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England

Dart-WM: Großer Wurf für Hannover?

Es wird ein spannender Sonntag für die kleine Lena. Am Vorabend ihres zehnten Geburtstages wird sie aufgeregt ins Bett schlüpfen. Am nächsten Tag ist noch Schule. Deswegen muss sie wohl zeitig schlafen gehen. Vielleicht, aber nur ausnahmsweise, darf sie ja doch ein bisschen länger wach bleiben. Denn um 20.45 Uhr hat ihr Papa seinen großen Auftritt bei der Darts-WM im Londoner Alexandra Palace. Sport 1 überträgt live.

Hannover. Hannovers Darts-Ass Jyhan Artut (Weltranglistenplatz 54) tritt in der ersten Runde gegen den Engländer Stephen Bunting (17.) an. Kein Traumlos, aber auch kein Horrorlos wie im vergangenen Jahr, als er gleich gegen Darts-Legende Phil Taylor ran musste - und verlor.

„Ich bin guter Dinge“, sagt Artut. Vor drei Monaten konnte er Bunting in Düsseldorf vor 2500 Zuschauern mit 6:3 besiegen. Ein halbes Jahr zuvor hatte er in einem Match schon 5:3 geführt, dann allerdings „noch ziemlich dämlich“ mit 5:6 verloren, wie Artut zugibt. „Wir sind gute Freunde“, sagt der 39-Jährige, „aber wenn ich gewinne, wird das Publikum vermutlich auf mich losgehen.“

3000 bierselige Zuschauer werden morgen den „Ally Pally“ bevölkern - und natürlich für den Vorjahresviertelfinalisten Bunting (Spitzname: The Bullet) grölen. Darüber macht sich Artut keinen Kopf. Er konzentriert sich nur auf sein Spiel. Wenigstens diese eine Runde will er gewinnen. Denn danach warten der holländische Superstar Raymond van Barneveld (fünfmaliger Weltmeister) und Top-Favorit Michael van Gerwen (Weltranglistenerster) in seiner Tableau-Hälfte. Unüberwindbar.

„The Eagle“, den Adler, nennen die dartsverrückten Engländer den beliebten Deutschen achtungsvoll. Sogar englische Sponsoren fahren auf Artut ab. Vor seinem WM-Start absolviert er in London noch ein paar Show-Matches für seinen neuen Geldgeber: eine englische Reinigungsfirma.

„Saubermann“ Artut war bereits am Mittwochabend mit seiner Lebensgefährtin Anja Vonscheidt (42) nach London geflogen. Noch wohnen beide in Bremen. Artut zieht es aber wieder nach Hannover. Wo er aufgewachsen ist. Und wo seine Lena bei der Mama groß wird. Artut verzweifelt schon etwas, „denn der Wohnungsmarkt in Hannover ist gerade echt übel“.

Der gebürtige Holzmindener will auf jeden Fall zurück. „Hannover kann sich schon auf mich freuen“, sagt er. Aber vorher soll ihm noch der große Wurf bei der WM gelingen.


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