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Sport

Helge Wilkens: Surflegende sagt Servus

Surfass Helge Wilkens (44) hört nach 25 Jahren Regattasport auf. Zu Beginn seiner Karriere gewann der Hannoveraner 1992 den Amateur-World-Cup auf Barbados, später wurde er Vize-Europameister und deutscher Meister, 2004 und 2013 gewann er die deutsche Rangliste. In den letzten 15 Jahren surfte er da immer unter die ersten drei.

Hannover. Helge Wilkens, am vergangenen Wochenende haben Sie Ihre Surfkarriere beendet. Wie kam es zu diesem Entschluss?

Das war schon im Mai, am Anfang der Saison. Auf Sylt war eine Eiseskälte. Da habe ich mich gefragt: Warum mache ich das hier eigentlich noch? Die Ergebnisse waren auch nicht so gut. Ich hatte einfach schon keinen Bock mehr, wenn ich losgefahren bin zu einer Regatta. Meine Bedingung vor der Saison war, dass ich nur weitermache, wenn ich unter die ersten drei komme. Ich bin Sechster geworden.

Waren Sie noch fit genug?

Das schon. Aber eben nicht mehr so motiviert. Was sollte ich noch erreichen? Die Konkurrenz hat einfach mehr Zeit fürs Training. Die meisten wohnen am Meer, haben immer beste Bedingungen.

Stolz können Sie trotzdem sein auf Ihre Karriere.

Absolut. Diese Karriere hätte ich mir nie erträumt, als ich angefangen habe.

Wie war Ihr Abschied? Sind Tränen geflossen?

Wir waren im angesagten Kieler Club „Die Villa“. Ich habe etliche Pullen Wodka springen lassen. Wir haben bis vier Uhr morgens gefeiert. Die Kollegen haben mich immer wieder hochleben lassen und auf Händen getragen. Am Ende ist es sogar in Breakdance ausgeartet, obwohl ich es nicht kann (lacht). Vorher bei der Siegerehrung habe ich noch einen Pokal bekommen, mit dem Aufdruck „Legende“. Ich musste mich schon zusammenreißen, um gegen die Tränen zu kämpfen. Ich habe zum Glück Sonnenbrille getragen.

Und jetzt fallen Sie in ein großes Loch?

Überhaupt nicht. Ich werde weiter viel windsurfen, nur nicht mehr um Plastiktonnen fahren (lacht). Ich werde viel in Dänemark surfen, da herrschen Super-Bedingungen. Ich werde nur noch fahren, wenn es Wind hat. Und nicht weil gerade ein Termin ist. Das ist schon ein Unterschied. Auch auf dem Steinhuder Meer wird man mich weiter sehen. Meine Frau Martina freut sich, dass ich jetzt kürzertrete. Sie war nie so wirklich angetan, wenn ich oft weit und lange weg war. Ich habe jetzt einfach mehr Zeit für die Familie, meine Frau und unsere zwei Kinder.

Ihr Geld verdienen Sie weiter als Schornsteinfegermeister?

Ja, klar. Seit fünf Jahren bin ich bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger in Garbsen.

Ist eigentlich ein Talent in Sicht aus Hannover und der Region? Oder müssen wir 30 Jahre auf den nächsten Wilkens warte?

Puuh. Nicht wirklich. Tim Wunderlich ist eigentlich ein Talent. Aber er hat bisher nicht so richtig was draus gemacht. Er müsste mal angreifen.

Freuen Sie sich schon auf die Leinewelle, die bald kommen soll?

Auf jeden Fall. Ich war ja einer der ersten Botschafter. Ich war damals gerade im Baumarkt unterwegs, als mich der Initiator Heiko Heybey anrief und mir von seiner Idee erzählte. Ich bin ja eigentlich Windsurfer, also immer mit Segel. Aber die Leinewelle werde ich ganz sicher auch ausprobieren.

Gabs eigentlich mal richtig gefährliche Momente auf dem Brett?

Es gab mal ein Erlebnis vor Auckland. Da bin ich in eine Riesenwelle geraten, die mir komplett das Segel zerfetzt hat. Ich habe mich aufs Brett gelegt und wollte ans Ufer zurück, wurde aber rausgetrieben an die Steilküste einer Insel, wo die Wellen förmlich explodiert sind. Da habe ich schon gedacht: Das kann jetzt ganz dumm laufen für dich. Irgendwie konnte ich mich dann in eine Lagune retten. Man verliert ja manchmal den Respekt vor dem Meer und vor den Gefahren. Da habe ich ihn wiedergewonnen.


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