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Britische Medien erheben schwere Vorwürfe gegenüber Sebastian Coe.

Britische Medien erheben schwere Vorwürfe gegenüber Sebastian Coe. © Olivier Anrigo

Leichtathletik

BBC erhebt Vorwürfe gegen IAAF-Präsident Coe

Vor der Entscheidung über einen Olympia-Ausschluss der russischen Leichtathleten ist Weltverbandspräsident Sebastian Coe in Bedrängnis geraten. Die BBC berichtete, dass dem Briten bei der Wahl zum IAAF-Chef der von Interpol gesuchte Papa Massata Diack geholfen hat.

Wien. Einen Tag vor der historischen Entscheidung des Weltverbandes IAAF über einen möglichen Olympia-Ausschluss der russischen Leichtathleten sind in der britischen Sendung "BBC Panorama" schwere Vorwürfe gegen den IAAF-Präsidenten Sebastian Coe erhoben worden.

Wie der TV-Sender am Donnerstag berichtete, soll der Olympiasieger von 1980 und 1984 bei der Präsidentenwahl im August 2015 die Hilfe des von Interpol wegen Korruption gesuchten Papa Massata Diack in Anspruch genommen haben. In einer IAAF-Stellungnahme wurden die Vorwürfe zurückgewiesen.

Der Sohn des in Frankreich wegen Amtsmissbrauchs und Geldwäsche angeklagten Vorgängers Lamine Diack habe Coe vor allem Stimmen von afrikanischen Ländern beschafft, berichtete die BBC und präsentierte als Beleg dafür E-Mails. "Unterstützung von Afrika bestätigt (24/30)! Viel Glück", schrieb Papa Diack an den Coe-Vertrauten und früheren IAAF-Sprecher Nick Davies, der vor kurzem für 180 Tage suspendiert wurde.

Der 59-jährige Coe wurde im August 2015 auf dem IAAF-Kongress in Peking mit 115:92-Stimmen zum Nachfolger von Diack gewählt. Gegenkandidat des Briten war der frühere Stabhochsprung-Weltrekordler Sergej Bubka (Ukraine).

"Die Unterstellung, dass Seb Coe aktiv den Rat von Papa Massata Diack für seine Kampagne gesucht hat, ist falsch", hieß es in der IAAF-Erklärung. "Wie bei jeder Kampagne bieten eine Menge Leute Beratung an - ob man es will oder nicht. Manche sind hilfreich, andere nicht." Man müsse dabei höflich, aber vorsichtig sein. Dies sei im Fall von Herrn Diack der Fall gewesen.

Außerdem beschuldigt die BBC Coe der Untätigkeit und frühen Mitwisserschaft im Doping- und Betrugsfall der russischen Marathonläuferin Lilia Schobuchowa. Coe soll schon vier Monate vor dem Bekanntwerden durch eine ARD-Dokumentation detaillierte Informationen darüber per Mail erhalten haben. In dem Mail-Anhang sei genau beschrieben worden, wie der Agent der Läuferin 450 000 Euro an Offizielle der IAAF und Russland zur Vertuschung einer positiven Blutprobe zahlte. Damit wollte Schobuchowa ihren Start bei den Olympischen Spielen 2012 in London sichern.

"Seb Coe hat eine Reihe von E-Mails mit Behauptungen über Korruption und besorgniserregendes Verhalten von einzelnen Personen erhalten", heißt es dazu in der IAAF-Erklärung. Alle diese Informationen seien an die Ethik-Kommission weitergeleitet worden, die für die Untersuchung solcher Vorwürfe zuständig sei. Einen den Fall Schobuchowa betreffenden E-Mail-Anhang habe Coe nicht geöffnet. "Er hatte nicht das Gefühl, dass es notwendig war, den Anhang zu lesen."

Die Anschuldigungen gegen den IAAF-Präsidenten sorgen für große Unruhe vor der historischen Entscheidung des Weltverbandes über eine Aufhebung oder Verlängerung der Suspendierung gegen Russland am Freitag in Wien. Das IAAF-Council muss urteilen, ob nach dem bewiesenen systematischen Doping eine Olympia-Teilnahme der russischen Leichtathleten im August möglich ist. Grundlage für die Entscheidung ist der Bericht und der Vorschlag der IAAF-Taskforce, die die Reformfortschritte seit der Sperre am 13. November 2015 überwacht hat. Verkündet wird das Urteil am Freitag um 17.00 Uhr.

dpa


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