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Reinhard Grindel (M.) überreicht Blumen an Reinhard Rauball (l.) und Rainer Koch.

Reinhard Grindel (M.) überreicht Blumen an Reinhard Rauball (l.) und Rainer Koch. © Arne Dedert

Fußball

Grindel ein Mann für traditionelle Werte

Reinhard Grindel ist ein konservativer Mensch. Das wird man auch beim DFB spüren. Seine erste Sorge nach der Wahl zum Chef des Deutschen Fußball-Bundes gilt der Blumenfrage für die Damen.

Frankfurt/Main. Nach seiner Wahl zum DFB-Chef blieb sich Reinhard Grindel treu. Als Mensch, der traditionelle Werte schätzt, versprach er noch auf dem Präsidiumspodium, dass es für jede Frau der gewählten Fußball-Funktionäre einen Blumenstrauß gebe. So hatte der neue starke Mann beim Deutschen Fußball-Bund die Lacher der Delegierten auf seiner Seite. Das wird in Zukunft nicht immer so sein. Grindel eilt aus seiner Zeit als CDU-Bundestagsabgeordneter aber auch als Journalist in Berlin und Brüssel der Ruf voraus, in Personalfragen mal einen harten Kurs zu fahren. Er selbst nimmt für sich in Anspruch immer an der Sache orientiert zu sein.

Das ihm attestierte Defizit an Fußballstallgeruch, versuchte der 54-Jährige beim außerordentlichen Wahlkongress mit Hilfe von Uwe Seeler zu kaschieren. Betont launig berichtete er, wie er sich einst als Junge in Hamburg Autogramme von seinem Idol geholt hatte - und pries den Ehrenspielführer im Saal als immer noch aktuelles Vorbild für moderne Werte. "Der bewegendste Moment war schon für mich, dass Uwe Seeler sehr herzlich und freundlich gratuliert hat", berichtete Grindel anschließend bei der Pressekonferenz.

Er ist Quereinsteiger in die Fußballwelt. An wichtigen Punkten kreuzt sich die Lebenslinie des CDU-Politikers aus der Lüneburger Heide ausgerechnet mit der des in den USA angeklagten früheren FIFA-Vize Jack Warner. Als das Team aus Trinidad und Tobago zur WM 2006 nach Deutschland kam, bezog es Quartier in Grindels Wahlkreisstadt Rotenburg an der Wümme.

Niedersachsens Fußballverbandschef Karl Rothmund wurde so auf den in der Fußballwelt noch völlig unbekannten Lokalpolitiker mit Sitz im Bundestag aufmerksam. Gut neun Jahre nach dem Sommermärchen wurde der anrüchige Vertrag zwischen OK-Chef Franz Beckenbauer und eben jenem Warner kurz vor der WM-Vergabe bekannt, was letztlich Wolfgang Niersbach im November 2015 zum Rücktritt als DFB-Chef zwang und den Weg frei machte für Grindel.

Probleme mit den Augen zwangen Grindel, seine aktiven Fußballversuche schon zu Jugendzeiten zu beenden. Andere Karrierepläne wurden zielstrebig verfolgt. Das 1. Juristische Staatsexamen legte Grindel 1988 mit Prädikat ab. Im Anwaltsbüro des späteren Hamburger Bürgermeisters Ole von Beust arbeitete der Student Grindel als Hilfskraft. Drähte in die Politik legte der heutige Duz-Kollege von Kanzlerin Angela Merkel früh.

Vor der Politik kam der Journalismus - bei Sat.1 und dann beim ZDF, für das Grindel die Büros in Berlin und Brüssel leitete. In Berlin gehört Grindel zum konservativen Flügel der Union. Die Möglichkeit, wichtige Gesetze mitzugestalten, werde ihm künftig am meisten fehlen, gesteht er.

dpa


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