Navigation:
In Niedersachsen herrscht Schiedsrichtermangel.

In Niedersachsen herrscht Schiedsrichtermangel. © Soeren Stache/Symbol

Fußball

Niedersachsen: Mehr Schiedsrichter sind immer noch zu wenig

Schiedsrichter haben es nicht leicht. Ein Fußballspiel mit 22 Spielern zu leiten, das bedeutet eine "große Herausforderung", wie der Vorsitzende des Schiedsrichter-Ausschusses Niedersachsen, Bernd Domurat, betont.

Hannover. Das Interesse an der Ausübung nehme zwar zu, dennoch gebe es einen Schiedsrichtermangel: "Es ist in unseren 43 Sportkreisen aufgrund der aktuellen Schiedsrichterzahlen nicht möglich, alle Spiele in den Amateurklassen zu besetzen." Das hat Gründe.

"Wir gewinnen zwar viele neue Nachwuchskräfte dazu", sagt Domurat. "Allerdings springen davon auch eine Vielzahl in der ersten Zeit wieder ab." Weil am Ende einer Partie oftmals der Unmut bleibt. Bei Spielern, bei überehrgeizigen Trainern und Eltern, bei Fans. Gegenüber dem Schiedsrichter, der einsamsten Person auf dem Platz.

Unparteiische machen Fehler, das gehört dazu. Bei einem jungen Schiedsrichter, ohne Erfahrung, ist die Fehlerquote höher. Der Lerneffekt aber auch. Doch dieser Prozess wird dem Nachwuchs nicht immer eingeräumt. "Selbst bei den Kleinsten wird manchmal schon der perfekte Schiedsrichter erwartet, aber den kann es natürlich nicht geben", sagt der 56 Jahre alte Domurat, "da wünscht man sich mehr Verständnis und Toleranz."

Christian Scheper vom SV Emstek ist seit elf Jahren Schiedsrichter. Auch er weiß als Ausbilder im Kreis Cloppenburg um die Probleme beim Einstieg: "Wenn die Emotionen hochkochen, ist es manchmal schwer für einen 14-Jährigen, diese auch zu verarbeiten." Deswegen werden den Nachwuchskräften erfahrene Schiedsrichter zur Seite gestellt. "Und irgendwann wächst man dann mit seinen Aufgaben von alleine", ermutigt er den Nachwuchs. Mittlerweile pfeift er in der Regionalliga.

Schiedsrichter sind wichtig und sogar unverzichtbar für den Fußball. Trotzdem gibt es immer wieder Berichte von tätlichen Übergriffen auf Unparteiische. Vorfälle, bei denen die Polizei anrücken muss. Im Kreis Celle hatte es deswegen im vergangenen August sogar einen Boykott der Schiedsrichter gegeben, von der Kreisliga bis zur 4. Kreisklasse. "Das sind natürlich Gründe, warum wir Schiedsrichter verlieren", sagt Domurat. Nur: Wie wirbt man da noch für dieses Amt?

Neben dem "Spaß, den dieser Job mit sich bringt", laufen in allen Landesverbänden des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) seit zwei Jahren zahlreiche Schiedsrichter-Werbekampagnen. Sie sollen das Amt attraktiv machen und Anreize schaffen.

Regelmäßig werden Ausflüge zu Bundesligaspielen organisiert. Die Schiedsrichter werden mit Trainingsanzügen eingekleidet. Und auf Bezirks- und Verbandsebene sollen Austauschprogramme mit Frankreich, Polen und den Niederlanden das "Erlebnis Schiedsrichter" besser vermitteln.

Die Maßnahmen fruchten. "Es gab in den vergangenen eineinhalb Jahren in Niedersachsen einen Zuwachs von 1000 bis 1200 Schiedsrichtern, das ist eine deutliche Steigerung. Und es rücken in jedem Fall mehr neue Schiedsrichter nach, als aufhören", teilt Domurat mit. Auch im Kreis Cloppenburg müssen sie die Zahl der Auszubildenden bei 40 deckeln, erklärt Scheper. Andrang gebe es genug, trotz des demografischen Wandels.

Auch die Vereine würden deutlich mehr Initiative für einen reibungslosen Ablauf im Zusammenspiel mit den Schiedsrichtern zeigen, betont Domurat. Ein Aussterben der Gattung müsse man jedenfalls nicht befürchten: "Bislang ist es uns immer noch gelungen, den Bestand der Schiedsrichter zu erhalten oder wiederherzustellen."

dpa


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Anzeige