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Sieger: André Greipel.

Radsport

Greipel siegt bei neuer Langer Nacht von Hannover

Perfektes Comeback für die „Nacht von Hannover“! 25 000 Fans an der Strecke auf dem Friedrichswall vor dem Neuen Rathaus feierten nach fünf Jahren Pause das fast vierstündige Radspektakel.

Hannover. Das Eliterennen, Höhepunkt des spektakulären Abends, gewann Tour-Star André Greipel um 22.45 Uhr im Sprint. Er hatte am Sonntag auch auf der letzten Etappe der Tour de France auf den Champs Élysées in Paris triumphiert. Marcel Kittel, der zweite deutsche Tour-Star, wurde Zweiter – er hatte zuvor das Derny-Rennen mit Motorrad-Assistenz gewonnen. Hannovers Fans waren begeistert.

Leider mussten Hannovers Toptalente, die Junioren-Weltmeister Leo Appelt und Jonas Bokeloh, passen. Appelt hatte sich vor einer Woche bei einem Trainingsunfall verletzt (NP berichtete), Bokeloh musste wegen einer Magengeschichte kurzfristig absagen.
Die Fans genossen es trotzdem. Egal ob für ein Picknick, fürs Zuschauen, fürs Anfeuern. So wie Katharina Gambal, die mit drei Freunden aus Peine angereist war: „Ich wollte immer schon mal zur Tour de France, jetzt habe ich sie hier.“

Der Top-Radsport in Hannover: zwei lange Geraden, zwei 180-Grad-Kurven auf dem Friedrichswall. Bei den Nachwuchsfahrern fuhren Tim Neffgen (U 15, RSV Düren) und Moritz Plambeck (U 17, Harburger RC) ganz nach vorne. Die ersten bekannten Tour-de-France-Fahrer starteten im Anschluss beim Ausscheidungsrennen in ihre „Nacht von Hannover“: Paul Voss und Edelhelfer Marcel Sieberg, der sonst Supersprinter André Greipel zu Siegen verhilft. Doch die Tour steckte scheinbar noch in den Beinen. Bei dem Verfolgungsrennen, bei dem in jeder Runde der jeweils Langsamste rausflog, wurde Voss nur Fünfter, Sieberg holte immerhin Platz drei. Sieger wurde Max Walscheid vom Team Giant Alpecin vor seinem Teamkollegen Nikias Arndt. „Eine tolle Kulisse“, freute sich Walscheid nach dem Triumph.

Die 25 000 Fans hatten auch beim Derny-Rennen richtig Spaß, bei dem die Supersprinter Greipel und Kittel mitfuhren. Immer hinter den leichten, knatternden Motorrädern her, auf denen die Schrittmacher sitzen, Tempo vorgeben, Windschatten geben. Kräftiger Windzug beim Vorbeifahren inklusive. Und diesmal dominierten die Tourprofis: Greipel setzte sich zumindest zeitweise an die Spitze. Doch Kittel, Robert Wagner und Emanuel Buchmann hatten etwas dagegen. Viereinhalb Runden vorm Ende holten sie Greipel ein und zogen locker davon. Die Entscheidung im Endspurt: Favorit Kittel ging auf der Schlussgeraden leicht aus dem Sattel, zeigte seinen bärenstarken Tritt, der Sieg! Auch Schrittmacher Christian Dippel jubelte. Buchmann und Wagner blieben die Plätze zwei und drei. Kittel freute sich auf der Ehrenrunde mit breitem Grinsen, winkte, genoss den Applaus der Fans. „Das hat Spaß gemacht, die Leute an der Strecke sind super“, freute sich der Supersprinter, „schön, dass das Rennen hier wieder durchstartet.“

Dann der Höhepunkt: das Eliterennen. Der Himmel war mittlerweile dunkel, leichter Regen machte die Strecke noch schwerer. Gefährlich in den Spitzkehren. Den Topstars machte das nichts aus: Kittel setzte sich schnell nach vorne, die anderen Tour-Fahrer ließen es erst ruhig angehen, fuhren etwa zehn Runden vorm Ende aber die Lücke zu. Die Top-Stars in der Top-Gruppe: Kittel, Greipel, Wagner, Voss – viermal Frankreich-Rundfahrt. Dazu Verfolgungs-Zweiter Arndt. Vier Runden vorm Ende fuhr dann aber Ex-Meister Wagner den anderen davon – zunächst. Da kamen die anderen vier kaum hinterher. Und schafften es anderthalb Runden vorm Ende doch. Ein Sprint-Finale! Auf den letzten Metern setzten sich drei ab – und Greipel nahm Kittel den Sieg Zentimeter vorm Ende noch weg. Von den Champs-Élysées auf den Friedrichswall! Platz drei ging an Arndt. Die „Nacht“ ist wieder da. Und wie!

Jonas Szemkus


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