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Wolfsburg Trainer Dieter Hecking.

Wolfsburg Trainer Dieter Hecking. © Peter Steffen

Fußball

"Das ist Egoismus: Hecking wettert vor Bayern-Spiel gegen Dost

Trainer Hecking wettert nach dem 25. Heimspiel in Serie ohne Niederlage ausgerechnet gegen Torjäger Dost. Trotz seiner Siegtore steht der Stürmer unter Beobachtung - auch nach einem klärenden Gespräch.

Wolfsburg. Vor dem Bundesliga-Topspiel beim FC Bayern München schafft sich Herausforderer VfL Wolfsburg die Probleme selbst. In beispielloser Offenheit zählte VfL-Trainer Dieter Hecking nach dem 2:0 (0:0) gegen Hertha BSC einen seiner wichtigsten Spieler an. Öffentlich und ungefragt ließ der Fußballlehrer seinem Ärger über den Doppel-Torschützen Bas Dost freien Lauf.

"Ich habe mich für ihn gefreut, dass er zwei Tore gemacht hat. Aber so, wie er die letzten Tage rumgelaufen ist, das geht nicht. Das ist Egoismus und den brauchen wir hier nicht." Mit diesen Worten fing Wolfsburgs Coach erst an zu poltern. Und das ausgerechnet gegen den Torjäger, der dem Vizemeister und Pokalsieger mit seinen Treffern einen glücklichen Arbeitssieg beschert hatte. Nur wegen Dosts Saisontoren drei und vier tritt der VfL am Dienstag in München noch in Schlagdistanz beim Titelverteidiger und Rekordmeister an.

Am Sonntag gab es eine klärende Unterhaltung zwischen Trainer und Stürmer. "Wir haben ein Gespräch geführt, in dem Bas die Möglichkeit hatte, die Beweggründe für sein Verhalten darzulegen und auch auf meine Kritik reagieren zu können", sagte der Fußball-Lehrer dem Internet-Anbieter Sport1. "Damit ist das Thema jetzt für uns aus der Welt."

So schnell dürfte Dost die Kritik des Trainers aber nicht vergessen. Der Niederländer musste sich von Hecking öffentlich rügen lassen: "Wenn einer dann im Training drei Tage so rumläuft, als hätte man ihm das Spielzeug weggenommen, dann ist das sehr bedenklich. Dann sollte er seine Einstellung zur Mannschaft schleunigst überdenken."

Gemeint war Dosts Trainingsleistung nach dem 1:0 am vergangenen Dienstag in der Champions League gegen ZSKA Moskau. Da war Dost nach schwacher Leistung zur Halbzeit ausgewechselt worden. Gegen Berlin musste der 26-Jährige zunächst auch auf die Bank. "Wenn ich 15 Minuten bekomme, gebe ich Gas", sagte Dost, der tatsächlich Gas gegeben hatte: Nur vier Minuten nach seiner Einwechslung und zwei Minuten vor dem Ende per verwandeltem Foulelfmeter schoss der niederländische Nationalstürmer den wichtigen Sieg heraus.

Von Freude bei seinem Trainer war indes wenig zu spüren. Im Gegenteil: Dost steht offensichtlich unter Beobachtung, trotz des Gesprächs am Sonntag. Dost solle sich überlegen, "ob man kommunizieren kann und soll oder seinen Ärger öffentlich zur Schau stellt", befand der sichtlich verärgerte Hecking. "Wenn er meint, dass das der richtige Weg ist, dann ist er hier in Wolfsburg falsch."

Dosts Platz in der Startelf in München ist also auch nach seinem Doppelpack gegen die Hertha alles andere als sicher. Dabei fand das Team dessen Verhalten offensichtlich weniger problematisch. "Jeder Spieler ist sauer, wenn er nicht spielt. Er hat das Spiel entschieden, das freut mich für ihn", meinte etwa Dost-Kumpel Daniel Caligiuri, der das 1:0 (75.) uneigennützig aufgelegt hatte.

Auch Julian Draxler, der den Elfmeter kurz vor dem Ende (88.) heraus geholt hatte, wirkte nicht wie ein von den Extravaganzen genervter Mitspieler, als er sich den Ball vor dem Strafstoß schnappte und Dost gab. "Er hat gesagt: 'Das ist dein Ball. Das hat mir auch gut getan'", berichtete Dost, der als nicht einfach gilt.

Schon oft war ihm Missmut allzu deutlich anzumerken. Immer wieder kokettierte er auch mit einem Weggang, wenn der Club Konkurrenz im Sturm suchte oder dann auch holte. So wie etwa im Sommer, als Nationalstürmer Max Kruse für zwölf Millionen Euro aus Gladbach kam.

Dost ist immer noch da und trägt nach seinen Treffern derzeit ein besonders ausgeprägtes Selbstbewusstsein zur Schau. "Vier Tore aus fünf Spielen ist nicht so schlecht, glaube ich", befand Dost und legte mit Blick auf das Bayern-Spiel nach: "Wir fahren da nicht hin, um unentschieden zu spielen."

dpa


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