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Dcht gedrängtes Läuferfeld: 1993 sorgten etwa 4300 Teilnehmer für eine Beteiligung auf der klassischen Laufdistanz, die bis heute nicht wieder erreicht wurde.

Dcht gedrängtes Läuferfeld: 1993 sorgten etwa 4300 Teilnehmer für eine Beteiligung auf der klassischen Laufdistanz, die bis heute nicht wieder erreicht wurde. © Ulrich zur Nieden

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Rückblick

20 Jahre Hannover-Marathon - Wie alles begann

Von einer Marketing-Idee zum Renner: Der Hannover-Marathon wird in diesem Jahr 20 Jahre alt: Im ersten Teil unserer Serie erinnert sich Organisator Karl Ochs wie alles begann.

Eine andere Sportwelt lässt grüßen – obwohl diese Begebenheit erst 19 Jahre zurückliegt. „Damals sind wir überrannt worden von Anmeldungen aus Osteuropa und den ,neuen‘ Bundesländern“, erzählt Karl Ochs, der Organisator der Marathon-Premiere 1991 in Hannover. „Wir haben Turnhallen gemietet, um allen eine erschwingliche Unterkunft bieten zu können.“ Das Verschwinden des „Eisernen Vorhangs“ brachte dem Lauf einen Schwung, der in der Landeshauptstadt große Träume reifen ließ. „3500 Starter waren es damals“, sagt Ochs. „Wir waren der Aufsteiger unter den Läufen, auf dem Weg in die Top vier hinter Berlin, Hamburg und Frankfurt. Und wir hatten die schnellste Strecke in Deutschland.“ Dieses Attribut habe Waldemar Cierpinski aus Halle/Saale, Marathon-Olympiasieger 1976 und 1980, geprägt, sagt Ochs. „Ein absoluter Fachmann.“

Ochs setzte mit der Marathon-Ausrichtung eine alte Forderung diverser Stadtmarketing-Konzepte um: Hannover braucht einen Citylauf, um bundesweit bekannter zu werden. Und der damalige Lehrer an der hannoverschen Goetheschule und Zehnkampftrainer beim LC in Hannover wagte sich auf das für ihn unbekannte Langlauf-Terrain, weil er seinen LC zu einem breit aufgestellten Leichtathletik-Verein formen wollte. Dazu kam ihm das Angebot des hannoverschen Langstreckentrainers Günter Gordziel gelegen, mit seinen Athleten zum LC zu wechseln, wenn Ochs „einen Citylauf“ ausrichtet.

Gesagt, getan. 1985 fand der erste Citylauf in Hannover statt, Start und Ziel Ecke Bahnhof-/Georgstraße mit den Distanzen fünf, zehn und 20 Kilometer. Wenig später folgte die Verlegung des Endpunktes zum Opernplatz, der Gewinn der Warenhausgruppe „real“ als Namenssponsor und die Aufstockung der längsten Laufstrecke auf Halbmarathondistanz (21,1 Kilometer). „Noch 1991 haben wir den ,real‘-Lauf und den ersten Stadtmarathon binnen drei Wochen ausgerichtet“, sagt Ochs noch heute stolz über sein Helferteam, das er im Wesentlichen aus dem LC und anderen Regionsvereinen rekrutierte.

Die organisatorische Hauptlast indes lag in den Anfangsjahren des Hannover-Marathons auf Ochs und seiner Frau, die „mit einer Vorkriegs-Schreibmaschine“ den gesamten Schriftverkehr von der Anmeldung bis zum Versand der Ergebnisse regelten. Schnell war absehbar, dass die Ausrichtung einer solchen Großveranstaltung ein einzelnes Ehepaar überfordern würde. „Meiner Frau wurde das zu viel, auch gesundheitlich“, erzählt Ochs. Kein Wunder, dass die Ehe zerbrach und er 1995 als Sportlicher Leiter zurücktrat; diesen Schritt beförderten Streitigkeiten um die Marathon-Finanzen.

Nach Ochs folgte eine Periode des Stadtmarathons, die nie hätte vermuten lassen, dass dieses Rennen am 2. Mai 2010 die 20. Auflage in Hannover erlebt. Jährlich wechselnde Organisationsteams, die Verlagerung von Start und Ziel aus der City zum HCC, diverse Organisationspannen mit falsch vermessenen Strecken und ein tragischer Todesfall 1999 brachten das Rennen in schweres Wetter. Erst nach der Jahrtausendwende setzte ein Wiederaufschwung ein, auch weil in der Organisation Beständigkeit eingekehrt ist. Seit 2001 sind der Niedersächsische Leichtathletik-Verband und die Agentur „Eichels:event“ federführend beim Stadtmarathon.

Ochs überrascht das neue Hoch nicht. „Der Hannoveraner braucht zehn bis zwölf Jahre, um sich an Neues zu gewöhnen, das gilt auch für den Marathon“, sagt der heute 72-Jährige, der immer noch dem Sport verbunden ist als Leiter einer Leichtathletik-AG in der Goetheschule und als aktiver Sportler beim MTV Herrenhausen. „Ich freue mich für die jetzigen Veranstalter, dass sie nicht mehr die Kämpfe mit der Stadtverwaltung ausfechten müssen, die wir vor jeder Laufgenehmigung hatten.“ Und auf eine Zahl ist Ochs, der hemdsärmelige Amateur, heute immer noch stolz: „Wir hatten bei den deutschen Meisterschaften 1993 rund 4300 Starter auf der Marathondistanz, das ist bis heute in Hannover unerreicht.“


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