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Manfred Amerell auf dem Weg ins Gericht.© dpa

Schiedsrichter-Skandal

Amerell greift Zwanziger an

Manfred Amerell hat seine Angriffe auf Theo Zwanziger verschärft und dem DFB-Chef mit markigen Worten erneut einseitige Aufklärung im Schiedsrichter-Skandal vorgeworfen.

Frankfurt/Main. „Das ist die größte menschliche Enttäuschung meines Lebens, dass ein Präsident mit so viel Erfahrung rücksichtslos über Leichen geht“, sagte Amerell dem Magazin „Sportbild“ (Mittwoch). „Fürsorgepflicht hat er auch gegenüber denen, die Fehler machen. Das hat er außer Acht gelassen“, ergänzte der ehemalige Bundesliga-Referee Amerell, dem mehrere Unparteiische sexuelle Nötigung vorwerfen. Das frühere Mitglied im Schiedsrichter-Ausschuss des DFB hat dies stets bestritten.

Zwanziger und der als Kronzeuge aufgetretene Schiedsrichter Michael Kempter, der den Fall Amerell ins Rollen gebracht hatte, haben sich derweil einen Maulkorb verpasst. DFB-Boss Zwanziger, wegen seiner Informationspolitik in dieser Affäre immer mehr in Erklärungsnot geraten, will sich bis zur turnusmäßigen Präsidiumssitzung in der Frankfurter DFB-Zentrale am Freitag nicht mehr äußern. Vorher sei auch keine Anhörung Kempters vor dem DFB- Kontrollausschuss geplant, bestätigte ein DFB-Sprecher. Am Mittwoch zitierte die „Bild“ den 27 Jahre alten Referee Kempter so: „Von meiner Seite ist alles gesagt. Ich werde mich zu dem Thema nicht mehr äußern.“

Das Gremium des DFB-Sportgerichts prüft derweil weiter, ob eine von Amerell öffentlich gemachte Mail zum Thema FC Bayern - wie der 63-Jährige behauptet - wirklich von dem zur Zeit nicht eingesetzten Bundesliga-Schiedsrichter Kempter stammt. In der von Amerell veröffentlichten Mail heißt es: „Gleich spielen die Bayern. Hoffentlich fliegen sie raus. Dann können wir darauf anstoßen.“

Am Freitag wird auf der Präsidiumssitzung in Frankfurt/Main zudem entschieden, ob vor dem für Oktober angesetzten DFB-Bundestag noch ein Außerordentlicher Bundestag für Ende April einberufen werden soll. Angeblich ist auch geplant, dass der designierte Schiedsrichter-Ausschussvorsitzende Herbert Fandel als Nachfolger des ebenfalls in die Kritik geratenen Volker Roth neue Konzepte für das Schiedsrichterwesen vorstellt.

Die Spekulationen über eine möglichen vorzeitigen Rücktritt des 68 Jahre alten Roth wurden in der „Süddeutschen Zeitung“ (Mittwoch) entkräftet. Roth denke nicht daran, zurückzutreten, berichtete der Vorsitzende des Niedersächsischen Fußball-Verbandes (NFV), Karl Rothermund, in der Zeitung von einem Gespräch mit Roth. Dieser sei sich keiner Schuld bewusst und habe alles „nach bestem Wissen und Gewissen gemacht“. Roth soll an Weihnachten 2009 von Kempter als Erster über die angeblichen sexuellen Belästigungen durch Amerell unterrichtet worden sein. Diese Informationen soll Roth allerdings erst Wochen später an Zwanziger weitergeleitet haben.dpa


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