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Braunschweigs Reichel (links) und Bremens Makiadi im Luftduell.

Braunschweigs Reichel (links) und Bremens Makiadi im Luftduell. © P. Steffen

Fußball

Bittere Braunschweig-Rückkehr: "Ärgerlich ja, aber ein Dämpfer nein"

Torsten Lieberknecht tobte wie Rumpelstilzchen. Der Trainer von Eintracht Braunschweig brauchte einige Minuten, um dieses so unglückliche wie unnötige 0:1 gegen Werder Bremen beim Comeback seines Clubs in der Fußball-Bundesliga zu begreifen.

Braunschweig. Lieberknecht schrie, hüpfte wie ein Flummi auf und ab, zog Grimassen und wütete gegen Schiedsrichter Deniz Aytekin; selbst der Ex-Referee und jetzige TV-Experte Markus Merk bekam sein Fett weg.

Warum? Das wusste wohl nur der Eintracht-Coach selbst. Die Auftakt-Niederlage zur 21. Bundesligasaison des Meisters von 1967 hatten sich die kampfstarken, aber spielerisch arg limitierten Braunschweiger selbst zuzuschreiben. "Ich bin gefragt worden, ob wir Lehrgeld bezahlt haben. Ja, kann sein", sagte Lieberknecht deutlich später nach Spielschluss, als er sich längst wieder beruhigt hatte. "Es war auch teilweise Pech dabei. Teilweise gab es aber auch Situationen, in denen wir den Punch hätten setzen können."

Genau diese Situationen, von denen der Aufsteiger nach rund einer Stunde, als er bemerkte, dass gegen schwache Bremer einiges mehr als ein biederes 0:0 möglich war, mehrere hatte, bringen Trainer normalerweise um den Verstand. Lieberknecht nur kurz, als sich seine Gefühle nach Spielende entluden. Sofort trommelte er sodann sein Team zusammen, und versuchte seinen bundesliga-unerfahrenen Spielern eine "Jetzt-erst-Recht-Mentalität" zu vermitteln.

"Man sollte herausstellen, dass wir uns viele Chancen erarbeitet haben", erklärte Lieberknecht später. Nach dem Pokal-Aus beim Zweitliga-Aufsteiger Bielefeld vor einer Woche, der bitteren Liga-Auftaktpleite gegen einen mutmaßlichen Konkurrenten im Kampf gegen den Abstieg nun und vor dem Gang zum scheinbar übermächtigen Vizemeister Dortmund kommende Woche klammerten sich die Verantwortlichen an das vermeintlich Positive.

"Ich glaube nicht, dass es ein Dämpfer ist. Es ist ein Lernprozess", meinte Lieberknecht. Kapitän Dennis Kruppke pflichtete bei: "Ärgerlich ja, aber ein Dämpfer war es nicht. Wir haben ein gutes Spiel gezeigt." Manager Marc Arnold fand: "Wir können darauf aufbauen" und Präsident Sebastian Ebel gab das Motto "Weitermachen" aus.

In Sachen Moral und Kampfgeist mag das stimmen. Um die Klasse zu erhalten, scheint die Eintracht aber in Sachen Cleverness und Chancenverwertung einige Schippen drauflegen zu müssen. "Wir wissen, dass es eine Riesen-Herausforderung für uns wird", sagte Lieberknecht: "Dieser Tag tut weh. Aber es war auch so, dass wir sagen können: Wir können uns dieser Herausforderung stellen."

Ob dies auch für Werder gilt, ist trotz des späten und glücklichen Siegtreffers von Zlatko Junuzovic (82. Minute) ungewiss. "Wir wissen, dass wir eine schwere Saison vor uns haben", sagte der Torschütze selbst angesichts des mühevollen Sieges beim krassen Außenseiter.

Spielerisch knüpfte der frühere Champions-League-Dauergast an die miese Rückrunde der Vorsaison an. Immerhin gab es nun nach einem halben Jahr endlich mal wieder einen Pflichtspielsieg. "Werder Bremen hat seit Februar kein Spiel mehr gewonnen. Das ist eine unfassbar lange Zeit", sagte der neue Trainer Robin Dutt.

Nicht nur bei ihm war die Erleichterung über den erfolgreichen Einstand bei jeder Geste und jeder Äußerung zu greifen. "Für uns war das sehr wichtig", gestand Geschäftsführer Thomas Eichin: "Jeder weiß, was los gewesen wäre, wenn wir nicht gewonnen hätten."

dpa


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