer Dagur Sigurdsson. Mit dem letzten entschärften Wurf rettete der Torhüter den deutschen Handballern bei der EM in Polen den vierten Sieg in Serie und die Chance aufs Halbfinale.

Im zweiten Hauptrundenspiel bezwang der WM-Siebte in Breslau Russland mit 30:29 (17:16). "Ich habe gedacht, wenn der Isländer sich freut, kann ich mich auch freuen", sagte Lichtlein. Damit kommt es am Mittwoch zum mit Spannung erwarteten Endspiel gegen den Titelanwärter Dänemark um den Einzug in die Medaillenrunde. "Ich bin sehr glücklich über unseren Sieg. Es war ein Kampf bis zur letzten Sekunde", sagte Sigurdsson. Durch den Erfolg ist die deutsche Mannschaft mindestens schon EM-Sechster. "Das ist gigantisch", sagte Delegationsleiter Bob Hanning.

Vor rund 6200 Zuschauern lieferte die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) ein Spiel wie eine Achterbahnfahrt mit vielen Höhen und Tiefen. Beste deutsche Werfer waren Christian Dissinger mit sieben und Erik Schmidt mit sechs Toren. Der WM-Siebte trotzte damit nicht nur dem Gegner, sondern auch einer geheim gehaltenen Grippewelle. "Das haben wir bewusst nicht gesagt", sagte Hanning.

Die Freude über den Sieg wurde jedoch getrübt durch das erneute Verletzungspech. Kapitän Steffen Weinhold und Dissinger zogen sich nach Angaben von Hanning Muskelverletzungen zu und mussten zu weiteren Untersuchungen ins Krankenhaus. "Es sieht bei beiden nicht gut aus. Wir werden auf jeden Fall nachnominieren", sagte Sigurdsson. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden Julius Kühn vom VfL Gummersbach und Kai Häfner von der TSV Hannover-Burgdorf vor der kommenden Partie zur Mannschaft in Breslau stoßen.

Mit dem Startsignal wich zwar die Anspannung im deutschen Handball-Lager, wurde aber durch Unsicherheit abgelöst, die erst nach und nach verschwand. Das DHB-Team agierte zunächst fahrig und in der Abwehr nicht konsequent genug. Nach Fehlwürfen und ungenauen Ballwechseln musste der WM-Siebte einem 4:7-Rückstand (8.) hinterherlaufen. Doch in gewohnter Manier zog sich die deutsche Mannschaft aus diesem Tief. In mühevoller Kleinarbeit holte sie die drei Tore auf und ging beim 11:10 (21.) erstmals in Führung.

Weil die Russen aber vor allem über ihre Kreisspieler gefährlich blieben und zu Toren kamen, konnte sich das deutsche Team nicht absetzen. Immer wieder musste es den Ausgleich hinnehmen, sicherte sich aber eine 17:16-Pausenführung. "Wir haben nicht optimal gespielt und führen trotzdem. Jetzt kommen wir anders aus der Kabine raus und holen uns die zwei Punkte", versprach Torhüter Andreas Wolff zur Pause in der ARD kühn.

Die Kampfansage setzte die deutsche Mannschaft in beeindruckender Weise um. Mit zwei schnellen Toren erhöhten Steffen Fäth und Steffen Weinhold auf 19:16 (33.). Zwar schmolz der Vorsprung in Unterzahl auf 19:18 (36.). Doch mit drei Treffern nacheinander sorgten der wurfgewaltige Christian Dissinger und sein Kieler Club-Kollege Rune Dahmke für das 23:19 (40.) und die erste Vier-Tore-Führung.

Carsten Lichtlein, der in der 23. Minute für Wolff ins Tor gekommen war, bot seine beste EM-Leistung und entschärfte zahlreiche Würfe. Zudem steigerte sich die Abwehr um den 2,10-Meter-Hünen Finn Lemke. Mit dem schönsten Tor des Tages erzielte Kreisläufer Erik Schmidt das 25:20 (44.), indem er unter Bedrängnis artistisch mit einem Rückhandwurf über die Schulter traf. Danach zog aber wieder der Schlendrian beim Torwurf ins deutsche Team ein. Der Vorsprung war beim 26:26 (52.) dahin und das DHB-Team musste bis zum Ende zittern.

dpa


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