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Der Rotsünder geht vom Platz: Frankc Ribéry am Mittwoch beim Spiel gegen Olympique Lyon.

Der Rotsünder geht vom Platz: Frankc Ribéry am Mittwoch beim Spiel gegen Olympique Lyon.© dpa

Rotsünder

Bayern hoffen auf mildes Urteil gegen Ribéry

Bayern München hofft nach der Roten Karte für Franck Ribéry auf ein mildes Urteil. Der Europäische Fußball-Union (UEFA) will allerdings erst nach dem Halbfinal-Rückspiel in der Champions League gegen Olympique Lyon über die Länge der Sperre entscheiden.

Olé Arjen Robben, oje Franck Ribéry - Bayerns Topstars lieferten das irre Kontrastprogramm beim halben Sturmlauf der verschworenen Münchner Siegertypen ins Champions-League-Endspiel. „Wir haben so gespielt, wie eine Final-Mannschaft spielen muss“, schwärmte Bayern-Präsident Uli Hoeneß nach einem Fußball-Abend mit großen Emotionen, gefeierten und gestürzten Helden sowie einem verdienten Verlierer Olympique Lyon. „Ich denke, dass wir wieder ganz Europa gezeigt haben, wie stark wir sind“, erklärte Trainer Louis van Gaal, der beim 1:0-Sieg im Halbfinal-Hinspiel auf sich ständig verändernde Spielsituationen immer wieder optimale Lösungen fand.

Ein fassungsloser und nach starkem Beginn wohl übermotivierter Ribéry sah ausgerechnet nach seinem privaten Rotlicht-Ärger die Rote Karte. Der französische Nationalspieler verpasst damit nicht nur das entscheidende Rückspiel am kommenden Dienstag in Lyon. Er muss auch eine Sperre für das Finale befürchten, zu dem Kunstschütze Robben mit seinem goldenen linken Fuß das Tor öffnete. „Ich will noch nicht von Madrid reden“, wiegelte Matchwinner Robben ab, der in der 69. Minute mit seinem von Thomas Müllers Haarspitzen abgefälschten Distanzschuss das Stadion erbeben ließ. „Wir können noch einen heißen Abend in Lyon erwarten“, warnte Robben nach seinem 20. Tor im 31. Pflichtspiel.

Der 24-Millionen-Euro-Supermann wollte schon in Spiel eins alles klarmachen - aber van Gaal ließ ihn nicht. Wütend stapfte der Holländer nach seiner Auswechslung (85.) vom Rasen und erhielt noch am Spielfeldrand einen Rüffel seines Trainers und Landsmannes („er muss das schlucken“). Der bis zum kahlen Schädel mit Adrenalin vollgepumpte Robben hatte in sich „das Gefühl“ verspürt, „noch ein Tor schießen zu können“ gegen einen Gegner, der sich müde von der langen Busanreise nach München nur noch über den Platz schleppte.

1:0 war vorher das Wunschergebnis von van Gaal gewesen, der nach dem Platzverweis „nicht gedacht hatte, dass wir 1:0 gewinnen würden“. Die 37. Minute, als Ribéry bei seinem schmerzhaften Tritt gegen Lisandro Lopez „zu lang auf dem Fuß des Gegenspielers stand“, wie van Gaal die Szene beschrieb, war ein Schock, den die Bayern aber toll wegsteckten. „Auch mit Zehn gegen Elf waren wir dominant“, sagte van Gaal über die Phase bis zum Feldverweis für Jeremy Toulalan (54.), der sich binnen drei Minuten zwei Gelbe Karten einhandelte. „Das Spiel hätte einen anderen Verlauf nehmen können, wenn wir in Überzahl geblieben werden“, haderte Olympique-Coach Claude Puel mit Tölpel Toulalan. „Es wird schwer, das 0:1 umzubiegen“, stöhnte Puel.

Zumal die Bayern bei ihren „Triple-Schritten“ zu drei Trophäen (Meisterschale, DFB-Pokal, Champions League) scheinbar nicht zu aufzuhalten sind. „Wir haben eine Mannschaft mit einem starken Charakter. Alle mussten nach der Roten Karte noch 20 Prozent mehr geben“, bemerkte Robben. Das Team könne „Berge versetzen“, jauchzte Hoeneß: „Ich bewundere die wahnsinnige Energieleistung. Man kann stolz sein auf diese Mannschaft. Was sie leistet seit Wochen, ist überragend.“

Unbeugsam bis zum 22. Mai, so lautet das Ziel - unabhängig von Einzelschicksalen, auch dem von Ribéry. Bis zum Tag nach dem Halbfinal-Rückspiel muss der Franzose, der nach der Roten Karte den heißen Tanz auf dem Rasen traurig vor einem Fernseher in der Kabine verfolgte, auf das Urteil der UEFA warten. „Ich hoffe für Bayern und Franck, dass er nur für ein Spiel gesperrt wird“, sagte van Gaal.

Hart war die Entscheidung von Schiedsrichter Roberto Rosetti (Italien) gewesen, irgendwo zwischen dunkelgelb und hellrot, aber vertretbar. „Ich muss ehrlich sagen, ich kann damit leben. Auch Franck und ich kriegen manchmal viele Fouls. Und da ist man auch froh, wenn ein Schiedsrichter einen schützt“, meinte Robben.

Kritisieren mochte Ribéry niemand. „Bayern München ist eine große Familie und bei großen Familien hält man zusammen“, verkündete Chef Karl-Heinz Rummenigge. Nur für Vertragsgespräche mit Ribéry sei nun nicht der „geeignetste Zeitpunkt“, dafür brauche man „Ruhe und Gelassenheit“. Die gibt’s vielleicht bis zum 22. Mai nicht. Immerhin kann Ribéry den Bayern beim Endspurt zum 22. Meistertitel helfen. Sonnabend, 15.30 Uhr, Mönchengladbach, lautet der nächste Auftrag. „Jeder muss wissen: Wenn wir in Gladbach gewinnen, sind wir zu 99 Prozent an der Schale“, verkündete Nationalstürmer Mario Gomez.

dpa


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