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Neue Bult

Hannover: Iquitos ist "Galopper des Jahres"

Schüchtern ist anders: Iquitos liebt es, im Stall auf Kuschelkurs zu gehen. Der Super-Galopper beschnuppert jeden Gast. Auch beim NP-Besuch kennt er keine Zurückhaltung. Liebevoll, nicht aufdringlich. Der erfolgreiche Hengst ist die Aufmerksamkeit gewohnt – und er ge­nießt sie in vollen Zügen. Seine Box-Tür war ohnehin schon ordentlich zugetackert mit Auszeichnungen. Gestern Vormittag schraubte Trainer Hans-Jürgen Gröschel die wichtigste an das Holz: „Galopper des Jahres 2016“.

Hannover. Bei der Ehrung am Ostermontag beim Heimspiel auf der Bult war Iquitos ungeduldig geworden. Er dachte, ein Rennen stünde an, als er von Pflegerin Simone Harnischmacher aus dem Stall ge­führt und im Absattelring dem Publikum gezeigt wurde. Von der Parade irgendwann gelangweilt, zog es Iquitos zurück in den Stall. Das gemeinsame Erinnerungsfoto mit Trainer Gröschel, Besitzern und Züchtern fiel aus.

Gestern im Stall beim Besuch der NP war Iquitos ganz entspannt, 1000 Meter war er am Morgen im Training schon gelaufen. Gröschel hatte eine unruhige Nacht hinter sich. „Ich schlafe nie gut während der Saison, da gehen mir zu viele Sachen durch den Kopf“, sagt der 73-Jährige. Am Vorabend war er mit den Besitzern im Restaurant essen gewesen. Anstoßen auf die große Auszeichnung. Zu Hause gönnte er sich noch seine allabendliche Leibspeise: in Olivenöl eingelegte Artischockenherzen. „Die sind für mich wie Äpfel und Möhren für die Pferde – mein Lebenselexier“, verrät Gröschel. Und weil er auch abseits der Nahrungsaufnahme genau weiß, was ihm guttut und Kraft gibt, ist er wie Iquitos im Stall ständig auf Kuschelkurs. Am liebsten krault er die Katzen: „Die sind mein Ruhepol.“

Es sind aufregende Zeiten für den Altmeister im Herbst seiner Karriere. Dass er das Wunderpferd Iquitos überhaupt trainieren darf, hat er seinem Bruder Ecki zu verdanken. Der hatte auf einer Weihnachtsfeier 2013 Gröschel und dem Besitzerteam vom Stall Mulligan aus Köln den Tipp gegeben, sich diesen kleinen Iquitos vom Ge­stüt Evershorst aus Langenhagen zu schnappen. Als Ersatz für ein Pferd, das es aufgrund einer Verletzung nicht mehr brachte. Was für ein Glücksgriff! „Da konnte ja keiner ahnen, dass mal so ein Millionenpferd aus ihm wird“, sagt Gröschel.

2015 wäre Iquitos wegen einer Darmverschlingung beinahe gestorben. Nach  Not-OP und  behutsamem Trainingsaufbau gab er 2016 dann Vollgas. Sportliche Höhepunkte: Sieg beim Großen Preis von Baden,  Ge­winn der Champions League, Start beim Japan-Cup. Dort gab es im November schon die ersten Kaufanfragen von Besitzern aus Australien. Sie blitzten aber ab. Iquitos soll die Galopp-Welt von der Heimat Langenhagen aus er­obern.

Nach dem Saisonauftakt am 27. Mai beim Großen Preis der Badischen Wirtschaft sind maximal zwei weitere Starts in Deutschland geplant, darunter er­neut beim Großen Preis von Baden. Wenn alles gut läuft, könnte er dann beim Prix de L’Arc de Triomphe in Paris starten, dem wichtigsten Rennen der Welt. Gröschel: „Das wäre eine Traum.“ Und danach könne man dann auch über einen Verkauf nachdenken ... 

von Simon Lange


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