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Bremens Regierungschef Jens Böhrnsen (SPD).

Bremens Regierungschef Jens Böhrnsen (SPD). © Ingo Wagner/Archiv

Fußball

Böhrnsen kritisiert DFB - "Spiegel": 650 000 Stunden Polizei-Einsatz

Bremens Regierungschef Jens Böhrnsen hat die Verlegung des EM-Qualifikationsspiels gegen Gibraltar von Bremen nach Nürnberg massiv kritisiert. Er warf dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) vor, Druck gegen eine demokratisch legitimierte Entscheidung des Senats ausüben zu wollen.

Bremen. "Das ist kein Umgang mit einem gewählten Parlament und einer Landesregierung", erklärte der SPD-Politiker.

Bisher steht der Bremer Senat mit seiner Absicht allein da, die Bundesliga an den Kosten der Polizeieinsätze bei Risikospielen zu beteiligen. Andere Bundesländer lehnen den Vorstoß ab, der bei DFB und DFL zu heftigen Protesten und dem Länderspiel-Entzug geführt hat. Das könnte sich nach einem Musterverfahren ändern, mit dem Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) rechnet.

Rückendeckung erhält die Hansestadt durch unveröffentlichte Daten über den personellen Einsatz der Polizei, die nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Spiegel" die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) ermittelt hat. Demnach leisteten die Beamten der Länder in der abgelaufenen Saison 2013/2014 mehr als 650 000 Stunden für Bundesligaspiele.

Der größte Aufwand mit 3181 Länder-Polizisten wurde am 6. April beim brisanten Niedersachsen-Duell zwischen Eintracht Braunschweig und Hannover 96 betrieben. Bei normalen Spielen sind bis zu 200 Polizisten im Einsatz. Nicht berücksichtigt sind die zahlreichen Kräfte, die bei Spielen der 2. und 3. Liga eingesetzt werden.

Außerdem sind an Spieltagen Bundespolizisten unterwegs. Sie überwachen den Fanreiseverkehr an Bahnhöfen. In der Saison 2012/13 waren dafür laut "Spiegel" pro Woche durchschnittlich 2140 Beamte nötig. Die Kosten sollen sich auf 27,8 Millionen Euro belaufen.

Trotz der enormen Kosten ist für den CDU-Politiker Wolfgang Bosbach die Rechtslage klar. "Die Bremer Initiative stellt rechtsstaatliche Grundsätze auf den Kopf", sagte der Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag der "Bild am Sonntag". Bosbach argumentierte: "Für die Sicherheit in den Stadien tragen die Vereine ohnehin die Verantwortung und auch die Kosten. Im öffentlichen Raum ist dies jedoch eine originär staatliche Aufgabe und daher grundsätzlich aus Steuermitteln zu finanzieren."

Für Bremens Regierungschef Böhrnsen handelt es sich dagegen um umstrittene Rechtsfragen, "bei deren Beurteilung sich auch der Blick in das europäische Ausland lohnen kann, in dem es ähnliche Probleme mit Risiko-Spielen gibt". Für die Lösung dieser Rechtsfragen gebe es Gerichte. "Argumente auszutauschen, vielleicht auch mit heftigen Tönen, und sich am Ende einem möglichen Urteil zu stellen, das ist die richtige Art", sagte er.

dpa


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