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Rollstuhl-Weitsprung

Zinke will den Weltrekord brechen

Weltrekord-Versuch im Rollstuhl-Weitsprung. Detlef Zinke vom RSG Hannover, seit einem Verkehrsunfall gelähmt,  versucht am Maschsee die Marke von 1,40 Meter zu übertreffem.

VON SIMON LANGE
Detlef Zinke ist nervös. Verständlich. Wagt er doch einen tollkühnen Sprung in den Maschsee. In seinem Rollstuhl. Zinke ist ab der Hüfte abwärts seit einem Verkehrsunfall 1992 gelähmt. Den Spaß am Leben hat er trotzdem nicht verloren. Im Gegenteil. Und ein bisschen Nervenkitzel hin- und wieder gehört auch dazu.
Der Vereins-Vorsitzende der RSG Hannover will nichts weniger als den inoffiziellen Weltrekord im Rollstuhl-Weitsprung. Der liegt bei 1,40 Meter. Zinke peilt optimistisch 1,80 Meter an.„Geübt habe ich im Stadionbad, die haben mich da für verrückt erklärt. Im positiven Sinne“, sagt Zinke und lacht für einen Augenblick. Dann konzentriert er sich – und startet seinen Rekord-Versuch. Der 57-Jährige trägt einen „Shorty“, so warm ist der See dann doch nicht. Zinke sitzt nicht festgeschnallt in seinem Stuhl. Im Moment des Absprungs will er sich von ihm trennen.
Er nimmt etwa zehn Meter Anlauf. Wenn das mal reicht... Nur langsam kommt der Stuhl auf dem Steg vorm Klubhaus am See ins Rollen. Links des Stegs hält ein RSG-Mitglied eine lange Papprolle ins Wasser, als gedachte Rekordmarke. Doch Zinke kommt nicht soweit, wie erhofft. Beim Verlassen der Stegkante lässt der den Stuhl los, drückt sich ab. Das Gefährt gluckert sofort unter. Zinke platscht nur wenig weiter in den Karpfen-Teich. Schnell sind Helfer da, um ihn aus dem Wasser zu ziehen. Alles gut. Und der Rollstuhl war durch eine Schnur gesichert, auch er kommt heil aus dem See.
Wieder an Land sieht Zinke sofort ein: „Rekord wohl nicht erreicht, das muss man so sagen. Ich hatte mir mehr erhofft“, sagt der Held des Tages. Und ja, „die Angst hat schon eine Rolle gespielt“. Man einigt sich auf eine Weite von einem Meter. Zinke nimmts sportlich. Er will es irgendwann nochmal probieren, denn er wird nicht müde, der Welt zu zeigen: „Handicap ist kein Handicap. Alles ist möglich.“ Von den Umstehenden gibts Applaus für seinen Wagemut. Eine Leistung, die Respekt verdient.
Rund 400 Besucher waren am Sonntag zum „Allympics-Wassersport-Festival“ der RSG gekommen,  bei verschiedene Wassersportarten für Menschen mit und ohne Behinderung präsentiert wurden. Kooperations-Partner: die Wasserballer der White-Sharks. „Die Veranstaltung war ein voller Erfolg“, so Zinke – trotz des missglückten Rekordversuchs.


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